Marathonmann vor dem Zieleinlauf

Gerhart Holzinger steht vor dem Höhepunkt seiner Karriere: Er wird Chef des Höchstgerichts.

Die Entscheidung der Regierung ist keine Überraschung, denn der Auserwählte gilt in roten und in schwarzen Kreisen als anerkannter Fachmann. Gerhart Holzinger (60), bisher „einfaches“ Mitglied des Verfassungsgerichtshofs (VfGH), wird Nachfolger des mit Ende April aus seinem Amt scheidenden VfGH-Präsidenten Karl Korinek.

Holzinger ist Mitglied der schwarzen Kaderschmiede CV, machte aber unter roten Vorgesetzten Karriere. Nach dem Jus-Studium an der Uni Salzburg startete der gebürtige Gmundner seine Karriere als Verfassungsrecht-Assistent. 1975 kam Holzinger ins Kanzleramt und werkte zunächst in der Abteilung Verfassungsdienst. 1984 wurde der Jurist Leiter des Verfassungsdienstes und diente unter roten Kanzlern (zuletzt Franz Vranitzky). Im Juni 1995 folgte dann der Sprung zum Verfassungsgerichtshof.

Als künftiger Präsident wird Holzinger eine gute Kondition brauchen, aber über die dürfte er verfügen: Schließlich läuft der Oberösterreicher nicht nur Marathon, sondern gilt auch als leidenschaftlicher Triathlet. Auch Auseinandersetzungen mit der Politik ist er gewohnt: Holzinger war im VfGH der zuständige Referent für die Kärntner Ortstafel-Erkenntnisse – und damit eines der Hauptangriffsziele von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider.

Eine der Aufgaben des VfGH-Präsidenten ist es traditionell auch, bei einer Pressekonferenz komplexe Entscheidungen der Öffentlichkeit zu erläutern. Darin hat Holzinger Übung: Zusammen mit der „Presse“ veröffentlichte er im Vorjahr ein Buch, in dem das Verfassungsrecht möglichst simpel erläutert wird. aich

ZUR PERSON
Name: Gerhart Holzinger

Geboren am: 12. Juni 1947 in Gmunden

Tätigkeit: künftig VfGH-Präsident [Bruckberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2008)

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