Der Bayer spielt in „Kirschblüten – Hanami“ die Rolle seines Lebens – und gilt als haushoher Favorit bei der heutigen „Lola“-Verleihung.
Selbst Edmund Stoiber hat sich fest vorgenommen, wieder einmal ins Kino zu gehen, um die Metamorphose eines urtypischen bayerischen Schauspielers zu bestaunen. Zeit genug hätte der Polit-Rentner ja, um einen Elmar Wepper kennen zu lernen, der in der Rolle des biederen Landesbeamten Rudi womöglich gar nicht so weit von ihm selbst entfernt ist.
In Doris Dörries Film „Kirschblüten – Hanami“ gibt Wepper eine denkwürdige Vorstellung, die die Fernsehbranche ihm nie zugetraut und wohl auch nie zugemutet hätte. Es ist die Rolle seines Lebens: Wie er als krebskranker Witwer am Fuße des Fuji weiß geschminkt und in Frauenkleidern einen japanischen Totentanz – einen Buto – hinlegt, um seiner verstorbenen Frau Trudi (Hannelore Elsner) und deren Wunschtraum von Japan die letzte Ehre zu erweisen, gehört zum Anrührendsten, was das deutsche Kino in den vergangenen Jahren auf die Leinwand gebracht hat.
Völlig zu Recht erhielt Elmar Wepper – übrigens aus den Händen seines „großen“ Bruders Fritz – dafür auch den „Pierrot“, den bayerischen Filmpreis. Und es müsste mit dem Teufel zugehen, sollte er nicht am Freitagabend in Berlin die „Lola“ – die kleinere Schwester des „Oscar“, den deutschen Filmpreis – bekommen.
Bereits bei der Berlinale nahm er vor zehn Wochen die Ovationen des Publikums und die Kritikerhymnen hin. „Ein schauspielerischer Triumph“, befand der „Tagesspiegel“, und die „Süddeutsche Zeitung“ würdigte den „grandiosen Auftritt“. Wepper nahm die Lorbeeren nicht ohne Genugtuung, aber mit Gelassenheit und bayerischen Bierruhe entgegen: „Es ist nicht so, als hätte ich jahrelang darauf gewartet.“
Doris Dörries Film, auch in den Nebenrollen mit Jungstars (Nadja Uhl, Birgit Minichmayr, Maximilian Brückner als Rudis erwachsene Kinder) hochkarätig besetzt, dürfte mit sechs Lola-Nominierungen groß abräumen. Als ernsthafter Konkurrent gilt lediglich Fatih Akins preisgekrönte deutsch-türkische Odyssee „Auf der anderen Seite“ (mit der Fassbinder-Muse Hanna Schygulla), der in fünf Kategorien nominiert ist. In der Sparte „Beste Nebenrolle“ zeichnet sich ein Duell zwischen Elsner und Schygulla ab, den beiden „Grandes Dames“ des deutschen Films.
Für den 64-jährigen Wepper wäre die Auszeichnung die Krönung seines Lebenswerks, das sich vorwiegend im Fernsehen abspielte. „Ich bin in die Schauspielerei einfach so reingerutscht. Und wäre es nichts geworden, hätte ich mich auch nicht von der Isarbrücke gestürzt.“
Von seinem Bruder erbte der ehemalige Student der Germanistik und Theaterwissenschaften Anfang der 70er-Jahre die Rolle des Assistenten in der Krimireihe „Der Kommissar“. Fritz mutierte zu „Harry Klein“, „Derricks“ Mädchen für alles: „Harry, fahr schon mal den Wagen vor“ wurde zum geflügelten Wort – und der einstige Star aus „Cabaret“ zur Witzfigur. Er hatte eine unsichere Hollywood-Karriere gegen den Fernsehruhm in Deutschland eingetauscht. Auch Elmar war lange auf eine Schablone festgelegt: auf die des grundsympathischen, zuweilen etwas grantigen Bayern, fest in sich ruhend – vorzugsweise an der Seite des „Schätzchen“ Uschi Glas: in „Polizeiinspektion 1“ (als Jungspund neben Walter Sedlmayr), „Unsere schönsten Jahre“ und „Zwei Münchner in Hamburg“. Der Film allerdings hatte für den TV-Serienstar keine Verwendung.
Fast 40 Jahre dauerte es, bis Doris Dörrie die andere Seite des Volksschauspielers entdeckte, der im Bayerischen Fernsehen mit Promi-Koch Alfons Schuhbeck aufkocht, sich aber ansonsten fernab von der Chi-Chi-Gesellschaft Münchens hält. Womöglich kommen erst jetzt die großen (Alters-)Rollen auf ihn zu. Wiewohl nicht gleich Hollywood rufen wird: Als deutscher Synchronsprecher von Mel Gibson hat er zumindest schon einen Fuß in der US-Filmbranche.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2008)