Karl Böhm probt und dirigiert Richard Strauss' "Don Juan"

(EuroArts)
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Als sich die Philharmoniker noch vor einem Maestro fürchteten: Die Legende Karl Böhm, als dauergrantig verrufen, erarbeitet mit "seinen" Wienern Strauss. Unglaublich detailversessen, faszinierend!

Musiker erzählen noch von dem grantelnden Orchestererzieher, der vor allem für jüngere Musiker sehr unangenehm werden konnte. Hörer hingegen schwärmen von Interpretationen, die von handwerklichem Können, Wissen um die Tradition und Inspiration gekennzeichnet waren. Jetzt kann man anhand eines singulären Dokuments nachprüfen, wie wahr alles ist, was über Karl Böhm erzählt wird: Probe und Aufführung des "Don Juan", Tondichtung op. 20 von Böhms Mentor Richard Strauss, mit den Wiener Philharmonikern, 1971: Tatsächlich unterbricht Böhm seine Musiker nahezu in jedem Takt, korrigiert kleinste technische Details, falsche Rhythmen, Tonhöhen, - das Werk ersteht sozusagen als riesiges musikalisches Puzzlespiel. Unglaubichster Moment: Im orchestralen Gewoge nimmt der Kapellmeister aus, daß die Harfe eine Oktav zu tief gespielt hat. Sofort wird unterbrochen. Der darauf angesprochene Musiker verneint freilich den Fehler. Die DVD macht möglich, was Böhm damals nicht konnte: Wer zurückspult, hat den Beweis: Böhm hatte Recht!

Die Wiedergabe, live im Musikverein mitgeschnitten, wirkt dann trotz dieser besessenen Detailarbeit während der Probe doch spontan, schwungvoll, und wie aus einem inspirierten Augenblick geboren. So war er - nicht angenehm für die Kollegen, aber ein begnadeter Interpret.

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