Storno-Welle könnte EM-Hotels treffen

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Eine plötzliche Storno-Welle sorgte für leer stehende Hotelzimmer und Verluste bei der WM in Deutschland. Das könnte auch den Hotels bei der Euro 2008 drohen.

wien. Die Hotel-Branche hat mit der Fußball-WM Deutschland wenig gute Erfahrungen gemacht. Freuten sich die Hoteliers über eine gute Buchungslage im Vorfeld der Weltmeisterschaft, gab es danach lange Gesichter. Plötzlich rollte eine Storno-Welle und zahlreiche Zimmer wurden kurzfristig frei – zu kurzfristig, um sie anderen WM-Gästen anzubieten. Damit fuhren nicht wenige Hotels (zum Teil satte) Einbußen ein; auch weil die leeren Zimmer den Preiskampf angeheizt hatten.

Ausgehend von der WM 2006 rechnen nicht wenige in der Branche, dass dieser Effekt auch Österreich treffen wird – bei der Euro 2008, die im Juni in Wien, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck über die Bühne geht. Damit konfrontiert meint Martin Sturzlbaum, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Reiseversicherung, zur „Presse“: „Diese Problematik kann bei der Euro 2008 auch auftreten.“ Auch wenn derzeit von einer Storno-Welle nichts zu sehen sei.

Der Grund für die Bettenflaute: Gäste aus verschiedenen Ländern, die ihr Hotelzimmer lange vor der Fußball-WM 2006 gebucht hatten, stornierten kurzfristig ihr Zimmer – weil ihre Mannschaft, entgegen den Erwartungen, nicht aufgestiegen war; oder es Probleme mit dem Visum gab. Dass Stornierungen durch Visum-Probleme nicht zu unterschätzen sind, zeigt eine Zahl: 50.000 Fußball-Fans werden alleine aus Russland erwartet.



„Diese Problematik kann bei der Euro 2008 auch auftreten.“

M. Sturzlbaum (Europäische Reiseversicherung) über zahlreiche leere Hotelzimmer bei der WM 2006.

Was in Österreich noch dazu kommt: „Die Usancen in der Stadt-Hotellerie sind, dass bis 18 Uhr am Anreisetag das Zimmer storniert werden kann“, meint Sturzlbaum. Die Jubelmeldungen in der Anfangseuphorie („Die Betten in Wien sind ausverkauft“) haben auch dafür gesorgt, dass ausländische Fußballfans, die kein Visum benötigen, sich nicht mehr nach Betten erkundigen – selbst wenn plötzlich wieder Zimmer frei sind. Zur Draufgabe: Laut jüngster Studie der Europäischen Reiseversicherung stornieren die Gäste ihre Zimmer immer kurzfristiger.

Hoteliervereinigung: „Keine Angst“

Michaela Reitterer, Wiener ÖHV-Vorsitzende, teilt dies Befürchtungen nicht: „Ich habe keine Angst. Storno-Wellen beobachten wir eher im Winter-Tourismus, wenn es beispielsweise wenig Schnee gibt.“ Außerdem hätten viele Hoteliers vorgesorgt. Buchungen für die Euro 2008 seien oft nur gegen eine Vorauszahlung bzw. gegen die Übermittlung der Kreditkartennummer abgewickelt worden. Andere Hoteliers setzten auf eine Pönalezahlung in der Höhe von 100 Prozent, wenn der Gast absagt. Das Problem laut Sturzlbaum: Wie soll man beispielsweise einen Russen dazu bringen die Pönale zu zahlen, wenn er nicht einmal nach Österreich anreist?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2008)

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