Dividende & interne Manager: Firmen umwerben Anleger

Börse. Immobiliengesellschaften ändern ihre Philosophie. Hatten die meisten Firmen bisher keine Dividende ausgeschüttet, so soll es künftig vermehrt eine solche geben.

Bei ihrer jüngsten Jahresbilanz-Pressekonferenz kündigte die S-Immo zwei grundlegende Änderungen an: Erstens sollen mehrere Schlüsselmitarbeiter der S-Immo, die derzeit bei der Erste-Bank-Tochter Immorent angestellt sind, künftig mit Dienstverträgen der S-Immo ausgestattet werden. Kosten soll die Umstellung die Aktionäre nichts, versprach S-Immo-Vorstand Holger Schmidtmayr. Zweite Neuerung: „Ab 2010 ist auch eine Dividende denkbar“, kündigte er an.

Teures externes Management

Mit diesen Plänen findet sich Schmidtmayr in guter Gesellschaft. Bei der Politik von Österreichs Immobilienunternehmen zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Hatten die meisten Firmen bisher keine Dividende ausgeschüttet, so soll es künftig vermehrt eine solche geben. Waren die meisten Unternehmen bisher von ihren Gründerbanken gemanagt worden und hatten diesen dafür Gebühren bezahlt, so wollen sie sich jetzt zunehmend selbst managen.

Und hatte man bisher die Immobilien in der Bilanz meist kräftig aufgewertet (von einzelnen Liegenschaften abgesehen), so hat die Immoeast in ihrer jüngsten Quartalsbilanz millionenschwere Abwertungen vorgenommen, die das Betriebsergebnis (Ebit) in den negativen Bereich drückten.

Denn das Vertrauen der Anleger in ist in den vergangenen Monaten stark gesunken. Obwohl die Immobiliengesellschaften an der Börse deutlich unterbewertet sind (die Aktien also billiger sind als die Immobilien der Unternehmen), erholen sich die Kurse kaum. Die Turbulenzen bei Meinl European Land, aber auch die Kursstürze der meisten anderen Gesellschaften haben Kritik von Anlegerschützern laut werden lassen: Das externe Management durch die Banken sei zu teuer, und in Zeiten fallender Kurse könne man sich nicht einmal mit Dividenden trösten, beklagte etwa der Interessenverband für Anleger (IVA).

Österreichs Immofirmen kämpfen darum, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen: Hatten zuvor nur CA Immo und CA Immo International ein internes Management, hat nun auch Conwert auf ein solches umgestellt. Für Kritik sorgte allerdings, dass das Unternehmen und damit die Aktionäre für die Managementgesellschaften bezahlen mussten. Bei der Sparkassen Immo soll die Umstellung jetzt nichts kosten.

Ein hartnäckiger Verfechter des „externen Managements“ war bisher Immofinanz-Chef Karl Petrikovics, zugleich Chef der Constantia Privatbank. Er hatte argumentiert, dass internes Management auch teurer sein könne, weil man für etwaige Reisekosten der Mitarbeiter aufkommen müsse. In Japan und den USA sei externes Management gang und gäbe. Jetzt steht die Constantia Privatbank zum Verkauf, dass im Zuge dessen die Immofinanz ihr Management kauft, ist wahrscheinlich. „Ich schließe gar nichts mehr aus“, sagt Petrikovics. Einem internen Management kann er durchaus Positives abgewinnen: Wenn die Anleger das wollten, sei eine Umstellung auf internes Management denkbar.

Dividende setzt sich durch

Über eine Dividende können sich Immofinanz-Aktionäre schon heuer freuen. Das Argument, dass österreichische Kleinaktionäre keine wollen, weil sie diese mit 25 Prozent versteuern müssen, Kursgewinne nach einem Jahr aber nicht mehr, hört man kaum noch. Auch Conwert und Eco Business wollen Dividende zahlen. Kommt auch die Sparkassen Immo dazu, ist die Immofinanz-Tochter Immoeast mit ihrer Dividendenpolitik (keine Dividende) in der Minderheit.

AUF EINEN BLICK. Die neuen Zuckerln

Heimische Immogesellschaften ändern ihre Strategie und ihre Argumente, um Anleger zurückzugewinnen: Externes Management ist out, die Firmen stellen ihre Manager selbst an. Die meisten Unternehmen planen auch, eine Dividende auszuschütten. Jahrelang hatte man argumentiert, das sei ungünstig für Kleinanleger, weil diese Dividenden versteuern müssten, Kursgewinne aber nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2008)


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