Eine leider endlose Geschichte . . .

Die Diskussion geht weiter. Mögen die Verantwortlichen auch noch so bemüht versichern, wie sehr ihnen das Wohl des Wiener Radio-Symphonieorchesters am Herzen liege.

Angesichts der Vorgänge in der jüngeren Vergangenheit will in der Musikszene offenbar niemand an die Lauterkeit solcher Beteuerungen glauben. Drei führende Komponisten Österreichs, Friedrich Cerha, Kurt Schwertsik und Heinz Karl Gruber, konstatieren im Namen des „Kunstsenats“ in einem offenen Brief, eine seit Mitte der Neunzigerjahre zu beobachtende „Tendenz der Verantwortlichen im ORF, durch Einsparungsmanöver die Existenz des einzigen österreichischen Radio-Symphonieorchesters (RSO) in Frage zu stellen“.

Jüngst publizierte Äußerungen des Ö1-Chefs Alfred Treiber würden beweisen, dass es ORF-intern keineswegs nur, „wie vom ORF-Kommunikationschef interpretiert, um die üblichen ,internen Vorgänge‘ im Rahmen von Budgetverhandlungen“ ginge, sondern „um eine Grundeinstellung, die für das Musikland Österreicheine Schande und überdies sachlich unvertretbar ist“. Das RSO sei heute „besser denn je“ in der Lage, seine Aufgabe zu erfüllen und auch groß besetzte Orchestermusik aufzuführen. Es ginge nun darum, so der Brief weiter, „dass das ewige Gezerre um die Existenz und die notwendige Dotierung dieses Orchesters ein für alle Mal ein Ende findet und ein professionelles Management bestellt wird, das für derartige Aufgaben nach internationalen Maßstäben qualifiziert ist.“ (Kontakt: office@kunstsenat.at)

Dem ist vielleicht nur hinzuzufügen, dass das RSO Wien bereits im Zuge früherer „Budgetkonsolidierungen“ von Sparmaßnahmen voll getroffen wurde und längst auf eine Größe reduziert ist, die angesichts des symphonischen Repertoires als absoluter Minimalstand bezeichnet werden muss. Die Hellhörigkeit der Öffentlichkeit in dieser Causa hat wohl auch viel mit der Sensibilität für den Kulturauftrag des ORF zu tun – nicht zuletzt nach der jüngsten Gebührenerhöhung. Eine quartalsmäßige Diskussion der Orchester-Zukunft liegt dazu schief!


wilhelm.sinkovicz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2008)

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