Arbeitslosigkeit steigt im April um 10,5 Prozent

Schlange vor dem Sozialamt: Noch bleiben die Aussichten verhalten.
Schlange vor dem Sozialamt: Noch bleiben die Aussichten verhalten.Clemens Fabry (Die Presse)

In Österreich suchen mehr als 390.000 Menschen einen Job. Das sind 10,5 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die Aussichten bleiben "noch verhalten", heißt es vom Sozialministerium.

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im April weiter gestiegen. Insgesamt 390.289 Personen waren Ende April entweder arbeitslos oder in Schulungen, das waren um 10,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Dabei gab es in allen Bundesländern sowohl mehr Arbeitslose als auch mehr Schulungsteilnehmer.

Die Arbeitslosenquote (nach nationaler Definition) stieg auf 8,1 Prozent, bei Älteren (ab 50 Jahren) kletterte sie sogar auf 9,0 Prozent. Nach Eurostat bleib die österreichische Arbeitslosenquote unverändert bei 4,9 Prozent. Im EU-Vergleich lag Österreich damit weiterhin am besten Rang aller 28 EU-Staaten. An zweiter Stelle folgt Deutschland mit 5,1 Prozent. Dort verzeichnete man zuletzt allerdings - im Gegensatz zu Österreich - sinkende Arbeitslosenzahlen.

Starker Anstieg bei Langzeitarbeitslosen

Besonders stark zugelegt hat hierzulande die Arbeitslosigkeit bei Ausländern (+22,7 Prozent), bei Älteren ab 50 Jahren (+22,2 Prozent) und bei behinderten Personen (+29,6 Prozent). Bei Jugendlichen wuchs die Arbeitslosigkeit deutlich geringer, nämlich um 4,5 Prozent. Überdurchschnittlich stark waren die Baubranche und der Handel betroffen. Die Langzeitarbeitslosen wurden deutlich mehr, ihre Zahl stieg um 62,8 Prozent auf 10.028 Personen. Auch in den Regionen gab es große Unterschiede, am stärksten stiegen die Zahlen in Wien und Oberösterreich (siehe Grafik).

Arbeitslose im April 2014
APA

Zwar steigt die Zahl der aktiv Beschäftigten mit voraussichtlich plus 26.000 weiter kräftig an, das Wirtschaftswachstum reiche jedoch nicht aus, um alle zusätzlichen auf den Arbeitsmarkt strömenden Personen aufzunehmen, heißt es zu den heute Freitag veröffentlichten Zahlen vom Sozialministerium. Anstatt des für heuer prognostizierten Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,7 Prozent müssten hierfür wohl zumindest 3,0 Prozent erreicht werden. Die Aussichten für die Arbeitssuchenden bleiben "noch verhalten".

Das Sozialministerium verweist auf die Grenzen der aktiven Arbeitsmarktpolitik durch die allgemeine Konjunktursituation: "Ohne eine entsprechend starke wirtschaftliche Belebung kann die Arbeitsmarktpolitik zwar bei vielen die individuellen Chancen erhöhen und besonders benachteiligten Gruppen neue Perspektiven eröffnen, die gesamtwirtschaftlich bedingte geringe Gesamtnachfrage nach Arbeitskräften kann sie allerdings nicht vollständig ausgleichen."

"Regionale Lichtblicke"

Bei den offenen Stellen gebe es "regionale Lichtblicke", erläutert das Sozialministerium: Deutlich mehr unbesetzte Arbeitsplätze wurden im Burgenland und in Niederösterreich gemeldet, auch in Wien ist mit 0,3 Prozent ein leichter Zuwachs zu verzeichnen. Da allerdings in den westlichen und südlichen Bundesländern der Stellenbestand rückläufig ist, ergibt sich bundesweit eine leichte Abnahme um 1,6 Prozent.

Die Zahl der offenen Lehrstellen sank deutlich um 9,7 Prozent. Demgegenüber stieg die Zahl der Lehrstellensuchenden um 4,3 Prozent.