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Handy: Ende der Minipreise

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(c) REUTERS
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Nach Telekom Austria und T-Mobile hebt auch Hutchison die Preise an. Österreich ist im Europavergleich aber immer noch günstig.

Wien. Die niedrigsten Handytarife in ganz Europa – der beinharte Wettbewerb von zeitweise sechs Mobilfunkanbietern hat den Österreichern in den vergangenen 15 Jahren extrem niedrige Gebühren beschert, die auch inflationsdämpfend gewirkt haben. Die Zeit dieser homöopathischen Preise ist jetzt endgültig vorbei. Nachdem der Marktführer Telekom Austria sowohl bei A1 als auch seinen beiden Billigprodukten Bob und Yesss! an der Preisschraube gedreht und T-Mobile die Preise für die Datennutzung angehoben hat, setzt jetzt Hutchison („3“) den nächsten Schritt.

Der kleinste der – nach der Übernahme von Orange durch Hutchison – nur mehr drei Mobilfunker mit eigenem Netz hebt ab 1.Juli die Grundgebühr um zwei bis drei Euro pro Monat an. Betroffen seien aber nur jene Kunden, die sogenannte SIM-only-Tarife haben. Das sind Verträge ohne Bindung und ohne preisgestütztes Handy, sagt „3“-Sprecher Tom Tesch zur „Presse“. Das seien rund acht Prozent (250.000) der Kunden von „3“. Hutchison hatte bereits im Zuge der Neuaufstellung nach der Übernahme („das neue Drei“) den All-inclusive-Tarif von sieben auf 15 Euro bei einem vergleichbaren Angebot angehoben.

Die Argumente für die Trendwende bei der Preisentwicklung sind bei allen drei Anbietern gleich: Die Schere aus – zugegebenermaßen hausgemachten – extrem niedrigen Tarifen und einer vom Smartphone-Boom getriebenen, zunehmend starken Nutzung der Handys als Minicomputer klafft immer weiter auseinander. Das erfordere zusätzliche Kapazitäten in der Infrastruktur. Deshalb müssten in den nächsten Jahren Millionen in den Aufbau der nächsten Mobilfunkgeneration LTE und der Glasfasernetze investiert werden. Bei Hutchison sind es laut Tesch mehr als 100 Mio. Euro pro Jahr.

 

2 Milliarden für Frequenzen

Noch schwerer wiegt jedoch, dass die Mobilfunker im vergangenen Herbst für die Funkfrequenzen in Summe zwei Mrd. Euro zahlen mussten. Davon entfiel rund eine Mrd. Euro auf die Telekom, 654 Mio. Euro auf T-Mobile und 330 Mio. Euro auf „3“. Diese Kosten lassen sich auf Jahre hinaus nicht zurückverdienen. Zumal die von der Branche aus den Erlösen der Frequenzauktion geforderte Breitbandmilliarde zur Förderung des Infrastrukturausbaus im Budgetloch verschwinden dürfte. Gleich nach der Frequenzauktion übten die Mobilfunker massiv Kritik: Österreich habe die niedrigsten Tarife, aber in Relation zur Bevölkerungszahl die höchsten Frequenzkosten in Europa. Das sei eine versteckte „Handysteuer“, hieß es.

Und nicht zuletzt drückt die von der EU verordnete Abschaffung der Roaminggebühren bis 2015 zusätzlich auf die Erträge der Mobilfunker.

„Die bestehenden Tarife sind nach den neuen Kalkulationen nicht mehr kostendeckend“, sagt Tesch. Alle betroffenen „3“-Kunden werden Ende Mai schriftlich von der Tarifanpassung informiert. Sie haben ein Sonderkündigungsrecht und können so aus ihrem Vertrag aussteigen.

Die Mobilfunkpreise in Österreich zählten aber nach wie vor zu den niedrigsten in Europa, heißt es im jüngsten Preismonitor des Telekomregulators. Das Niveau bewege sich nach wie vor rund zehn Prozent unter der Marke von 2011.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2014)