Der Vorarlberger Autor Peter Natter schickt seinen Inspektor Ibele in die sonst so ruhige Ortschaft Schwarzenberg. Dort gibt es die Schubertiade, eine Leiche und immer gutes Essen.
Wie soll man sich eigentlich einen Vorarlberger Ermittler vorstellen? Bei seinen Wiener Kollegen kann man dank einschlägiger Krimi-Literatur und unzähligen Filmen immer mit ein paar Fixelementen rechnen, etwa einem stattlichen Bauch, Schnauzer und bombastisch schlechter Laune, aber der Vorarlberger, ist das auch so ein Typ Griesgram mit erstklassigen Kontakten zur Unterwelt? Für einen Wiener Parade-Kriminalisten ist Isidor Ibele viel zu rational. Gut, der Hang zum Zynismus ist auch bei ihm festzustellen, und er tritt durchaus bestimmt auf, aber er ist auch emphatisch und, ja, begeisterungsfähig.
Nun hat Ibele, der Ländle-Inspektor, seinen vierten Fall zu klären. Während der Schubertiade im kitschig-schönen Bregenzerwald wird eine Frau getötet: die Schwedin Violetta Lundgren, 28, Dolmetscherin, unverheiratet, wunderschön und „Gesellschafterin“ des betagten, schwedischen Paares Olafson. Damit tauchen dann auch die Fragezeichen auf, denn Ibele muss zunächst einmal herausfinden, welche Verpflichtungen man als Gesellschafterin hat – und warum sich Violetta ausgerechnet nachts aus dem Zimmer schleicht, um nackt Cello zu spielen. Ihre Leiche liegt quer über dem Cellokasten, und das Cello, das im Übrigen eine kolossale Summe Geld kostet, ist auch verschwunden.
Der Autor Peter Natter schickt also seinen Ibele in „Die Tote im Cellokasten“ in den „Wald“, wie der Bregenzerwald in Vorarlberg bündig genannt wird. Für Natter ist es ein Heimspiel: Er selbst wurde dort, im beschaulichen Alberschwende, geboren. Die lokalen Feinheiten gibt er mit viel Detailsinn und ausladender Sprache wieder, wie auch sein Schreibstil insgesamt eine opulente Angelegenheit ist. Schauplatz des Krimis ist jedenfalls Schwarzenberg, und, noch viel wichtiger, die herausgeputzten Gasthäuser, die Namen wie Adler, Hirschen, Krone und Ochsen tragen. Die Charaktere, die hier im Wald auftauchen, sind durchaus kreativ gestaltet. Da ist die geschwätzige Serviererin (natürlich aus Wien), der mürrische Impresario, der sich unverstanden fühlt („Du stellst ihnen ein Weltfestival ins Dorf und dann bist abhängig von irgendwelchen Rindviechern.“), der Hallodri Dokus Bilgeri, dann das merkwürdige Schweden-Paar natürlich, die kecke Sekretärin Antoinette Hagen, der Hirschenwirt usw. Mit und neben ihnen passiert recht viel im sonst so ruhigen Wald.
Holzschuhe. Wenn Natter die Vorarlberger Besonderheiten beschreibt, dann geht das über das Zeichnen von klischeehaften Bildern hinaus, weil seine Beobachtungen eben stimmen (den Krimi „Ibeles Feuer“, des Inspektors zweiter Fall, hat Natter mit der Tradition des Vorarlberger Funkens verwebt und auch gleich die aktuelle Testamentsaffäre aufgegriffen). Wenn er sich beispielsweise der Tracht widmet oder die eingehende Lektüre des „Vorarlbergboten“ erwähnt, oder auch die typischen Holzschuhe, mit denen sich neben den Wäldlern wohl nur noch ein paar Holländer auf die Straße trauen.
Es wird im Wald eben wild gesoffen und gut gegessen, und als dann auch noch Herr Olafson tot aufgefunden wird, steht die kleine Wälder-Welt endgültig Kopf. Natters Krimi ist jedenfalls ein kurzweiliger und lebhafter Ausflug nach Vorarlberg – und wenn er schon so eine üppige Sprache bietet, hätte Natter ruhig auch mehr Dialektwörter wie Moatle und Schmelle servieren können. Wobei: diese dann erklären, hätte wiederum ewig gedauert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2014)