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Niklas Hoheneder: "Red Bull ist vielen ein Feindbild"

Niklas Hoheneder
(c) GEPA pictures
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Leipzig spielt nächste Saison dank Sponsormillionen in Deutschlands zweithöchster Spielklasse. Österreichs Beitrag Niklas Hoheneder über Image und Widerstand.

RB Leipzig steht nach einem souveränen 5:1-Heimsieg gegen Saarbrücken am Samstagnachmittag eine Runde vor Saisonende als Aufsteiger in die zweite Bundesliga fest. Ein erwartungsgemäßer Erfolg?

Niklas Hoheneder: Nein, so würde ich das nicht sagen. Wir wussten ja nicht, was nach dem letztjährigen Aufstieg in die dritte Liga auf uns zukommen würde. Nach einer Eingewöhnungsphase hat sich die Mannschaft gefunden. Es gab in dieser Liga kein Team, das uns dominiert hat. Wir waren in nahezu allen Spielen die bessere Mannschaft.

Red Bull predigt eine einheitliche Spielphilosophie. Praktiziert Leipzig also den gleichen Fußball wie Salzburg, nur auf einem anderen Niveau?

Ich habe das Europa-League-Spiel gegen Basel verfolgt. Es war erstaunlich zu sehen, wie ident die Spielweisen von Salzburg und Leipzig tatsächlich sind, wobei Salzburg in der Offensive mit Kampl, Mané und Soriano natürlich über noch mehr Qualität verfügt. Fakt ist, dass unsere Drittliga-Gegner mit dem Offensivpressing und dem direkten Spiel in die Spitzen überhaupt nicht zurechtgekommen sind. Das ist Ralf Rangnicks Linie, die von unserem Trainer perfekt umgesetzt wird.

Apropos Trainer: Roger Schmidt wird Salzburg im Sommer Richtung Leverkusen verlassen. Könnte in Leipzig auch Alexander Zorniger abhandenkommen?

Es gibt definitiv Mannschaften, für die Alexander Zorniger interessant ist. Er ist der erste Trainer, der es geschafft hat, von der vierten in die zweite Liga durchzumarschieren. Solche Erfolge wecken Interesse. Aber momentan habe ich nicht den Eindruck, als würde er uns schon im Sommer verlassen.

Sie sind seit 2012 in Leipzig unter Vertrag, nächstes Jahr läuft dieser aus. Wie lange wollen Sie denn noch für RB auflaufen?

Ich will mit diesem Verein unbedingt in die Bundesliga, das ist das ultimative Ziel. Ich hätte demnach nichts dagegen, wenn der Klub auf mich zukommt und mir einen neuen, längerfristigen Vertrag anbietet. Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, für mich gibt es derzeit allerdings nur Leipzig.

Für die zweite Bundesliga wird sich der Klub weiter verstärken, es ist von fünf bis sieben Neuverpflichtungen die Rede. Sorgen Sie sich bereits um Ihren Stammplatz in der Innenverteidigung?

Es wäre verwegen zu sagen, dass ich mir überhaupt keine Gedanken mache. Wer für RB Leipzig spielt, muss sich permanent beweisen, das war schon in der vierten Liga so. Nächstes Jahr werden die Ansprüche in der zweiten Liga noch höher werden. Ich kann mich auf meinem Stammplatz nicht ausruhen.

Punkto Umfeld wäre der Verein wohl jetzt schon reif für die Bundesliga.

Definitiv. Ich habe schon für Traditionsvereine wie Lask, Austria, Sparta Prag oder Karlsruhe gespielt, aber solche Bedingungen wie in Leipzig habe ich noch nirgends vorgefunden. Wenn nächstes Jahr auch noch das neue Trainingsgelände fertiggestellt ist, gibt es wohl kaum eine Mannschaft in Deutschland, die Leipzig diesbezüglich das Wasser reichen kann. Das lässt sich nicht mehr steigern.

An RB Leipzig haftet das Image eines Marketingvereins, Fans fremder Klubs kritisieren unter anderem die fehlende Tradition. Verstehen Sie diese Haltung?

Für mich ist das alles nicht nachvollziehbar. Selbst jene Vereine, die keine Wahnsinnstradition haben, schimpfen über RB Leipzig. Das ist doch einfach lächerlich. Wir sind eben ein Verein, der interessante Pläne und Ziele verfolgt, da können sich die Fangruppen auf den Kopf stellen. Es arbeiten doch auch andere Vereine mit Millionen-Budgets, aber darüber regt sich niemand auf.

Der Widerstand geht sogar so weit, dass Klubs vereinbarte Testspiele aufgrund von Fanprotesten absagen.

Ja, leider. Das ist uns bislang noch in jeder Vorbereitung passiert.

Glauben Sie, die Akzeptanz könnte in naher Zukunft wachsen?

Nein. In der zweiten Liga spielen wir etwa gegen Kaiserslautern oder Karlsruhe, da wird es um keinen Deut besser werden. Aber damit können wir mittlerweile sehr gut umgehen. Uns Spielern ist es ohnehin völlig egal, was Fans anderer Vereine von uns denken. Wir sind eben für viele ein Feindbild, man regt sich gerne über uns auf.

Es kommt auch vor, dass Leipziger Stadionbesucher despektierlich als „Klatschpappenfans“ abgetan werden. Davon scheint es aber eine ganze Menge zu geben . . .

Der Zuspruch ist gewaltig. Gegen Saarbrücken waren über 42.000 Fans im Stadion, so viele Zuschauer haben die meisten Zweitligavereine nicht. Die Menschen freuen sich einfach darüber, hochklassigen Fußball zu sehen. Viele können sich mittlerweile mit dem Verein identifizieren.

Wie groß ist die Gruppe jener, die RB Leipzig selbst in Leipzig nach wie vor nicht gutheißen?

Das ist die absolute Minderheit. In der Vergangenheit gab es schon die eine oder andere Gehässigkeit, heute ist davon nichts mehr zu bemerken. In der Stadt gibt es mit Lok und Chemie noch zwei weitere Vereine, die aber so viele Probleme haben, dass ihnen Fans davon- und teilweise schon zu RB Leipzig überlaufen.

Die Freude über den Aufstieg kann derzeit nur die Diskussion um die Erteilung der Lizenz trüben. Die Deutsche Fußball-Liga DFL verlangt unter anderem ein neues Vereinslogo, da das gegenwärtige zu große Ähnlichkeit mit dem Firmenlogo des Geldgebers aufweist.

Auch das ist eine Lächerlichkeit. Jetzt muss man eben das Logo anpassen, dann ist die Sache hoffentlich erledigt. Aber es ist ein Zeichen von ganz oben, dass RB Leipzig nicht wirklich erwünscht ist. Man mag uns eben nicht. Eigentlich ein Kasperltheater.


In wie vielen Jahren muss RB Leipzig in der Bundesliga spielen?

Von „müssen“ redet bei uns niemand. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich in die Bundesliga aufzusteigen, aber dieses Ziel haben auch viele andere Vereine. Nachdem niemand damit gerechnet hat, dass wir sofort von der dritten in die zweite Liga aufsteigen, rechnet wohl auch niemand damit, dass wir nächste Saison sofort in die Bundesliga aufsteigen. Das nimmt viel Druck von uns. Wir werden spätestens im Winter sehen, was wir in der zweiten Liga zu leisten imstande sind. Aber wir müssen definitiv zehn oder mehr Prozent zulegen.

Zur Person

Niklas Hoheneder wurde am 17. August 1986 in Linz geboren. In seiner Jugend spielte der Verteidiger für Union Lembach, FC Linz und Lask.

Beim Lask gelang ihm der Aufstieg zum Bundesligaprofi, ehe er 2009 zu Sparta Prag wechselte. Nach eineinhalb Jahren in Tschechien trug Hoheneder für einige Monate das Trikot der Wiener Austria.

2011 absolvierte er die Hinrunde für den deutschen Zweitligisten Karlsruher SC, im Jänner 2012 sicherte sich der damalige Viertligist RB Leipzig die Dienste
Hoheneders.

RB Leipzig steht nach einem 5:1 gegen Saarbrücken seit Samstagnachmittag neben dem 1. FC Heidenheim als Aufsteiger in die zweite Bundesliga fest.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2014)