Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ausländer: Unis bemängeln Gebührenregelung

(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Dass Nichtösterreicher fürs Studium an Unis nichts oder nur wenig bezahlen müssten, sei verwunderlich, heißt es aus der Universitätenkonferenz. Die Rot-Weiß-Rot-Card solle reformiert werden.

Wien. Beim Umgang mit ausländischen Studierenden gibt es Verbesserungspotenzial – das sehen auch die Universitäten so, an denen fast jeder vierte Studierende aus dem Ausland kommt. An allen heimischen Hochschulen – also inklusive Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen – liegt die Ausländerquote bei 14,7 Prozent und damit im internationalen Spitzenfeld. Mit Australien, Neuseeland, der Schweiz und Großbritannien zählt Österreich zu den OECD-Staaten, die den höchsten Anteil ausländischer Studierender aufweisen. Eine Tatsache, die die Unis grundsätzlich positiv sehen, wie sie immer wieder betonen. „Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die österreichischen Universitäten bei der Attrahierung internationaler Studierender sehr erfolgreich sind“, heißt es im aktuellen Internationalisierungspanorama der Universitätenkonferenz, das der „Presse“ vorliegt.

Dass die ausländischen Studierenden für den Staat auch eine (finanzielle) Belastung sein können, wie „Die Presse“ das in einem Artikel vor rund einem Jahr formulierte, wollen die Unis demnach auch nicht so stehen lassen. Dass „die Erfolglosen kommen, das Falsche studieren, nur öffentliche Kosten verursachen, zu selten bleiben und aus den falschen Herkunftsstaaten stammen [...], kann generell weder verneint, noch bestätigt werden“, heißt es in dem Papier, das unter Federführung des Migrationsexperten Heinz Fassmann, des Vorsitzenden des Forums Internationales der Universitätenkonferenz, erarbeitet worden ist.

Handlungsbedarf gibt es laut dem Uni-Papier aber dennoch – und zwar zuallererst bei einem der heikelsten Themen: den Studiengebühren. So wird kritisiert, dass ausländische Studierende eine Dienstleistung „konsumieren“, für die zurzeit keine oder keine nennenswerte Kostenbeteiligung eingefordert werden dürfe. Fast alle anderen öffentlichen Dienstleistungen – von der Benützung von Autobahnen bis zum Ausstellen eines Reisepasses – würden nur gegen entsprechende Beiträge zur Verfügung gestellt. Überall dort, wo ausschließlich steuerfinanzierte Dienstleistungen angeboten werden, könne man annehmen, dass die „Konsumenten“ (oder deren Eltern) eine entsprechende Steuerleistung erbracht hätten oder dies tun. „Nur bei der Zur-Verfügung-Stellung der universitären Ausbildung ist die öffentliche Hand ausgesprochen großzügig.“

 

Uni-Absolventen „ideale Zuwanderer“

Dass ausländische Studierende für das Studium in Österreich nichts bzw. nur wenig bezahlen müssen, obwohl weder von ihnen noch von ihren Eltern entsprechende Steuerleistungen vorhanden sind, sei „international verwunderlich“. So würden die Studienbeiträge ausländischer Studenten in vielen anderen – auch europäischen – Staaten als wichtige Einnahmequelle erachtet. Zudem gebe es eine Ungleichbehandlung: „Warum Fachhochschulen beispielsweise kostendeckende Studiengebühren von Drittstaatsangehörigen verlangen dürfen und Universitäten nicht, ist nur schwer nachvollziehbar.“

Auch, dass viele ausländische Studierende nach dem Abschluss das Land verlassen, sehen die Unis als Problem. Die Hochschulen wünschen sich, dass diese häufiger und länger bleiben: „Damit sich ein fiskalischer Nutzen einstellt, sollten ausländische Studierende nach Abschluss ihres Studiums in Österreich bleiben, ihr erworbenes Humankapital produktiv einsetzen und über ihre Steuerleistung die Ausbildungskosten refinanzieren.“ Es gehe nicht darum, die ausländischen Studienabsolventen zum Hierbleiben zu zwingen – aber darum, die entsprechenden Optionen zu verbessern. Da Ausländer, die in Österreich ihr Studium absolviert haben, die „idealen Zuwanderer“ seien, sollte man ihnen einen weiteren Verbleib in Österreich vereinfachen. Die Unis sprechen sich daher für eine Überarbeitung der Rot-Weiß-Rot-Card aus. Die geforderte Einkommensgrenze sollte herabgesetzt, die Suchdauer für einen Job verlängert werden.

 

Rolle in außenpolitischen Konzepten

Und einen weiteren Wunsch haben die Unis: Idealerweise sollten die ausländischen Studenten nach einer gewissen Zeit in die Herkunftsländer zurückkehren. So könnten sie eine „wichtige Brückenkopffunktion wahrnehmen“ und die Marke Österreich im Ausland prägen. Einen Rat gibt es auch für Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP): Ausländische Absolventen sollten in außenpolitischen Konzepten eine Rolle spielen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2014)