Cornelius Gurlitt
Sein Leben, seine Geheimsammlung
Cornelius Gurlitt ist tot. Der Kunstsammler starb am Dienstag im Alter von 81 Jahren, wie sein Sprecher gegenüber der Agentur dpa bestätigte. Jahrzehntelang lebte der Sohn des NS-nahen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt zurückgezogen.
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Bekannt wurde er "zufällig". Deutsche Steuerfahnder hatten ihn im September 2010 auf einer Zugfahrt von Zürich nach München kontrolliert. Das Amtsgericht Augsburg bewilligte 2011 einen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss für Gurlitts Münchner Wohnung.
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Im Februar 2012 wurden 1280 Bilder in seiner Wohnung in München beschlagnahmt und wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung einbehalten. Zunächst wurde der Fund geheim gehalten.
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Erst im November 2013 wurde er publik gemacht. Unter den entdeckten Werken waren Bilder von Pablo Picasso, Marc Chagall, Henri Matisse, Max Beckmann und Emil Nolde.Carl Spitzweg (1808-1885), Zeichnung, "Das musizierende Paar". Es handelt sich um eine Vorzeichnung zu einem Gemälde, das im Werkverzeichnis erfasst ist.
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Kunsthistorikerin Meike Hoffmann sagte, der Fund sei von außerordentlicher ästhetischer Qualität und großem wissenschaftlichem Wert. Ein Teil der Sammlung setze sich "eindeutig aus der Beschlagnahme" für die Nazi-Propaganda-Aktion "Entartete Kunst" zusammen, so Hoffmann.
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Die ersten 25 Werke wurden am 11. November 2013 auf der Plattform "lostart.de" veröffentlicht - nach und nach folgen alle weiteren unter Verdacht stehenden Werke.
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Eine Taskforce wird eingesetzt, sie soll die Herkunft der Bilder erforschen. Die Behörden teilten eine Woche später mit, dass Gurlitt Hunderte Bilder zurückbekommen soll, die ihm zweifelsfrei gehören. Den Angaben zufolge scheiterten mehrere Übergabeversuche.Im Bild: Gurlitts Haus in Salzburg.
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Im Jänner 2014 gab die Taskforce bekannt, dass nach einer ersten Sichtung 458 Werke aus Gurlitts Sammlung unter Raubkunstverdacht stehen. Gurlitts damaliger Anwalt, Hannes Hartung, sagt, dass sein Mandantgesprächsbereit und an einer "fairen und gerechten Lösung" interessiert sei.
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Im Februar 2014 wurden nach Angaben von Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger 60 weitere Bilder in Gurlitts Haus in Salzburg gesichtet. Darunter befanden sich Werke von Picasso, Renoir und Monet.Im Bild: Canaletto (1697-1768), Radierung, Ansicht von Padua, im Werkverzeichnis enthalten, Herkunft nicht geklärt.
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19. Februar: Gurlitts Anwälte geben bekannt, dass sie beim Amtsgericht Augsburg Beschwerde gegen die Beschlagnahmung der Kunstsammlung eingelegt haben.24. und 28. Februar: Bei weiteren Besichtigungen des Salzburger Anwesens von Gurlitt werden zahlreiche weitere Kunstgegenstände "in einem zuvor nicht zugänglichen Teil des alten Hauses" gefunden.Im Bild: Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Farbholzschnitt mit Motiv eines Mädchens, Herkunft: Kunsthalle Mannheim.
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Am 26. März teilte Gurlitts Betreuer Christoph Edel mit, dass die Salzburger Sammlung Gurlitts nicht nur 60, sondern 238 Werke umfasst. Außerdem gibt er bekannt, dass Gurlitt sich bereit erklärt, als Raubkunst anerkannte Bilder der Münchner Sammlung an die Erben jüdischer Vorbesitzer zurückzugeben. Im Bild: Franz Marc (1880-1916), Gouache, "Landschaft mit Pferden", Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg.
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Den Anfang soll die "Sitzende Frau" von Henri Matisse (im Bild) machen.Das Bild dürfte Mitte der 1920er Jahre entstanden sein. Es wurde 1942 vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg in einem Banktresor im französischen Libourne beschlagnahmt.
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7. April: Gurlitts Anwälte unterzeichnen einen Vertrag mit der Bundesregierung, in dem der Kunsthändler sich bereit erklärt, Bilder, bei denen es sich um Nazi-Raubkunst handelt, freiwillig zurückzugeben.Im Bild: Gustave Courbet (1819-1877), "Mädchen mit Ziege".
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Am 9. April, zwei Tage nach der Vertragsunterzeichnung zwischen Gurlitt und dem Bund, gibt die Staatsanwaltschaft Augsburg die beschlagnahmten Bilder nach mehr als zwei Jahren wieder frei.Im Bild: Otto Dix (1891-1969), Farblithographie, Motiv einer älteren Dame. Die Herkunft kann nicht eindeutig nachgewiesen werden. In der Sammlung sind mehrere Grafiken von Dix enthalten, die im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" beschlagnahmt wurden.
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