Die Sopranistin vor der heutigen Volksopernpremiere, Rossinis „Barbier von Sevilla“, im Gespräch über ihren bemerkenswerten Karrierestart.
Für's Wiener Musikleben hat sie Franz Welser-Möst, der künftige Generalmusikdirektor der Staatsoper, entdeckt – bei den Operettenfestspielen Bad Ischl. „Es ging die Mär“, erinnert sich Daniela Fally, „dass er da ist. Dann ging aber auch die Mär, er sei in der Pause schon wieder gegangen. Und dann, viel später, kam die Einladung zum Vorsingen.“ Was die Sopranistin selber kaum glauben konnte, trat ein: Über Nacht war sie zur Premierenbesetzung der Fiakermilli in Richard Strauss' „Arabella“ geworden – und damit zum Begriff für viele Musikfreunde.
Denn der Auftritt, den die junge Künstlerin in dieser kurzen, aber aufsehenerregenden Partie hinlegte, war fulminant: messerscharfe Koloraturen, filmreifes Spiel – inklusive Spagat auf dem Laufsteg. Der neue Volksoperndirektor, Robert Meyer, hat für Daniela Fally eine Produktion aus Klagenfurt eingekauft, Josef-Ernst Köpplingers Inszenierung der „Ariadne auf Naxos“, in der die Sängerin die Zerbinetta sang und damit den Olymp im deutschen Koloraturfach erklomm. Grund genug, die – optisch gelungene – Aufführung nach Wien zu verfrachten. Heute, Dienstag, ist Daniela Fally die Rosina in Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Haus am Gürtel, dem sie seit dem Vorjahr als Ensemblemitglied angehört – ab Herbst 2009 ist sie auch Staatsopernmitglied.
Die erste Opernrolle „gewonnen“
Den Rossini inszeniert wieder Köpplinger, am Pult steht mit Karel Mark Chichon einer der interessantesten jungen Dirigenten unserer Zeit. Jetzt, wo Fally sozusagen die „logische Wahl“ eines Wiener Intendanten ist, denkt die Künstlerin gern an die Jahre zurück, da ihr Theaterblut sich mit einiger Mühe zum Durchbruch verhelfen musste. „Mit dem Singen hat es am Lagerfeuer angefangen, bei den Pfadfindern, in der rhythmischen Messe, daheim in der Pfarre“ – in Niederösterreich ist Fally aufgewachsen, am kleinen Theater von Berndorf ist sie zum ersten Mal hinter der Bühne aktiv geworden: „Ich hab' dort alles gemacht, von der Beleuchtung bis zum Auftreiben von Sponsoren.“ Letzteres war, so erinnert sie sich gern, „gar nicht schwer. Da waren alle dabei und haben im Programm inseriert!“ Bei Felix Dworak in Mödling, erzählt sie weiter, ist sie dann das erste Mal aktiv „mit der Komödie in Berührung“ gekommen, „hab' dreieinhalb Sätze gesprochen, war aber auch Inspizient und für die Requisite verantwortlich“. Nach zwei oder drei Jahren Sommertheater kam das erste Engagement im Stadttheater Baden, parallel dazu das Musical-Studium, von dem wohl die bemerkenswerte Beweglichkeit der quirligen Bühnenerscheinung Daniela Fally kommt.
Oper? „Oper hab' ich gewonnen“, sagt sie verschmitzt, „und zwar bei einem Wettbewerb, die Rolle der Zerline in einer ,Don Giovanni‘-Produktion im schweizerischen Chur.“ Dirigiert hat damals der Generalmusikdirektor von Aachen: „Der wollte mich gleich rauswerfen, weil ich nur die Arien und das Duett mit Giovanni konnte. Ich dachte: Mein Gott, die Rezitative, die lern' ich schon. Wir haben ja fünf Wochen Proben. Ich hatte einfach noch keine Ahnung, wie man bei der Oper arbeitet...“
Heute weiß sie, „dass das, was ganz leicht ausschaut, immer erst nach einem schwierigen, langwierigen Arbeitsprozess entstehen kann“. Sie findet es demgemäß zwar „toll, wo ich jetzt angekommen bin“, setzt aber auf langsames, behutsam vorangetriebenes Wachstum des Repertoires. In den kommenden Jahren folgt neben den Volksopernverpflichtungen in „Hänsel und Gretel“ oder „Fra Diavolo“ die erste Sophie im „Rosenkavalier“ bei einer Premiere in Marseille. Und „mit Freude“ jede Menge Wiederholungen bereits erprobter Partien – zwecks „Vertiefung“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2008)