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Richard Strauss: Auch ein großer Dirigent

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Eine CD-Edition zeigt Richard Strauss als Kapellmeister.

Die wichtigste Neuerscheinung zum Richard-Strauss-Jahr – im Juni feiern wir den 150. Geburtstag des Komponisten – ist vielleicht die soeben veröffentlichte Sammlung von Aufnahmen des Dirigenten Strauss. Natürlich enthält sie viele Einspielungen, die Strauss von seinen eigenen Werken gemacht hat. Sie sind höchst aufschlussreich, was die (in der Regel ungemein raschen) Tempi und die dynamischen Relationen betrifft. Auch verraten sie – trotz aller Patina, die sich akustisch über die Tondokumente gelegt hat – etwas vom Faszinosum des Interpreten: Strauss galt als einer der bedeutendsten Kapellmeister seiner Ära, was wir ob der Gewalt seiner Musik völlig verdrängt haben. 

Klarheit und Transparenz. Neben Mahler war er ja einer der wichtigsten Ahnherren der modernen Dirigentenzunft – wie Klemperer und Bruno Walter von Mahler waren etwa Szell, Reiner, Karajan und natürlich Karl Böhm von Strauss geprägt. Man kann in vielen Momenten auch durch den Grauschleier der Zeit nachfühlen, welch magische Momente er mit seinen spärlichen Gebärden zu beschwören wusste. Mindestens ebenso interessant ist es, zu hören, wie er Beethoven oder Mozart interpretiert hat. Die Klarheit und die Transparenz, die er bei eigenen, groß instrumentierten Partituren wie „Don Quixote“ oder „Ein Heldenleben“ erreicht, zeichnet auch seine Klassikerdarstellungen aus: Die Brisanz, die da bisweilen entsteht, ist keine Erfindung der „Originalklangpioniere“ – das ist wohl die wichtigste Erkenntnis aus dieser Edition.

„Strauss conducts Strauss“ – und Mozart und Beethoven.(c) Beigestellt


„Musik als Klangrede“. Wohl aber könnte unsere Generation lernen, wie man Tempi innerhalb von Symphoniesätzen modifizieren kann, ohne den Fluss der Musik zu hemmen oder den Grundpuls wirklich infrage zu stellen. Auch die agogischen Finessen bei der Phrasierung Mozart’scher Melodien sind exquisit – und schlagen, wie die Dramatik der Ouverture zu Wagners „Fliegendem Holländer“ – die meisten heutigen Exegeten in ihrer Beredtheit um Längen. „Musik als Klangrede“, das war dem Espressivo-Musiker Richard Strauss ganz selbstverständlich. So selbstverständlich wie subtile Klangschattierungen, die er übrigens nicht nur am Dirigentenpult zu erzielen wusste, sondern auch als Pianist. Spät im Leben setzte er sich noch einmal an den Flügel, um Heinrich Schlusnus bei einigen Liedern zu begleiten – und wie er da die Stimmen gegeneinander abwägt, wie er Basstöne als profunde Basis zum Klingen bringt, das ist auch ein Ereignis. (DG 28947927037)