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Rebellen opfern "Herz der Revolution"

(c) APA/EPA/STR (STR)
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Während die Regimetruppen auf dem Vormarsch sind, bittet Oppositionsführer al-Jarba in den USA um mehr Hilfe. Als Teil eines diffizilen Deals übergeben die Rebellen die Stadt Homs.

Der Vorsitzende der syrischen Opposition übte sich in verzweifeltem Optimismus: „Dieser Krieg besteht aus Vorstößen und Rückzügen. Manchmal verlieren wir Territorium, aber das syrische Volk ist dazu entschlossen, am Ende zu siegen“, sagte Ahmad al-Jarba dem amerikanischen Fernsehsender PBS. Al-Jarba hält sich derzeit in Washington auf, um die US-Regierung auf Hilfe für die syrische Opposition zu drängen – Hilfe, die die Gegner des syrischen Regimes auch dringend nötig hätten.

Der Rückzug, den al-Jarba mit erhofften späteren „Vorstößen“ schönzureden versucht, läuft bereits seit zwei Tagen: Videoaufnahmen aus der syrischen Stadt Homs zeigen, wie alte hellgrüne Busse die Altstadt verlassen – wie sie langsam durch eine Trümmerlandschaft fahren, angeführt von einem weißen Geländefahrzeug der UNO. Die Busse sind voll besetzt mit Rebellen.

Insgesamt sollen fast 2000 Aufständische aus der Stadt gebracht werden. Homs war eine der ersten Städte Syriens, die die Opposition unter ihre Kontrolle gebracht hat. Jetzt wird sie von den Rebellen geräumt und fällt wieder völlig in die Hände des Regimes.

 

Freilassung von Gefangenen

Der Rückzug aus Homs ist Teil eines Deals mit Machthaber Bashar al-Assad: Das Regime sicherte den abziehenden Aufständischen freies Geleit zu. Im Gegenzug versprachen die Rebellen, in zwei von ihnen umzingelte Schiitendörfer bei Aleppo Hilfskonvois vorzulassen. Zudem ließen sie Dutzende Gefangene frei – vor allem syrische Soldaten und entführte Zivilisten. Darunter sollen sich aber auch Kämpfer der mit Assad verbündeten libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah und iranische Staatsbürger befinden. Auch wenn die Regierung in Teheran diese Hilfe in offiziellen Statements herunterspielt: Der Iran unterstützt Syriens Regime massiv mit Waffen, Militärberatern und kämpfender Truppe. In die Verhandlungen über den Deal soll auch ein iranischer Diplomat eingeschaltet gewesen sein.

 

Hoher Symbolwert für Assad

Die Rebellen in Homs standen schon seit Monaten auf verlorenem Posten. Um ihre Stellungen in und rund um die Altstadt hatte Syriens Armee einen eisernen Belagerungsring gezogen. Die Kämpfer der Opposition und die verbliebenen Zivilisten litten unter enormen Verpflegungsengpässen, eine Rückeroberung anderer Stadtteile schien illusorisch.

Für Syriens Machthaber Assad, der sich am 3.Juni wieder wählen lassen will, hat die Einnahme der ehemaligen „Herzen der Revolution“ einen hohen symbolischen Wert. Und zugleich kann er bei der Errichtung seines Bollwerkes in Westsyrien einen weiteren wichtigen Baustein hinzufügen. Das vom Regime kontrollierte Gebiet zieht sich nun vom Süden des Landes über die Hauptstadt Damaskus und über Homs bis an die Mittelmeerstädte Tartus und Latakia – Hochburgen der alawitischen Volksgruppe, der auch Assad angehört. Und die Ausläufer dieses Gebiets führen bis zur nordsyrischen Stadt Aleppo, wo heftige Kämpfe zwischen Aufständischen und Regimetruppen toben.

In Aleppo töteten Rebellen am Donnerstag Dutzende Gegner mit einem gewaltigen Sprengsatz, den sie in einem zuvor gegrabenen Tunnel unter den Regimetruppen zündeten. Für die Aktion soll die Islamische Front verantwortlich sein – eine Verbindung islamistischer Gruppen, die von den arabischen Golfstaaten unterstützt wird. Die Islamische Front gilt als größte Rebellenorganisation. Daneben kämpfen kleinere radikalere Jihadistenorganisationen wie die al-Nusra-Front, die dem Terrornetzwerk al-Qaida nahesteht, und die noch extremere Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil).

Der Westen erkennt nur die sogenannte Freie Syrische Armee (FSA) als legitimen militärischen Arm der Opposition an. Die FSA ist nicht nur in Gefechte mit dem Regime, sondern auch mit Isil verstrickt. Mit der Islamischen Front kooperiert die FSA aber immer wieder bei Operationen.

Bei seinem Besuch in den USA, zu dem er auch FSA-Generalstabschef Abdallah al-Bashir mitgenommen hat, will Oppositionschef al-Jarba erneut um moderne Waffen bitten – um die Rückzüge wieder in Vorstöße umzuwandeln. Doch Washington bleibt skeptisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2014)