Schnellauswahl

Am Arlberg funkeln die Sterne

Biberkopf
(c) lech-zuers.at

Es kann gar nicht teuer genug sein. Aber nicht nur in Megève oder Courchevel, auch am Arlberg gibt es immer mehr private Luxusdomizile. René Benkos „Chalet N“ in Oberlech ist das beste Beispiel.

Wenn sich ein gut betuchter Mensch irgendwo in den Bergen ein Chalet bauen lässt, dann ist das meist eine private Veranstaltung. Wenn es sich dabei um René Benko handelt, dessen Immobilienportfolio das größte Kaufhaus Europas mitten in Berlin und das Goldene Quartier in Wien umfasst, kann man davon ausgehen, dass das Domizil mit Normalität wenig zu tun hat.

So hat sich der Tiroler in Oberlech ein Latifundium gesucht, das den Ortsnamen konsequent interpretiert, weil man dort weiter oben nicht mehr wohnen kann und auf alle anderen herunterschaut – egal, aus welchem Königshaus sie nun kommen mögen. Wo früher ein altes Berggasthaus war, entstand für kolportierte 38 Millionen Euro eine Ferienimmobilie, die an Exklusivität und Hochpreisigkeit im Alpenraum unübertroffen sein dürfte.

Das „Chalet N“, die Initiale steht für Benkos Gattin Nathalie, bietet Platz für 20 Leute inklusive der 400 Quadratmeter Master Suite. Zwei Restaurants, ein Spa, ein Privatkino, ein Weinkeller mit einem Sortiment auf bestem Château-Pétrus-Niveau – und natürlich Butlerservice rund um die Uhr.

Das gibt es für 270.000 Euro pro Woche, Catering inklusive. Ein Tagespreis von knapp 39.000 Euro ist für uns Normalmenschen so lebensnah wie der Fuhrpark eines Ölscheichs. Andererseits gibt es eben Menschen, denen es viel wert ist, dass sie nicht ständig von irgendwelchen Leuten mit Handykameras geknipst oder in der Hotelsauna angeschwitzt werden. Und in den Kreisen von Oligarchen, Investmentbankern und FC-Bayern- Fußballern haben solche Tagessätze eine Anmutung wie für uns ein Ausflug zum Minigolfen. Das Chalet residiert auf knapp 1700 Meter direkt an den Pisten. Nach vielen engen Kurven parkt der Gast vor dem Eingang der beiden holzverkleideten Häuser und wird hinter der ziemlich schweren Haustür empfangen.

 

8000-Euro-Toilettenschüsseln

Alles wirkt sehr gediegen und für die Ewigkeit gebaut. Dunkle Verkleidungen aus altem Eichen- und Tannenholz, glitzernde Accessoires und – ja, das braucht man vielleicht einmal – schusssichere Fenster. Das Mobiliar eher klassisch und zeitgeistresistent. Es gibt keine Rezeption. Wozu auch, wer hier logiert, hat sämtliche 3800 Quadratmeter für sich allein. Was ein Domizil wie das Chalet N auch unterhaltsam macht, das ist die Begegnung mit vielen Details der Marke „Geld spielt keine Rolle“. Wann sitzt man schon auf 8000-Euro-Toilettenschüsseln der japanischen Marke Toto, die automatisch den Deckel liften und senken, spülen, heizen und massieren. Oder die XXL-Boxspringbetten der Vorarlberger Firma Schraml, aus denen man morgens aus dem Bett hüpft wie ein Teenager auf dem Weg zur Disco. Auf das ganze Haus verteilt ist eine Armada von LCD-Großbildschirmen, auf denen man mit Bookmarks gerade gesehene Filme markieren und an beliebigen anderen Plätzen im Haus weiterschauen kann. Wer hier in dem selbst ernannten Sechs-Sterne-Chalet logiert, wird von Benkos Mitarbeitern natürlich nicht verraten. Dass darunter die Beiratsmitglieder der Benko-eigenen Signa Holding wie Exkanzler Alfred Gusenbauer, Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Unternehmensberater Roland Berger sein könnten, ist wohl nicht ganz abwegig.

Jedenfalls befinden sie sich hier oben am Arlberg in bester Gesellschaft. Früher ging es in Lech, Zürs und St. Anton nur darum, in welchem Hotel welcher Promi abgestiegen ist. Heute bevorzugt die Promi-Kundschaft private NobelChalets, die sich sichtlich vermehren und die in Orten wie Courchevel oder Megève längst etabliert sind. Das „Ski Chalet Artemis“ in Nasserein bietet sechs Juniorsuiten, Weinkeller, Dolby-Surround-Kino, Hallenbad mit Jet-Stream sowie Sauna, Dampfbad, Massageraum und Ruhelounge. Dazu gibt es einen Zen-Garten mit Outdoor-Jacuzzi. Das kostet pro Person für eine Woche 2100 Euro, fürs ganze Chalet also rund 25.000 Euro. Ganz nostalgisch ist das „Chalet 1597“ in Lech mit Platz für maximal zwölf Gäste und Wochenpreisen zwischen 30.000 und 70.000 Euro. Etwas günstiger ist da noch die „Lech Lodge“ im Ortsteil Omersberg: zwischen 670 und 2810 Euro pro Tag.

AGENTUREN FÜR CHALETS

Der Markt der Luxus-Chalets ist sehr speziell und geht auch eigene, meist ziemlich diskrete Wege. Spezialagenturen wie die britischen Scott Dunn und Oxford Ski Company oder die Hamburger Rhein Property haben sich auf elitäre Objekte spezialisiert.

www.chalet-n.com

www.chalet-lech.com

www.scottdunn.com

www.oxfordski.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2014)