Plötzlich liebten sie Conchita

Erfolg macht sexy. Vor allem, wenn es ein Erfolg ist, den sich die gesamte Nation um den Hals hängen kann.

Erfolg macht sexy. Vor allem, wenn es ein Erfolg ist, den sich die gesamte Nation um den Hals hängen kann. Wer Erfolg für Österreich hat, ist plötzlich – oder war es dann eigentlich eh immer schon – Everybody's Darling. „Ivo, jetzt bist du ein echter Österreicher“, titelte die „Kronen Zeitung“ 1998, als Ivica Vastić beim WM-Spiel gegen Chile das Tor zum rettenden Unentschieden traf. Dass der gebürtige Kroate schon seit 1996 Staatsbürger war, spielte dieser Logik zufolge keine Rolle.

Ähnlich erging es Conchita Wurst. Wer erinnert sich noch, als die Transgender-Kunstfigur im Herbst 2013 für den Songcontest nominiert wurde – ohne Publikumsentscheid! Ein Aufschrei ging durch das Land – Wurst würde Österreich lächerlich machen, hieß es damals.

Nun, im Gegensatz zu den 2012 vom Volk ins Rennen geschickten Trackshittaz hat Wurst das Finale erreicht. Und plötzlich, als sich zeigte, dass ein Erfolg beim Bewerb in greifbare Nähe rückte, war die zuvor angefeindete Figur, die mit den Geschlechterrollen spielt, auf einmal der Liebling der Nation. Auch in der „Krone“ übrigens. Klar, es ging ja plötzlich um einen Sieg für Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2014)

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