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Kinderbetreuerin in Wien auf Druck Venezuelas entlassen

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Die Frau hatte gegen die venezolanische Regierung demonstriert. Der Botschafter ließ die Demo observieren und machte bei der Kindergartenleitung Druck.

Eine Kinderbetreuerin in Wien hat ihren Arbeitsplatz verloren, nachdem sie an einer Demonstration gegen die venezolanische Regierung teilgenommen hat. Der venezolanische Botschafter habe die Kundgebung observieren lassen und danach Druck ausgeübt, berichtete der "Kurier" in seiner Sonntagsausgabe.

Am 12. April marschierten Demonstranten über die Mariahilfer Straße zum Burgtheater, um gegen die "diktatorische Regierung" und die Gewalt in Venezuela zu protestieren. Bei den Aktivisten handelt es sich laut "Kurier" großteils um zugewanderte Menschen aus Lateinamerika.

Botschafter protestierte

Nur wenige Tage nach der Kundgebung erhielt die Leitung eines privaten Kindergartens in Wien ein offizielles Protestschreiben des venezolanischen Botschafters Ali de Jesus Uzcategui Duque. Dem Schreiben war ein Foto von der Demo beigefügt. Es zeigte in der Menge eine aus Venezuela stammende Betreuerin des Kindergartens.

Der Botschafter schrieb, dass diese Demo ein "Angriff auf die demokratisch gewählte Regierung" Venezuelas sei, gleichzeitig auch ein persönlicher Angriff auf seine Person, weil er ja der offizielle Repräsentant der Regierung sei. Uzcategui Duque soll vor seiner diplomatischen Karriere Chef des militärischen Nachrichtendienstes (DIM) gewesen sein. Der Botschafter hatte die Kinderbetreuerin vermutlich zur Chefsache gemacht, weil auch sein eigener Sohn in dem Kindergarten untergebracht ist. Wenige Tage später hielt die Kinderbetreuerin die Kündigung und schließlich sogar eine fristlose Entlassung in Händen. Sie sieht sich jetzt nicht nur als politisches Opfer, sondern hat auch Angst um ihre Familienangehörigen in Venezuela.

Kindergartenleitung: "Eigendynamik"

Die Kindergartenleitung sieht sich aber auch selber als Opfer. Denn die Kündigung wäre überhaupt nicht geplant gewesen. Man hatte sogar einen couragierten Antwortbrief geschrieben, in dem auf das Demonstrationsrecht in Österreich hingewiesen wird. Dann habe aber die Situation eine nicht mehr beherrschbare Eigendynamik bekommen. Der Angriff des Botschafters und Auftritte seiner Frau hätten zu einer Politisierung des Kindergartenalltages und zu Misstrauen unter Eltern geführt. Man meinte, diese Situation nur mehr durch die Kündigung unter Kontrolle zu bekommen. Der Botschafter gab dem "Kurier" zufolge dazu keine Stellungnahme ab.

(APA)