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Nigeria: Entführte Mädchen in Zentralafrika?

APA/EPA/NIC BOTHMA
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Während die Suche nach den entführten Mädchen in Nigeria weitergeht, verbreitet die Islamistengruppe Boko Haram weiter Angst und Schrecken.

Die Islamistengruppe Boko Haram verbreitet im Norden Nigerias in immer größerem Ausmaß Angst und Schrecken. Mutmaßliche Mitglieder sprengten am Samstag erneut eine strategisch wichtige Brücke in die Luft. Zuvor hätten sie das nahe liegende Dorf Limankara dem Erdboden gleichgemacht, berichteten lokale Medien am Sonntag unter Berufung auf Zeugen und Sicherheitskräfte.

Ob es bei dem Anschlag Tote gab, war zunächst unklar. Die Angreifer hätten auch die Familie eines Polizeibeamten entführt, darunter seine Frau und zwei Kinder. Mehr als 3.000 Menschen seien auf der Flucht.

Die Brücke verband zuvor die beiden Bundesstaaten Borno und Adamawa, die seit Jahren besonders schwer von der Boko Haram terrorisiert werden. Sie galt auch als ein möglicher Zugang zum dichten Sambisa-Wald, in dem die Extremisten Camps unterhalten.

Erst am Donnerstag hatten Islamisten einen Bombenanschlag auf eine Brücke in dem Dorf Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun verübt und 30 Menschen in den Tod gerissen.

Die Zeitung "Premium Times" spekulierte, die Zerstörung der Brücke in Limankara solle es den Suchtrupps erschweren, nach über 200 entführten Schülerinnen zu fahnden, die vor einem Monat von der Boko Haram verschleppt worden waren. Die nigerianischen Behörden vermuten, dass sie in den Wäldern der Region festgehalten werden.

Jedoch schrieb die Zeitung "Punch" am Sonntag, einige der Mädchen seien in der Zentralafrikanischen Republik gesichtet worden. "Seit Freitag gibt es Berichte, dass mehrere der verschleppten Schülerinnen in Birao in Zentralafrika gesehen wurden. Birao ist ein kleiner Ort im Norden des Landes", hieß es. Dorfbewohner sprachen von 50 Jugendlichen, die in Begleitung bewaffneter Männer gewesen seien.

Die amerikanische "First Lady" Michelle Obama äußerte sich in einer Botschaft zum Muttertag schockiert über die Massenentführung der überwiegend christlichen Jugendlichen. "Barack und ich sehen in diesen Mädchen unsere eigenen Töchter", sagte die Frau des US-Präsidenten Barack Obama in einer wöchentlichen Rundfunkansprache, die sonst ihr Mann hält. "Wir sehen ihre Hoffnungen, ihre Träume - und wir können uns die Qualen vorstellen, die ihre Eltern jetzt durchmachen."

Barack Obama hatte der Regierung in Nigeria in der vergangenen Woche Hilfe angeboten, um die Mädchen zu finden. Auch Großbritannien und Frankreich beteiligen sich an der Suche.

Der Terror der Extremisten, die im muslimisch geprägten Norden Nigerias einen Gottesstaat einrichten wollen, treibt immer mehr Menschen in die Flucht: Rund ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmezustandes in den besonders schlimm betroffenen Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa wurden dort nach UN-Angaben 250.000 Menschen vertrieben. Rund 61.000 weitere hätten in Kamerun, Tschad und Niger Zuflucht gesucht, teilte das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) unter Berufung auf nigerianische Behörden mit.

Seit 2009 fielen mehr als 6.000 Menschen Anschlägen der Extremisten zum Opfer. Allein seit Jahresbeginn soll es über 2.000 Tote gegeben haben. Die Armee des Landes hatte im vergangenen Mai eine Offensive gegen die Gruppe begonnen, jedoch ohne großen Erfolg.

Derweil kamen drei vor einer Woche im Süden Nigerias entführte Niederländer wieder frei. Sie seien bei guter Gesundheit, sagte der Menschenrechtsaktivist Comrade Sunny Ofehe am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Der in Rotterdam lebende Nigerianer Ofehe war zusammen mit den Niederländern verschleppt, aber schon kurz darauf wieder freigelassen worden.

Im ölreichen Nigerdelta werden immer wieder Ausländer entführt. Häufig wird für ihre Freilassung Lösegeld bezahlt, was jedoch fast nie öffentlich gemacht wird. Bei den Niederländern handelte es sich um einen Dokumentarfilmer sowie Mitarbeiter einer Zeitschrift über das Nigerdelta, die Ofehe herausgibt. Sie berichtet unter anderem über Menschenrechte und die Ölgewinnung von Shell in dem Gebiet.

(APA/dpa)