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Beckenbauer: "Südamerikaner wollen es bei der WM zeigen"

SMA-TAGUNG 2014 I N BAD ISCHL: BECKENBAUER
APA/BARBARA GINDL
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Franz Beckenbauer weilte bei der "Sports Media Austria"-Tagung in Bad Ischl. Er zog den Hut vor Grödig und prophezeite Brasilien den WM-Sieg.

Bad Ischl. Franz Beckenbauer war am Montag zum zweiten Mal nach 2001 Stargast bei der Tagung von Sports Media Austria, der Vereinigung der österreichischen Sportjournalisten. "Der Kaiser in der Kaiserstadt", freute sich Landeshauptmann Josef Pühringer über den Gast in Bad Ischl. Beckenbauer, der seit 32 Jahren in Österreich lebt (25 Jahre in Kitzbühel, seit sieben Jahren in Salzburg), erklärte in seiner gewohnt unterhaltsamen Art Gastgeber Brasilien zu seinem WM-Favoriten und sieht Dortmund vor dem Cup-Finale besser als Bayern München.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation bei Bayern München?

Beckenbauer: "Ich denke, dass wir in dieser Saison einen großartigen FC Bayern gesehen haben - bis zu einer gewissen Grenze. Bis feststand, dass die Bayern Meister sind. Dann haben sie ein bisschen durchgeatmet, dabei sind sie immer noch. Das hat zu einem Leistungsabfall geführt."

Werden Sie das rechtzeitig vor dem Cupfinale gegen Dortmund wieder hinbekommen?

Beckenbauer: "Ich habe sie am Samstag gegen Stuttgart gesehen; sie sind auf dem Weg, aber es ist sehr mühsam, an die frühere Leistung anzuknüpfen. Im Moment gefällt mir Dortmund besser. Ich weiß nicht, ob sie die paar Tage nützen können, zu dieser alten Form zurückzufinden. Bis dahin haben sie umgesetzt, was Guardiola wollte. Ballbesitz, aber nicht übertrieben Klein-Klein. Der Fußball lebt von Toren, wenn man auf der Torlinie den Ball noch hin und herspielt, ist das nicht der Geschmack der Zuschauer."

Was sagen Sie zu Red Bull Salzburg?

Beckenbauer: "Salzburg hat einen sehr, sehr großen Schritt nach vorne gemacht. Ich war lange nicht im Stadion, weil mir der Fußball nicht gefallen hat. Salzburg hat gegen Bregenz mit einem Stürmer gespielt und war froh, dass sie 1:0 gewonnen haben. Zum ersten Mal seit Jahren war ich wieder gegen die Bayern im Stadion. Die Bayern wollten ein Freundschaftsspiel, aber Salzburg hat das nicht zugelassen. Die Bayern wollten aber auch nicht 0:3 verlieren. Da hat mich Salzburg überzeugt. Das zweite Spiel habe ich gegen Ajax gesehen, die haben sie regelrecht auseinandergenommen".

Was trauen Sie Roger Schmidt in Leverkusen zu?

Beckenbauer: "Es wird Salzburg weh tun, man hat die Handschrift von Schmidt gesehen. Aber was Hütter mit Grödig gemacht hat, ist sensationell. Mit diesen Mitteln, mit diesem Theater der Wettgeschichte, und trotzdem sind sie auf einem internationalem Platz. Da muss man den Hut ziehen. Leverkusen wird sich was gedacht haben. Schmidt ist auf der Liste der begehrtesten Trainer in Deutschland. Ich bin überzeugt, dass er Leverkusen weiterbringen wird. Leverkusen hatte ein Problem in den letzten Jahren, das war der Trainer."

Was sagen Sie zu RB Leipzig?

Beckenbauer: "Das ist sensationell, von der fünften Liga fast jedes Jahr aufgestiegen. Ich kann nur hoffen, dass sie sich mit der deutschen Liga einigen. Es gibt halt Statuten, die man einhalten muss. Man wird, davon gehe ich aus, eine Einigung finden, damit RB Leipzig die Lizenz bekommt."

Sind Sie in dieser Frage auch aktiv?

Beckenbauer: "Ich bin am Laufenden. Zufällig war am Samstag der gesamte Liga-Vorstand in München, da führt man auch hin und wieder Gespräche."

Glauben Sie, dass ihr ehemaliger Verein HSV absteigt?

Beckenbauer: "Nein, die steigen nicht ab. Bei allem Respekt vor SC Paderborn: Die steigen auf und der HSV ab - da wehre ich mich mit Händen und Füßen. Aber der HSV hat eine katastrophale Saison. Bei 75 Gegentoren, so viel kannst du vorne gar nicht schießen, wie du hinten reinbekommst. Da weißt du schon, wo du den Hebel ansetzen musst."

Wie schätzen Sie die Deutschland-Gruppe bei der WM (USA, Ghana, Portugal) ein?

Beckenbauer: "Die Gruppe ist machbar, nicht besonders stark und nicht besonders schwach. Die meisten Gruppen sind recht gut gemischt, mit einer Ausnahme (Italien, England, Uruguay). Die USA entwickeln sich ständig weiter, haben eine gute Mannschaft, aber nicht stark genug, um Deutschland zu gefährden. Genauso Ghana. Portugal besteht mir zu sehr aus Ronaldo. Deutschland wird das machen."

Europäer haben in Südamerika noch nie gewonnen. Trauen Sie es einem Europäer heuer zu?

Beckenbauer: "Das ist wie im Leben, irgendwann ist es das erste Mal. Ich könnte mir die Spanier vorstellen. Sie sind sehr erfahren. Bei Brasilien sagt man, sie sind zu jung. Man wird sehen, ob sich dann die Erfahrung der Spanier oder die jugendliche Unbekümmertheit der Brasilianer durchsetzt, sie sind meine Top-Favoriten. Die Erwartungshaltung in Brasilien ist unglaublich hoch. Jeder ist überzeugt, dass die den Pokal holen. Ob sie dem Druck stand halten, wird man sehen. Dazu kommen weitere Mitfavoriten: Deutschland, Italien, England glaube ich nicht. Die Südamerikaner halte ich für sehr stark, nicht nur Brasilien. Die Südamerikaner wollen es den Europäern zeigen, dass es für die Europäer bei ihnen nichts zu holen gibt. "

Wie stehen Sie zu möglichen Protesten der Bevölkerung?

Beckenbauer: "Das würde natürlich stören, das hat Brasilien nicht verdient. Natürlich muss man auch die Proteste verstehen. Sie wollen die Plattform nützen, um gegen soziale Missstände zu protestieren. Möglicherweise werden sie die Plattform nützen, ich hoffe nicht."