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Österreich: Abgaben trieben Arbeitskosten hoch

Euromuenzen / Eurocoins
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Die Arbeitskosten in Österreich stiegen 2013 stärker als in anderen Ländern Westeuropas (EU-15). Treiber sind dabei weniger die Lohnkosten als vielmehr Steuern und Abgaben.

Wien. 31 Euro und 30 Cent. So viel kostete eine Arbeitsstunde in der heimischen Privatwirtschaft im Vorjahr im Schnitt. Österreich liegt in einer Aufstellung, die das deutsche Statistische Bundesamt auf Basis von Eurostat-Zahlen machte, somit auf dem neunten Platz – hinter wichtigen Standort-Konkurrenten wie Deutschland (31,70 Euro) oder den Niederlanden (32,50 Euro, siehe Grafik).

Alles eitel Wonne also? Ist die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Wirtschaft trotz der zuletzt viel diskutierten horrenden Abgabenbelastung nicht gefährdet? Die Antwort muss hier leider „Nein“ lauten. Denn auch wenn Österreich in absoluten Zahlen noch ein klein wenig unter den Deutschen oder Holländern liegt, so zeigt die Tendenz eindeutig nach oben: Mit einer Steigerung von 3,1 Prozent verzeichnete Österreich im Vorjahr den höchsten Zuwachs bei den Arbeitskosten von allen westlichen (EU-15) Mitgliedsländern der Europäischen Union.

 

Nur im Osten noch schneller

Nur in einigen osteuropäischen Ländern, die immer noch einen Nachholbedarf gegenüber dem Westen haben, wie Polen (3,4 Prozent) oder Rumänien (3,7 Prozent) sind die Arbeitskosten im Vorjahr noch kräftiger angestiegen. In den ebenso wie Österreich saturierten Märkten des Westens legten die Kosten indes meist nur um 1,6 (Schweden) bis 2,1 Prozent (Deutschland) zu.

Umso drastischer ist dieses Bild, wenn man einen Blick in die Archive von Eurostat wirft: So verzeichnete Österreich nicht nur 2013, sondern auch 2012 (4,9 Prozent) und 2011 (3,1 Prozent) das höchste Wachstum bei den Arbeitskosten in der gesamten EU-15. Seit 2008 sind die Arbeitskosten hierzulande in Summe um 18,9 Prozent angestiegen. Zum Vergleich: In der gesamten Eurozone legten die Kosten in diesem Zeitraum lediglich um 10,4 Prozent zu.

Höhere Arbeitskosten verringern die Wettbewerbsfähigkeit, wenn die Produktivität nicht im selben Ausmaß ansteigt. Und das war in den vergangenen Jahren in Österreich der Fall. So sind Arbeitnehmer in Österreich zwar immer noch produktiver als in vielen anderen Ländern der EU. Allerdings stieg die Produktivität – etwa aufgrund von geringerer Auslastung der Betriebe im Rahmen der Wirtschaftskrise – zwischen den Jahren 2008 und 2012 (neuere Daten liegen noch nicht vor) lediglich um 3,1 Prozent. Die Steigerung war also deutlich geringer als jene der Arbeitskosten.

Nun könnte zwar argumentiert werden, dass steigende Arbeitskosten zumindest für die Arbeitnehmer gut seien, da dies für sie ja auch steigende Löhne bedeute. Doch auch hier ist das Bild nicht ganz so rosig. So basiert die Steigerung der Arbeitskosten zu einem nicht unwesentlichen Anteil auf der Steigerung von Steuern und staatlichen Abgaben.

 

Gut für den Finanzminister

Beispielhaft stehen dafür die Zahlen, die Eurostat im März für das vierte Quartal des Vorjahres errechnete: Demnach wurde eine Arbeitsstunde um 2,3 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal des Jahres 2012 teurer. Die Arbeitnehmer konnten sich dabei aber nur über Lohnsteigerungen in Höhe von zwei Prozent freuen. Besser erging es da dem Finanzminister und den Krankenkassen: Denn die Lohnnebenkosten stiegen gleichzeitig um drei Prozent.

Diese ständig steigende Abgabenbelastung bei Arbeitseinkommen führt in Österreich bereits bei Durchschnittsverdienern mit einem monatlichen Bruttolohn von 2270 Euro zu einem „Steuerkeil“ (Differenz zwischen Arbeitskosten und Nettolohn) von 49,1 Prozent, rechnete die OECD erst jüngst vor. Von jedem Euro, den der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer zahlt, kommen bei diesem schlussendlich also nur 50,9 Cent an.

Hauptgrund für die stetige Abgabenerhöhung ist vor allem die „kalte Progression“: Arbeitnehmer rutschen aufgrund von nominellen Lohnsteigerungen also in höhere Progressionsstufen. Für die Österreicher bedeutet dies die ärgerliche Situation, dass bei Lohnsteigerungen real sogar weniger im Geldbörsel bleiben kann. Für die Volkswirtschaft bedeutet es eine gefährliche Verteuerung im wichtigen Bereich der Arbeitskosten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2014)