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Salzburg: Bettler sollen sich beim Magistrat melden

Archivbild: Eine Bettlerin in Salzburg
Archivbild: Eine Bettlerin in SalzburgAPA/BARBARA GINDL
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Wegen der wachsenden Zahl an Bettlern schlägt die Polizei Beschränkungen und Anzeigepflicht vor.

Salzburg. In die heikle Diskussion über den Umgang mit Bettlern in der Stadt Salzburg kommt langsam Bewegung. Bei einer Gesprächsrunde mit den Mitgliedern der neuen Stadtregierung hat Landespolizeidirektor Franz Ruf vorgeschlagen, das gewerbsmäßige Betteln zu beschränken. Jene Menschen, die auf den Straßen und Plätzen vorübergehend um Almosen bitten, sollten das beim Magistrat melden müssen, lautet der Vorschlag der Polizei. Damit könnte man das Betteln zeitlich beschränken, ist Ruf überzeugt. Experten glauben, dass derzeit bis zu 150 Menschen pro Tag in der Stadt Salzburg um Almosen bitten.

Neue Notschlafstelle geplant

Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) will die Anregungen der Polizei diskutieren. Die Beschränkungen sind ein Ansatz, die Schaffung von Notschlafstellen sowie einer Mindestversorgung ein anderer. Erst vor wenigen Tagen hat die Notschlafstelle der Caritas vorübergehend aufgesperrt. Überlegt wird nun eine dauerhafte Schlafstelle. Langfristig könne das Problem aber nur in den Heimatstaaten der Bettelmigranten in den Griff bekommen werden, glaubt der Bürgermeister. Dieser Ansicht ist auch Autor Norbert Mappes-Niediek, der am Dienstag anlässlich der Tagung „Betteln. Eine Herausforderung“ im Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg einen Diskussionsbeitrag lieferte: Ein Bettler in Graz oder Salzburg komme an einem passablen Standort auf 30 Euro pro Tag. Das sei doppelt so viel wie der Durchschnittsverdienst in Rumänien. „So schlecht, dass die Roma zu Hause bleiben, können die Verhältnisse bei uns gar nicht gestaltet werden.“

Das Armutsproblem müsse auf europäischer Ebene gelöst werden: „Wir sind trotz der Krise reich genug, dass in Europa niemand hungern und frieren muss.“ Mit einem anderen Mythos räumte der Journalist, der in Südosteuropa tätig ist, auf: „Von Schleppern und Schleusern kann keine Rede sein. Die Bettler lösen um 30 Euro in einem Reisebüro eine Busfahrkarte und sind am nächsten Tag in Salzburg oder München.“ Richtig sei aber, dass viele Bettler in Familienverbänden unterwegs seien und sich gegenseitig unterstützen.

Bei der Tagung werden unter anderem Patenschaften für Regionen in Rumänien überlegt, um die Armut dort zu bekämpfen. Nächster wichtiger Termin in der Bettlerfrage: Am kommenden Montag findet ein runder Tisch der Stadt Salzburg zum Thema statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2014)