„Image ist das geringste Problem des Islam“

Tuerkei, Istanbul, Blaue Moschee
(c) www.BilderBox.com

Politologe Hamed Abdel-Samad debattierte in Wien über den Vormarsch des politischen Islam. Die Idee, dass der Islam tief im Inneren faschistoid sei, stößt bei gläubigen Moslems auf Ablehnung.

Wien. Man könnte es schon fast als Personenkult bezeichnen: Als Hamed Abdel-Samad, der zuletzt als Autor des Buches „Der islamische Faschismus: Eine Analyse“ für Kontroversen sorgte, den Raum betrat, gingen die Köpfe hoch. Die ersten Reihen standen auf und zückten ihre Smartphones, um den umstrittenen „Popstar der Islamkritiker“ zu fotografieren. Der deutsch-ägyptische Politologe stellte sich am Montag im Hotel de France einer Podiumsdiskussion, moderiert von „Presse“-Innenpolitik-Chef Oliver Pink.

„Das geringste Problem, das der Islam hat, ist sein Image“, sagte Abdel-Samad. Dieses sei nur auf die tatsächlichen Probleme des Islam zurückzuführen: Machtstreben und autoritäres Gedankengut seien tief in der Religion verwurzelt. „Wenn eine Religion versucht, die Politik und Gesetzgebung zu bestimmen, dann bricht der faschistoide Charakter der Religion aus.“

Die Idee, dass der Islam tief im Inneren faschistoid sei, stößt bei gläubigen Moslems auf Ablehnung. Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, bat darum, Islam und Islamismus klar zu trennen: „Ich bitte in aller Höflichkeit, dass man uns diese Wüstenkultur nicht als Islam verkauft.“ Ein Problem ortete aber auch er: „Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich vertritt einen politischen Islam.“ Diese gesetzliche Vertretung der Muslime habe verstärkten Einfluss auf die Regierung, fügte der grüne Bundesratsabgeordnete Efgani Dönmez hinzu. Der Alevit kritisiert, dass die Regierung in Integrationsfragen stets nur den Dialog mit dieser einzigen Organisation suche, von der sich nicht alle islamischen Gruppen vertreten fühlen. „Das Islamgesetz Neu wurde hinter verschlossenen Türen beschlossen. Es gibt eine Vielzahl islamischer Strömungen in Österreich. Warum nähert man sich nur einer einzigen an?“

 

„Einfluss der Konservativen“

Einig waren sich die Herren am Podium jedenfalls über eines: Der politische Islam würde in Österreich salonfähig gemacht, konservative islamische Gruppen würden an Einfluss gewinnen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft selbst, die dabei zur Zielscheibe der Kritik wurde, war in der Diskussion, die von Dönmez gemeinsam mit dem freiheitlichen EU-Abgeordneten Franz Obermayr veranstaltet wurde, allerdings nicht vertreten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2014)