Tag der Arbeit abschaffen: Karmasin rudert zurück

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP)
Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP)APA/GEORG HOCHMUTH

Die Familienministerin wollte den 1. Mai als Feiertag aufheben. Nach Kritik von SPÖ und ÖVP schlägt sie eine Umbenennung vor in: "Tag der Arbeit und Familie".

VP-Familienministerin Sophie Karmasin will den österreichischen Kalender nun doch nicht neu ordnen, dafür aber eine Umbenennung vornehmen: Man solle den 1. Mai, den Tag der Arbeit um „die Familie" erweitern und so zu einer Art kombinierten Feiertag machen, erklärte sie am Mittwochnachmittag. Damit schloss sie sich der Linie der Volkspartei und des ÖAAB an. Zurückrudern sei dies aber keins, versicherte sie.

Zuvor hatte sie sich dafür ausgesprochen, den Tag der Arbeit als Feiertag aufzuheben, da dieser ein „Relikt aus der Vergangenheit" sei. Stattdessen solle der 15. Mai, der „Tag der Familie", zu einem gesetzlichen Feiertag werden. Ihr Sprecher hatte im Gespräch mit „DiePresse.com" betont: „Der 1. Mai hat sich aus unserer Sicht in seiner Form überholt." Arbeitnehmer seien schließlich auch Väter und Mütter. „Am 15. Mai könnten sie ihre Zeit mit der Familie verbringen; das ist doch sinnvoller, als ein Maiaufmarsch", so Sven Pöllauer.

Blümel: "Geht nicht darum, freien Tag abzuschaffen"

Bei der SPÖ hatte Karmasins Vorschlag erwartungsgemäß heftige Empörung ausgelöst: Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos kritisierte die „ungeheuerliche und arbeitnehmerfeindliche Forderung". Damit würden „die Rechte und Anliegen der breiten Bevölkerungsmehrheit mit Füßen" getreten. Auch für eine Umbenennung gibt es keine rote Bereitschaft: Man finde die Debatte und den „Rückzieher" von Karmasin „eher peinlich", hieß es aus der Parteizentrale.

Von der ÖVP gab es ebenfalls keine Rückendeckung: Innenministerin Johanna Mikl-Leitner befand „die Idee den Familien einen eigenen gesetzlichen Feiertag zu widmen" zwar als „gut im Sinne der Wertschätzung". Allerdings: „Nicht statt dem 1. Mai, sondern ebenso am 1. Mai." Dieser könnte zum „Tag der Arbeit und Familie" werden. Ähnlich äußerte sich Generalsekretär Gernot Blümel gegenüber der „Presse": Es „geht es nicht darum, einen freien Tag abzuschaffen". Ein „kombinierter" Feiertag wäre hingegen wünschenswert: „Das wäre ein schönes Zeichen, insbesondere in Richtung Vereinbarkeit von Beruf und Familie", meinte Blümel.

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Dem schloss sich Karmasin Mittwochnachmittag an: „Ich freue mich, dass der Diskussionsprozess zu einem Familienfeiertag angestoßen wurde und in Gang kommt", sagte sie der APA. Die Reaktion Mikl-Leitners zeige, „dass das angenommen wird und erste Ideen gibt". Und sie unterstütze eine Umbenennung des 1. Mai: „Mir geht es darum, dass wir einen Familienfeiertag haben, das ist mir das Wichtigste."

Sie rudere damit jedoch nicht zurück und sei auch nicht zurückgepfiffen worden, betonte die Familienministerin. Vielmehr habe die ÖVP ihren Vorschlag konstruktiv aufgegriffen. Darüber, dass sie mit ihrem Vorstoß gehörig für Aufregung sorgen könnte, habe sie sich im Vorfeld keine Gedanken gemacht. Außerdem: Ein Familienfeiertag würde ja auch die Arbeitnehmer betreffen, und "das Thema Familie ist wichtiger". Nun gelte es jedenfalls, sich mit der SPÖ abzusprechen, dass „wir diesen Tag umbenennen". Denn: „Ich bin überzeugt, dass der SPÖ ein Tag der Familie auch wichtig ist."

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Tag der Arbeit & Tag der Familie

Erstmals wurde der 1. Mai in der Ersten Republik am 25. April 1919 zum Staatsfeiertag erklärt. Unter der Herrschaft des Austrofaschismus waren die Maifeste der Arbeiter am ersten Mai verboten. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde er zum „Tag der deutschen Arbeit“. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er wieder zum Tag der Arbeit und zum Staatsfeiertag.

Der Internationale Tag der Familie wurde 1993 durch eine Resolution der UN-General­versammlung geschaffen und auf den 15. Mai festgelegt.