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Kritik am Bildungsinstitut: „ parteipolitische Bestellung rächt sich“

PK - LEHRERDIENSTRECHT: SCHMIED / HEINISCH-HOSEK
PK - LEHRERDIENSTRECHT: SCHMIED / HEINISCH-HOSEK(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Ministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) will am Donnerstag verkünden, wie es mit dem Bildungsinstitut Bifie weitergehen soll. Die Chefposten wackeln.

Wien. Donnerstag, ist der Tag der Entscheidung für das Bundesinstitut für Bildungsforschung Bifie. Denn nach der peinlichen Pannenserie bei der Zentralmatura wird Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nun offiziell verkünden, wie es mit dem Institut weitergeht. Zwar waren die beiden Bifie-Chefs schon am Mittwoch im Ministerium geladen, doch man vereinbarte Stillschweigen. Denkbar blieb vorerst so gut wie alles: Von einer rein inhaltlichen Neuausrichtung über den Abgang beider bzw. eines Direktors und einer teilweisen Eingliederung des Instituts ins Ministerium bis hin zur kompletten Schließung. Ausschließen konnte man hingegen nur eines: dass sich am Bifie nichts ändern muss.

Denn die Ministerin ließ in den vergangenen Tagen kaum einen Zweifel daran, dass die Verantwortlichen für die Pannen direkt im Bifie sitzen. Schon am vergangenen Freitag sagte sie der Öffentlichkeit, dass sie „die Nase voll“ habe und das Ganze „nicht mehr länger akzeptieren“ wolle. Sie wurde faktisch zum Handeln gezwungen. Denn das Institut wurde mehr und mehr zum Sorgenkind der Bildungspolitik. Zu Jahresbeginn sorgte das Bekanntwerden eines Datenlecks beim Bifie für große Aufregung. Dabei sind 400.000 vertrauliche Testergebnisse und Daten von 37.000 Lehrern auf einem rumänischen Server aufgetaucht. Schon damals versprach die Ministerin Aufklärung und eine „Redimensionierung“ des Bifie.

Die neuerlichen Fehler bei der Zentralmatura, die gestern, Mittwoch, zu Ende ging, brachten das Fass dann aber zum Überlaufen. Denn beim diesjährigen Probedurchlauf – dem letzten vor der verpflichtenden Einführung an allen AHS im kommenden Jahr – gab es in mehreren Fächern Probleme. Zuerst sorgte der Beurteilungsschlüssel in den lebenden Fremdsprachen für Verwirrung: Statt 60 Prozent mussten im Fach Englisch für eine positive Note plötzlich 63 Prozent der Punkte erreicht werden. In Mathematik gab es sogar noch größere Probleme: An fünf von 48 teilnehmenden Schulen musste die Matura kurz unterbrochen werden, da nur acht der 24 Mathematikaufgaben vorhanden waren. Auch die Deutschmatura stand in der Kritik. Der Vorwurf lautete: Den Schülern sei ein Text mit NS-Ideologie vorgelegt worden, ohne sie darauf aufmerksam zu machen (siehe Seite 23).

 

„Glatte Täuschung der Öffentlichkeit“

Kritik mussten sich die beiden Bifie-Chefs – Martin Netzer leitet das Institut in Wien und Christian Wiesner jenes in Salzburg – gestern auch von einem ihrer Vorgänger gefallen lassen. Günter Haider, der dem Bifie Salzburg bis März 2013 vorstand, bezeichnete die Vorgänge als „Mischung von Unprofessionalität und mangelnder Sensibilität“. Er hat auch einen Schuldigen ausgemacht: Martin Netzer. Als Bifie-Direktor am Wiener Standort ist er nämlich für die Zentralmatura verantwortlich.

„Hier rächt sich, dass bei seiner Bestellung in erster Linie parteipolitische Dinge ausschlaggebend waren“, sagte Haider im ORF-Radio. Tatsächlich ist Netzer vor seinem Wechsel ins Bifie elf Jahre lang im Unterrichtsministerium tätig gewesen, zuletzt als stellvertretender Leiter der Sektion II. Ins Bifie soll er auf Wunsch der ÖVP gekommen sein. Sein Pendant, Christian Wiesner, habe das SPÖ-Ticket erhalten, wurde stets gemunkelt. Dass die Postenvergabe viel mit Parteipolitik zu tun hat, ist keine Überraschung. Verwunderlich ist eher, dass ausgerechnet der als Bifie-Chef verabschiedete Günter Haider diesen Umstand anprangert. Immerhin wurde er in der Vergangenheit als Bildungsminister für die SPÖ gehandelt.

Die jetzige Bildungsministerin muss übrigens auch Kritik von Haider einstecken. Heinisch-Hosek dürfe nicht „so tun, als wäre das Bifie eine externe Firma, für die sie keine Verantwortung trägt“. Das sei eine glatte Täuschung der Öffentlichkeit, sagt Haider. Und: „Natürlich haben Schmied (Ex-SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Anm.) und Heinisch-Hosek die Gesamtverantwortung für das Schlamassel.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2014)