Tyrion im Kerker

"Game of Thrones": Staffel vier, Folge sechs

In "The Laws of God and Men" gibt es wütende Reden, einen neuen Schauplatz und einen starken kleinen Mann.

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Conchita ist schuld! Sie hat uns derart auf Trab gehalten, da hatte "Game of Thrones" leider das Nachsehen. Nächste Woche ist aber wieder alles im Rhythmus ...

Folge sechs "The Laws of God and Men" wird gerahmt von zwei starken, wütenden Reden. Und wir lernen einen neuen Schauplatz kennen. Zwar führt uns "Game of Thrones" nicht nach Dorne, wie ich vergangene Woche spekuliert habe, sondern nach Braavos. Ein Venedig mit einem "Koloss von Rhodos": Der "Titan of Braavos" überthront die Einfahrt zur mächtigen Handelsstadt, wo Stannis "Stock im Arsch" Baratheon und Davos Seaworth bei der Iron Bank vorstellig werden. Großartig: Mark Gatiss, der Mycroft Holmes aus BBCs "Sherlock" (und Autor der genialen Serie) spielt den Bankbeamten Tycho Nestoris, der Stannis eiskalt abblitzen lässt. Bis Davos eine Rede auf seinen König schwingt und eine interessante Frage stellt: "When Tywin's gone, who do you back?" Tywin Lannister mag der mächtigste Mann in Westeros sein, aber er ist 67 Jahre alt, erfahren wir. Für "Game of Thrones"-Verhältnisse fast ein Greis.

Herzzerreißend fand ich die erste Wiederbegegnung dieser Staffel mit den sonst so harten Ironborn. Yara Greyjoy hat ein Geschenk von Ramsay Snow bekommen, das "Lieblingsspielzeug" ihres kleinen Bruders (ekelhaft gegengeschnitten zu einer Sexszene Ramsays) und will Theon retten. Sie findet aber nur "Reek" vor. Mission gescheitert.

"Do you love me, Reek?"

Den psychischen Terror, dem Theon ausgesetzt ist, finde ich brutaler als die meisten blutigen Szenen. Wie Ramsay Theon/Reek (Alfy Allen ist großartig) badet und ihm oben zitierte Frage stellt, ihn für eine List gleichsam präpariert, hat Horrorfilm-Potential. Ich hoffe, Yara und Ramsay begegnen einander wieder. Und ich hoffe, sie wird ihn dann [Raum für freies Assoziieren].

In Meereen ist Daenerys mit den Konsequenzen ihres Handelns und das ihrer Drachen, die Ziegen (kurz sah es auch nach Kind aus) reißen, konfrontiert. Hizdahr zo Loraq, hoher Meereen-Adel und ein weiterer gutaussehender junger Mann im Bekanntenkreis der Drachenmutter, lehrt sie: Nicht alle Sklavenhalter waren Monster.

"I am guilty of being a dwarf"

Der wichtigste Handlungsstrang findet in King's Landing statt: Tyrions Verhandlung, gut vorbereitet von Cersei. Sie lässt ihren kleinen Bruder wirklich schlecht aussehen, reißt seine pointierten Zitate aus dem Zusammenhang - und spielt ihren Trumpf aus. Ich wusste, all die Fragen nach Shae sind berechtigt. Shaes Aussage liefert das Motiv für den Mord an Joff (um Sansa ins Bett zu kriegen) - und provoziert Tyrion zu einer hasserfüllten Rede, einer Abrechnung mit seinem Vater und der Stadt, die ihm den Dank für ihre Rettung schuldig blieb: "I should have let Stannis kill you all", schreit er. Auch Tywin ist gnadenlos. Tyrions Tod wäre kein Mord, sondern Gerechtigkeit, sagt er Jaime. Einmal Familientherapie bitte. Aus Jaimes Plan (ein Leben an der Wall für Tyrion, dafür erfüllt er seines Vaters Wunsch und wird Lord von Casterly Rock) dürfte also nichts werden. "I demand a trial by combat", verlangt Tyrion. Aber wer soll für ihn antreten? Sein einarmiger Bruder? Ritter Bronn; oder hat der die Stadt verlassen?

Warum nennt man Varys, der übrigens aus der Sklavenstadt Lys stammt, eigentlich Spider? Wahrscheinlich, weil es in Westeros kein Teflon gibt. An diesem "Mann" prallt alles ab. Auch Tyrions Bitte nach Hilfe. "Sadly, my Lord, I never forget a thing", sagt er nur.

FUNDSTÜCK # 1 (Großartig, unbedingt anschauen!)

Tyrion's Speech (Alternate Ending)

ZITATE DER WOCHE

  • Eunuch Varys sublimiert: "The absence of desire leaves one free to pursue other things."
  • Tycho Nestoris von der Iron Bank: "Across the Narrow Sea your books are filled with words like 'usurper' and 'madman' and 'blood right'. Here our books are filled with numbers. I prefer the stories they tell. More plain. Less open to interpretation".

BEMERKT

  • Nur 100 Münzen Kopfgeld für The Hound? Bisschen mager.
  • König Tommen entschuldigt sich am Anfang der Verhandltung und haut ab. König Feig? Oder König Folgsam?

FUNDSTÜCK # 2

Falls ihr euch wie ich fragt, wieso George R.R. Martin für seine "Song of Ice and Fire"-Romane so lange braucht (J.K. Rowling war deutlich schneller): Das mag an seinem Computer liegen, Martin schreibt auf einer "DOS Machine" mit Word 4.0. Zumindest ist er nicht ans Internet angeschlossen, kann also keinen Virus bekommen. Seht selbst:

 

>> "Game of Thrones"-Episodenblog

 

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich einen Tag nach der Erstausstrahlung in den USA zeigt.