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Schule: Wie die Zentralmatura zu retten ist

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Die beiden Direktoren des Bildungsforschungsinstituts BIFIE ziehen sich zur Freude von Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) zurück. Die Probleme rund um die Zentralmatura bleiben.

Wien. Die Schuldigen für die Pannenserie bei der Zentralmatura scheinen zumindest für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gefunden zu sein: Die beiden Direktoren des Bildungsinstituts BIFIE, Martin Netzer und Christian Wiesner, müssen gehen. Oder, wie es offiziell heißt: Man habe sich „einvernehmlich“ darauf verständigt, dass sie den „Weg mit Ende Juli frei“ machen. Zur unüberhörbaren Freude der Ministerin: „Ich bin froh. Somit kann das BIFIE vor einem weiteren Imageschaden bewahrt werden.“

Der Austausch der Führungsetage wird jedoch weder dem BIFIE noch der Zentralmatura, der sich nächstes Jahr erstmals alle AHS-Maturanten verpflichtend stellen müssen, helfen. Was muss passieren, damit die Zentralmatura noch gerettet werden kann?

1. Schüler, Lehrer und Eltern müssen endlich
mit ins Boot geholt werden

Bereits einmal musste die Zentralmatura verschoben werden, weil Schüler, Lehrer und Eltern protestierten. Die Chance, die sich durch die gewonnene Zeit ergab, wurde verspielt. Lehrer, Eltern und Schüler konnten auch bisher nicht ins Boot geholt werden. Im Gegenteil: Befeuert durch die dilettantischen Patzer befindet sich die Hysterie auf einem neuen Höhepunkt. Es wäre an der Zeit, das Vertrauen der Betroffen (zurück) zu gewinnen.

Was es dazu braucht? Zuallererst bessere Kommunikation. Dass diese nicht funktioniert, bewies die Englischmatura. Erst am selben Tag erfuhren die Betroffenen, dass die Grenze für ein Genügend von 60 auf 63 Prozent hochgeschraubt wurde. Selbst Heinisch-Hosek gesteht: „Hier gibt es ziemlichen Verbesserungsbedarf.“ Dabei ist sie selbst gefordert: etwa, indem sie beginnt, die Wehklagen der Lehrer über fehlende Übungsbeispiele ernst zu nehmen. Heinisch-Hoseks Aufgabe wäre es, die Bundesreifeprüfungskommission, in der Schüler, Lehrer und Eltern beratend tätig sein sollten, einzuberufen. Diese ist gesetzlich verankert. Einberufen wurde sie nie.

2. Wie „zentral“ eine Zentralmatura wirklich sein darf, sollte noch einmal überdacht werden

Der Idee, eine Matura für alle Schüler zu entwerfen, um für Vergleichbarkeit zu sorgen, können mittlerweile viele etwas abgewinnen. Die Geister scheiden sich an der Frage, ob die gesamte schriftliche Matura – wie zurzeit – zentral vorgegeben werden sollte. Gangbar wäre ein anderer Weg, für den sich viele Experten aussprechen: Nur ein Teil der Maturafragen soll zentral gestellt werden. Wer diesen Teil besteht, erhält eine positive Note. So soll ein Mindestniveau sichergestellt werden. Die restlichen Beispiele sollten wie bisher vom Klassenlehrer gestaltet werden. Sie würden über die Noten zwischen eins und vier entscheiden. Den Vorteil sehen die Experten darin, dass den unterschiedlichen Schulschwerpunkten so Rechnung getragen werden kann.

3. Die Notengebung muss klar sein – und soll sich an vorab definierten Standards orientieren

Das BIFIE hat schon in seinem theoretischen Zugang zur Notenvergabe einen Fehler begangen: Man hat sich nicht zuerst überlegt, was Maturanten eigentlich beherrschen sollten, wenn sie acht Jahre Gymnasium absolviert haben. Sondern hat sich zu sehr daran orientiert, was bisherige Jahrgänge konnten. Man hat also – einfach gesprochen – lieber den Schwierigkeitsgrad der Beispiele auf das Können der Schüler gesenkt, statt die Schüler auf das nötige Niveau zu bringen. So wurden von Wissenschaftlern entwickelte Beispiele, die zu viele Schüler bei Feldtestungen nicht beantworten konnten, schlicht entfernt. Das war politisch gewünscht: Andernfalls hätte es zu viele Nicht genügend gegeben. Und das wäre schwer argumentierbar. Wenn man die Matura als Prüfung ernst nimmt, muss man das ändern.

4. Das BIFIE soll die Hoheit in Sachen Zentralmatura an das Ministerium abgeben

So gut der Einsatz eines Forschungsinstituts bei wissenschaftlichen Studien ist, so fehl am Platz ist es bei der Zentralmatura. Die Verantwortung liegt im zuständigen Ministerium, und die Entscheidungen sind auch direkt dort zu treffen. Welche Aufgaben Schüler bei der Matura können lösen müssen und wo die Grenze zwischen bestanden und nicht bestanden liegt, ist immerhin von großer Tragweite. Die Ministerin kündigte am Donnerstag einen möglichen Schritt in diese Richtung an (siehe Bericht).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2014)