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Luftfahrträtsel: Was wurde aus Flug MH370?

(c) APA/EPA/AHMAD YUSNI (AHMAD YUSNI)
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Die Suche nach der Anfang März verschollenen Boeing 777 der Malaysia Airlines blieb bisher ergebnislos. Nun wird der Meeresboden systematisch mit Tauchrobotern abgesucht.

Wien. Das letzte Lebenszeichen des Flugs MH370 der Malaysia Airlines von Kuala Lumpur mit Kurs auf Peking erfolgte am 8. März kurz nach acht Uhr morgens. Ein Satellit hatte ein automatisches Signal der Boeing 777 aufgefangen – allerdings weitab der geplanten Flugroute, im Indischen Ozean. Trotz Suchaktionen mit insgesamt 82 Flugzeugen und 84 Schiffen, an denen 26 Nationen beteiligt waren, fehlt auch zehn Wochen nach dem rätselhaften Vorfall von der Maschine sowie den 239 Passagieren, die sich an Bord befanden, jede Spur.

Dass die Maschine ins Meer stürzte, gilt als erwiesen. Doch warum sie von der geplanten Flugroute abwich, nach Westen drehte und schließlich Richtung Süden über den Indischen Ozean flog, kann erst dann geklärt werden, wenn das Wrack des Flugzeugs bzw. dessen Blackbox lokalisiert und geborgen wird. Was wurde also aus der Suche nach den Wrackteilen der zwölf Jahre alten Boeing?

Sämtliche Suchaktionen, bei denen die australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) federführend ist, verliefen bisher ergebnislos. Das größte Problem dabei: Die Hilfstrupps wussten zu Beginn eigentlich nicht, wo genau sie anfangen sollten. Aufgrund spärlicher Radar- und Satellitendaten, die zumindest als gesichert gelten, konnte das fragliche Gebiet zwar eingegrenzt werden, es ist dies aber eine mehrere zehntausend Quadratkilometer große Region im Indischen Ozean westlich von Perth.

Durchbruch mit Spezialgerät

Die Suchaktion befinde sich derzeit in einer „Übergangsphase“, sagte der malaysische Verkehrsminister, Hishammuddin Hussein, erst vor wenigen Tagen. Der Einsatz von Schiffen und Flugzeugen wurde eingestellt, die Priorität liegt nun auf der Unterwassersuche. Australische Flugzeuge sowie Schiffe der australischen, malaysischen und chinesischen Marine halten sich in Perth allerdings zur Verfügung. „Um in dieser nächsten Phase mit Sonar und anderen Unterwasserfahrzeugen, möglicherweise in besonders tiefem Wasser, effizient und sicher suchen zu können, müssen wir mehr über den Meeresboden wissen“, sagte der stellvertretende australische Regierungschef, Warren Truss. In dem vermuteten Absturzgebiet sei der Meeresboden stellenweise noch nie systematisch kartografiert worden. Truss traf erst vor wenigen Tagen mit den Verkehrsministern Chinas und Malaysias zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Einig ist man sich: Die Suche wird fortgesetzt. Unklar ist, wie genau. Es könnte auch ein Privatunternehmen damit beauftragt werden, die Suche zu koordinieren.

Zum Einsatz kommt derzeit der Tauchroboter Bluefin-21, der seit Mitte April die Gegend des Zenith-Plateaus, rund 1800 Kilometer nordwestlich von Perth, absucht. Aus dieser Gegend wurden jene Signale aufgefangen, von denen man vermutete, dass sie von der Blackbox stammen. In 35 Tagen hat der Roboter zwar 400 Quadratkilometer Meeresboden abgesucht, aber – wieder einmal – ohne Ergebnis. Derzeit muss der von der US-Marine zur Verfügung gestellte Roboter eine Pause einlegen, weil man auf Ersatzteile wartet.

Das Problem mit dem unbemannten Roboter: Er kann „nur“ bis zu 4500 Meter tief tauchen. Das Unterwasserplateau weist aber eine Tiefe zwischen 1700 und 6000 Metern auf. Daher könnte schon bald auch ein Tauchroboter des deutschen Geomar-Instituts aus Kiel zum Einsatz kommen. Das Unterwasserfahrzeug Abyss, das in einer Tiefe von bis zu 6000 Metern arbeiten kann, wurde bei der Suche nach dem Air-France-Flug 447 verwendet, der 2009 auf dem Weg von Rio nach Paris in den Atlantik gestürzt war. Mit Erfolg: Die Wrackteile wurden damals in großer Tiefe entdeckt.

Wer bezahlt die Suche?

Und die Kosten der Suchaktion? Experten schätzen, dass diese bisher zwischen 25 und 30 Millionen Euro verschlungen hat. Bezahlt haben Australien, China und Malaysia sowie die einzelnen beteiligten Staaten. Der Einsatz von Spezialgerät wird diese Summe vermutlich um weitere 40 Millionen in die Höhe treiben.

Hintergrund

Der Flug MH 370 der Malaysia Airline hob am 8. März um 00.41 h in Kuala Lumpur ab und sollte um 6.30 h in Peking landen. Um 1.19 h gab es den letzen Funkkontakt zwischen Cockpit und der malaysischen Flugraumüberwachung – und keinen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten im Flugzeug. Kurz darauf wurde der Transponder abge-schaltet, es wurde kein automatisches Signal mehr gesendet. Später orteten ein Militärradar sowie ein Satellit die Maschine westlich des geplanten Kurses.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2014)