Warum Russland ein Paradies für risikobereite Aktienschnäppchenjäger und T-Mobile USA auf Kursrekordjagd ist.
Gut hatte es zu Wochenbeginn ausgesehen: Nach Dow Jones und S&P 500 setzte auch der deutsche DAX zu einem Angriff auf seine Rekordmarke an. Aber damit wird es vorerst wohl nichts: Die wichtigen Indizes haben bilderbuchmäßig an den oberen Begrenzungen ihrer sehr breiten Seitwärtskanäle, in denen sie seit vorigem Dezember feststecken, nach unten abgedreht. Die Börsenregel, sich im Mai von den Märkten fernzuhalten („sell in may and go away“), scheint Substanz zu haben.
An der seit Wochen gültigen Empfehlung, sich das Spektakel bis zu einer klar erkennbaren Richtungsentscheidung am besten von der Seitenlinie aus anzuschauen, ändert sich vorläufig also nichts. Zumindest nicht für mittelfristig orientierte Anleger, die nicht über das Rüstzeug und die Erfahrung verfügen, die Kursausschläge in stark schwankenden Seitwärtsmärkten zu nutzen.
Das Marktverhalten der vergangenen Monate deutet jedenfalls darauf hin, dass es nach dem Rückfall von den Rekordmarken im schlimmsten Fall noch recht ordentlich nach unten gehen könnte. Die untere Begrenzung des seit Anfang Dezember gültigen Seitwärtskanals liegt im DAX ja beispielsweise bei rund 9000 Punkten. Und davon ist der deutsche Leitindex noch gute 600 Punkte entfernt.
Gegen einen solchen Absturz, der ja auch an den US-Börsen droht, spricht der Umstand, dass die Märkte derzeit nicht ganz so aufgeblasen sind wie beim dem letzten Versuch, den Rekord zu knacken. Die Korrektur könnte also milder ausfallen. Dafür spricht allerdings ein Warnsignal, das nicht wenige Analysten für ein starkes Zeichen der Trendwende in den USA halten: Dort registriert man gerade einen deutlichen Rückgang beim Aktienkauf auf Pump. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sich die Profis im Markt derzeit nicht übertrieben wohlfühlen.
Wer jetzt investiert, geht also ein enormes Risiko ein, das sich in Einzelfällen aber lohnen könnte. Das betrifft besonders Papiere, die politisch heruntergeprügelt wurden.
Eine Fundgrube dafür ist derzeit Moskau. Die russische Wirtschaft leidet zwar ziemlich extrem unter der Ukraine-Krise, was sich unter anderem in gewaltigen Kapitalabflüssen aus dem Land niederschlägt. Von diesem Strudel werden allerdings auch Unternehmen, die gut geführt bzw. durch ihre Monopolstellung schwer angreifbar sind, mitgerissen.
Auf eines davon, Gazprom (ISIN US3682872078), haben wir hier schon Anfang April hingewiesen. Das Papier ist unterdessen vom Tiefpunkt bei 4,5 Euro auf über sechs Euro, also um ein gutes Drittel, gestiegen – und ist mit einem KGV von nicht einmal drei noch immer abenteuerlich unterbewertet.
Als ähnliche Goldgrube könnte sich das größte russische Geldinstitut, die Sberbank (ISIN 80585Y3080), entpuppen. Sie liefert hervorragende Ergebnisse ab, ihr Kurs hat politisch allerdings ebenfalls stark gelitten. Mitte März wurde der Abwärtstrend gestoppt, seither geht es in einem relativ breiten Band seitwärts dahin. Fast alle Experten erwarten allerdings einen Ausbruch nach oben. Und zwar gewaltig: Die Kursziele reichen bis zu elf Euro, zuletzt notierte das Papier bei 6,80.
Für beide Papiere gilt freilich: Sie sind in der aktuellen Situation hochspekulativ, und wenn sich die Ukraine-Krise wieder verschärft, kann es sehr schnell nach unten gehen. Also eine Spekulation für Hartgesottene, die in der Lage sind, schnell zu reagieren.
Wer es beschaulicher liebt: T-Mobile USA (ISIN US8725901040), eine Tochter des deutschen Telekomkonzerns, ist derzeit auf Kursrekordjagd und hat gute Zensuren von den Analysten. Getrieben wird das Ganze von Übernahmespekulationen: Der drittgrößte US-Telekomkonzern, Sprint, interessiert sich für den viertgrößten, nämlich T-Mobile USA. Der deutschen Mutter kommt dies gerade recht, denn sie fühlt sich in Amerika ohnehin nicht wohl. Zu bedenken ist nur: Der große Sprung aus der Übernahmespekulation ist natürlich schon vorbei und es gibt Anzeichen dafür, dass die US-Kartellwächter den auf 50 Mrd. Dollar geschätzten Deal nicht einfach so durchwinken würden.
Eine Kaufempfehlung hat diese Woche der Windkraftanlagenhersteller PNE Wind (ISIN DE000A0JBPG2) erhalten. SMC Research taxiert den fairen Wert der PNE-Aktie auf 4,60 Euro. Bei einem aktuellen Kurs von gerade einmal 2,80 Euro ergibt das ein recht ordentliches Potenzial.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2014)