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Das Leid der österreichischen Sparer

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Österreich ist das Land der hohen Zinsverluste. Die Sparzinsen sind niedrig - doch die Sparer profitieren keineswegs von der niedrigen Inflationsrate in Europa. Die Teuerung ist hierzulande so hoch wie in keinem EU-Land.

Wien. Die Technokraten der Europäischen Zentralbank (EZB) sind besorgt – und das wird vor allem die Sparer und Anleger in Österreich wieder treffen. Die Notenbanker sorgen sich um die stockende Konjunktur und die niedrigen Inflationsraten in der Eurozone. Diese liegt derzeit bei nur 0,7Prozent im Jahresabstand.

Deswegen zeigt sich die EZB nun wieder öffentlich entschlossen, radikale Maßnahmen zu ergreifen. Es könnte schon bald negative Einlagenzinsen geben, also Strafgebühren für das überschüssige Geld, das die Banken bei der Zentralbank parken. Und, wie könnte es anders sein, es stehen wieder Zinssenkungen im Raum.

Der Leitzins in der Eurozone liegt ohnehin nur noch bei 0,25Prozent. Die EZB will aber auch den Euro schwächen. Im Kontext der niedrigen Inflationsrate im Euroraum sei eine Euroaufwertung für die Eurozone ein Problem, weil ein stärkerer Euro die Einfuhren verbillige und die Inflationsrate noch weiter nach unten drücken würde, sagte kürzlich der EZB-Volkswirt Peter Praet.

Was hat das mit den österreichischen Sparern und Anlegern zu tun? Sehr viel. Sie gehören zu den Leidtragenden. Aus zweierlei Gründe: Erstens, sie werden sich noch lange Zeit mit extrem niedrigen Sparzinsen abgeben müssen. Zweitens, sie profitieren im Gegenzug nicht von der niedrigen Inflationsrate in der Eurozone.

 

Realverluste drohen

Im Gegenteil, im April lag die Teuerung hierzulande bei 1,7 Prozent. Damit verbuchte Österreich (gemeinsam mit Rumänien) die höchste Inflationsrate in der EU. Deswegen, weil Wohnen, Wasser und Energie deutlich teurer geworden sind; die Mobilfunkgebühren sind ebenfalls stark gestiegen. Kurzum: Den Sparern drohen hohe Realverluste. Ein extremes Beispiel: Die Bawag hat ihren Zinssatz für ein einjähriges Sparbuch auf 0,2Prozent pro Jahr gesenkt.

 

Zinsen bleiben niedrig

Dem Sparer bleiben nach dem Abzug der Kapitalertragsteuer nur noch 0,15 Prozent übrig. Würde die Jahresinflation auch nur bei 1,7 Prozent liegen, würde der Sparer einen realen Verlust von 1,55 Prozent erleiden. Bei einem Sparbetrag von 10.000 Euro macht das Minus immerhin 155 Euro aus– auch wenn es nominell nach weniger aussieht.

Die anderen Filialbanken bieten auch nur geringe Zinsen. Bei den Raiffeisenbanken in Wien sind es 0,375 Prozent für einjährige Bindungen. Ebenso bei der Erste Bank. Die Oberbank bietet 0,4 Prozent, die beiden letzteren Institute verlangen allerdings eine (wenn auch geringe) Kontoschließungsgebühr. Die Volksbank Graz-Bruck hat auf den ersten Blick für ihr goldenes Kapitalsparbuch einen recht passablen Zinssatz von 0,76 Prozent. Sie verlangt aber eine höhere Kontoschließungsgebühr von sieben Euro.

Das wirkt sich dann vor allem bei niedrigeren Sparbeträgen aus. Wenn ein Kunde 5000 Euro einzahlt, erzielt er nach einem Jahr einen Nettozinsertrag (nach Kosten und Steuern) von rund 0,4 Prozent. Recht viel bessere Konditionen gibt es in den etablierten Instituten nicht mehr. Und besser wird es nicht werden. „Die Zinsen sind derzeit überall sehr niedrig, das wird sich wahrscheinlich für längere Zeit nicht ändern“, sagt ein Bankberater in einer Wiener Volksbank-Filiale. Ob die Zinsen vielleicht sogar noch fallen könnten? Schulterzucken.

 

Staatsanleihen im Hoch

Die Konjunktur in der Eurozone stockt, das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal lag hinter den Erwartungen, die Inflationsraten sind niedrig.

In diesem Umfeld gibt es allerdings auch Profiteure: etwa jene, die auf die monatelangen Expertenempfehlungen nicht gehört haben, wonach man mit sicheren Anleihen nichts mehr verdienen könne. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Beispiel: Der Kurs einer deutschen Bundesanleihe mit einem Kupon von zwei Prozent pro Jahr und einer Restlaufzeit von zwei Jahren ist allein in der vergangenen Woche von 106,7 auf 108 Prozent gestiegen (ISIN: DE0001135465).

Oder eine österreichische Staatsanleihe mit einer Restlaufzeit von fast zehn Jahren (ISIN: AT0000A105W3) und einem Zinskupon von 1,75 Prozent: Sie hat auch in den vergangenen Tagen ordentlich an Wert gewonnen. Seit September hat sie sich um rund neun Prozent verteuert. Ein gutes Geschäft für die konservativen Anleiheanleger.

Wenn die EZB nun ernsthaft ihre Geldpolitik wieder lockern will, sind noch höhere Kursgewinne mit sicheren Staatsanleihen wahrscheinlich. (ker)

Was Sie beachten sollten bei... niedrigen Zinsen und hoher Inflation

Tipp 1

Sparbuch. Die EZB erwägt weitere Zinssenkungen, das könnte auch die Sparbücher betreffen. Derzeit bieten Direktbanken wie Vakifbank und Denizbank die besten Konditionen auf dem heimischen Markt. Für ein einjähriges Sparbuch gibt es circa 1,6 Prozent pro Jahr. Nach Abzug von Steuern und Inflation bedeutet dies aber auch einen kleinen Realverlust.

Tipp 2

Sichere Staatsanleihen. In Zeiten stockender Konjunktur und niedriger Zinsen haben sie gute Aussichten. Das zeigt der Kursanstieg einer zehnjährigen österreichischen Staatsanleihe (Zinskupon: 1,75 Prozent). Allein in der Vorwoche legte der Kurs um fast 1,5Prozent zu. Die Anleiheinhaber können im aktuellen Umfeld auf noch höhere Kursgewinne hoffen.

Tipp 3

Spezielle Zinsprodukte. Wenn die Zinsen länger bleiben sollten, werden spezielle Zinsprodukte interessanter. Etwa die nachrangige Zinsstufenanleihe der Erste Group, deren Kupon aktuell zwei Prozent beträgt und in den nächsten acht Jahren auf bis zu fünf Prozent ansteigt (ISIN: AT0000A17J78). Aber Achtung: Die Mindestdepotgebühr ist relativ hoch.

Tipp 4

Bausparer. Bausparbanken werben mit speziellen Zinskonstruktionen, etwa dem „3 + 3 Bausparen“ der ABV. Zwar bleibt nach sechs Jahren kaum mehr übrig als mit einem klassischen variablen oder einem Fixzinsbausparer. Die effektive Verzinsung wird bei rund 1,2 Prozent p.a. liegen. Doch das kann man in Zinszeiten wie diesen als fairen Zinsertrag bezeichnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2014)