Sansa im Schnee

"Game of Thrones": Staffel vier, Folge sieben

"Mockingbird" zeigt gute und böse Brüder, lässt die Spottdrossel fliegen und enthüllt eine Monsterenttäuschung.

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Der Titel der neuen Folge von "Game of Thrones" erinnert mich an "The Hunger Games". "Mockingjay" heißt der dritte Band der dystopischen Jugendbuch-Trilogie, der Vogel steht für die Rebellion. Damit hat Folge sieben nichts zu tun, der "Mockingbird", die Spottdrossel ist das Zeichen des Hauses (Petyr "Littlefinger") Baelish, in dem es diese Woche große Veränderungen gibt.

Eine der schönsten Szenen der Romanreihe fand ich in "Mockingbird" gut, aber nicht perfekt umgesetzt. Sansa (ihr Blick, als sie den Schnee sieht - als wäre sie zu Hause) baut Winterfell als Schneeburg nach. Die Zeit kindlicher Unschuld ist kurz. Gruselig, wie Littlefinger ihr erst die Liebe zu ihrer Mutter gesteht ("In a better world, one where love could overcome strength and duty, you might have been my child") und sie dann küsst. Er schreckt auch nicht vor Mord an seiner krankhaft eifersüchtigen Gattin zurück, so kommt die "Moon Door", die Falltür ins Nichs, endlich zur Anwendung, ganz so wie es sich der kleine Lord Robin wünschte. Nur hätte er wohl nicht seine Mutter fallen sehen wollen. Der seifenopernhaften Lysa-Storyline weine ich jedenfalls keine Träne nach. Ohne ihre Tante ist Sansa Petyr nun völlig ausgeliefert - wie zuvor Joffrey.

Tyrion hätte einen guten Ehemann für Sansa abgegeben. Auch wenn er gleich einen Brocken des vielleicht künftigen Reiches seiner Gattin im Norden an Ritter Bronn verschachern will, um seinen Kopf zu retten. Der fantastische verbale Schlagabtausch zwischen dem skrupellosen Aufsteiger und seinem ehemaligen Herrn klingt nach Abschied. "I just like myself more", begründet Bronn, warum er nicht kämpfen will, um Tyrion zu retten. Wer will das schon? The Mountain Ser Gregor Clegane (mit Hafþór Júlíus Björnsson erneut umbesetzt) schlachtet zum Spaß. Einarm-Jaime hat gegen ihn keine Chance, wie beide Brüder wissen. Doch es gibt einen Freiwilligen, der gegen ihn antreten will: Oberyn Martell.

"That's not a monster. That's just a baby"

Von den neuen Figuren ist der Prinz aus Dorne meine Liebste. Oberyn führt Tyrion mit einer Geschichte über die größte Enttäuschung seiner Kindheit die Grausamkeit seiner Familie vor - und spricht ihn gewissermaßen frei. Tyrion ist nicht "guilty of being a dwarf", wie er glaubt, sondern seine Familie (namentlich Tywin und die ihm nacheifernde Cersei) hat aus einem Baby mit kurzen Gliedmaßen und großem Kopf ein in ganz Westeros berüchtigtes Monster gemacht. Tyrion-Darsteller Peter Dinklage ist in dieser Szene jedenfalls Emmy-würdig. "I will be your champion", sagt Oberyn. Er sollte ein Freund des klugen kleinen Helden werden. Der bräuchte dringend welche.

"That is where the heart is"

Übles über Martells Duell-Gegner hören wir von seinem kleinen Bruder. The Hound schildert Arya, wie The Mountain ihn als Kind verbrannt hat. Die beiden sind ein gutes, unheilbringendes Team. The Hound muss ihr nur einmal zeigen, wo das Herz sitzt, die junge Dame erweist sich als begnadete Killerin. Rührend, wie sie sich um seine Verwundung kümmert. Überraschend auf ihren Spuren: Brienne und ihr Knappe Podrick nach einer Begegnung mit Aryas altem Freund Pie.

In Kämpfe verwickelt sind Jon und Daenerys. Der junge Watcher on the Wall ficht Machtkämpfe mit dem Lord Commander Alliser Thorne. Die mögen aussichtslos wirken, doch die Night's Watch scheint sich langsam auf seine Seite zu schlagen.

Eine gutgelaunte Daenerys(c) HBO

"Take off your clothes"

Daenerys fällt Herrschen weniger leicht als Erobern. Die Sturmgeborene lässt Daario Naharis in ihr Bett, aber nicht in ihren Kopf. Der treue Ritter Jorah Mormont wiederum darf in ihren Kopf (und ihre Meinung ändern), nicht aber in ihr Bett. Ob das lange gut geht? Hoffentlich bringt Hizdahr zo Loraq Yunkai auf Schiene, ich habe keine Lust, Daenerys in der Sklavenbuch im Kreis marodieren zu sehen.

ZITAT DER WOCHE:

  • Tyrion im Verlies: "I have every kind of filth down here. Except the one I like."

AUFFÄLLIGES:

  • War das eine Landkarte, die Daenerys sich ansieht? Oder sehr seltsame Desigerkleidung?

FUNDSTÜCK:

Peter Dinklage erklärt "Game of Thrones" in 45 Sekunden.

 

>> "Game of Thrones"-Episodenblog

 

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich einen Tag nach der Erstausstrahlung in den USA zeigt.