Schnellauswahl

Chaos um Spital Wien-Nord: Zeitplan soll gerettet werden

Die Baustelle des Großspitals
Die Baustelle des Großspitals(c) Jenis
  • Drucken

Stadträtin Wehsely hält trotz aller Probleme, die die KAV-Führung einräumt, am Zeitplan fest. Neues Management soll Probleme beheben.

Wien. Der „Presse"-Bericht über Chaos und massive Probleme bei der Errichtung des Krankenhaus Nord, welches das modernste Spital Europas werden soll, schlägt Wellen. Immerhin hatten vertrauliche Unterlagen der Begleitenden Kontrolle, die der „Presse" vorliegen, nicht nur massive Probleme bei dem 825-Millionen-Euro-Projekt aufgezeigt, sondern auch festgehalten: Es sei nicht mehr sichergestellt, dass die Projektziele hinsichtlich Termine eingehalten werden können. Es also zweifelhaft ist, dass das Spital (wie offiziell immer erklärt) 2016 in Vollbetrieb geht.

Nachdem vom Krankenanstaltenverbund (KAV) auf mehrfache Nachfrage bestätigt wurde, dass es 2016 nur einen Teilbetrieb geben wird, der Vollbetrieb aller Abteilungen erst 2017 kommt (sich der Zeitplan damit verzögert), sagte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) am Dienstag: Es sei nach wie vor das Ziel, 2016 zu eröffnen. Es sei die Aufgabe, alle Risken so zu behandeln, dass sie nicht eintreten würden: „Wenn nichts Unvorhergesehenes eintritt, können wir den Termin 2016 halten", dann sei ein Vollbetrieb möglich und der Kostenrahmen würde eingehalten. Nachdem die Begleitende Kontrolle diese Risken aufgezeigt habe, könne man nun gegensteuern. Damit bezieht sich Wehsely auch auf eine Ausschreibung für ein Management, die heute, Donnerstag, endet und die Probleme zwischen den verschiedenen Schnittstellen lösen soll.

KAV räumt Probleme ein

Dass es massive Probleme gibt, das Projekt also nicht so reibungslos läuft wie oft offiziell dargestellt, räumte dagegen Udo Janßen, stellvertretender Generaldirektor des KAV gegenüber orf.at ein. Angesprochen auf den „Presse"-Artikel, dass der Vollbetrieb erst 2017 erreicht wird, meinte er ausweichend: Der „medizinische Vollbetrieb" werde im Jahr 2016 beginnen (!), die komplette Patientenkapazität könnte aber auch erst später erreicht werden.

Der technische KAV-Direktor Thomas Balázs erklärt auf „Presse"-Anfrage, ob das Spital nun 2016 oder 2017 im Vollbetrieb stehen wird, alle Abteilungen (wie angekündigt) in Betrieb sind, ausweichend: Man arbeite daran, dass die Risken, die bestehen, nicht eintreten würden. Und: „Natürlich gibt es in einzelnen Abschnitten Verzögerungen - ohne Fassade kein Trockenbau." Nach dem Konkurs jener Firma, welche die Fassade errichten hätte sollen, seien jedenfalls neue Terminpläne erarbeitet worden. Damit sollen Verzögerungen kompensiert werden.

Ende der Übersiedlung offen

Wie Janßen, erklärte Balász aber: Ab 2016 werde begonnen, Patienten aus anderen Häusern nach Wien-Nord zu verlagern. Auf mehrfache Nachfrage, ob 2016 alle Abteilungen (wie ursprünglich angekündigt) in Betrieb sein werden, antwortete Balázs: „Die Übersiedlung beginnt 2016. Ich kann nicht sagen, dass das 2016 abgeschlossen sein wird." Es könnte sein, dass Patienten aus anderen Spitälern aus medizinischen Gründen etwas später verlegt würden. Er spricht (wie Janßen) von einem „medizinischen Vollbetrieb" im Jahr 2016.

Die Turbulenzen sorgen für heftige Reaktionen. VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec empörte sich: „Es ist unglaublich, dass Wehsely und die Führung des KAV bei so einer desaströsen Bestandsaufnahme versuchen, den Wienerinnen und Wienern einzureden, dass alles in bester Ordnung ist. Es ist verantwortungslos, wie hier mit Steuergeldern hantiert wird!"

>> Bericht auf wien.orf.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22. Mai 2014)