Neue, gefährliche Suchtmittel fallen nicht unter die Drogenkontrolle, weil sie gut in legal erhältlichen Substanzen versteckt sind. Crystal Meth ist verboten und verbreitet sich rasant.
Wien. Sie werden K2 oder Spice genannt, und so exotisch wie die Namen sind bisweilen auch die – teilweise unbekannten – Zutaten dieser gefährlichen Mischungen. Eine Substanz haben beide gemeinsam: synthetische Cannabinoide. Sie ahmen die Wirkung von Cannabis nach. Dieses Pseudo-Marihuana gehört – wie auch etwa künstlich erzeugten Substanzen, die die euphorisierende Wirkung der Khat-Pflanze nachahmen – zu den neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), die seit wenigen Jahren den Drogenmarkt überschwemmen.
Im neuen Bericht (Global Synthetic Drugs Assessment), den das Büro der Vereinten Nationen für Drogenbekämpfung herausgegeben hat, wird eindringlich vor diesen NPS gewarnt. Sie fallen nicht unter die internationalen Abkommen über Betäubungsmittel; deshalb erweist sich auch eine globale Beobachtung und Kontrolle als schwierig.
Die Herstellung und Verbreitung entwickelt sich in einer unvorhergesehenen Geschwindigkeit, heißt es im Bericht. Das Fehlen der internationalen Kontrolle hat den Drogen auch den Beinamen Legal High beschert.
Als die Substanzen auf den Markt kamen, wurden sie von Dealern als „legale Alternative zu Marihuana“ beworben. Erst allmählich gehen einzelne Staaten gegen diese neuen Drogen vor; Österreich erließ 2012 ein entsprechendes Gesetz, das die Händler bestraft.
Neue Zombie-Droge
Die Identifizierung der Substanzen ist laut Studienautoren enorm schwierig, da forensische Kapazitäten notwendig sind. Zudem verändert sich die Zusammensetzung ständig. Die oft bunten Päckchen werden nicht als Drogen verkauft, sondern sind in Headshops oder im Internet als Badesalz oder Kräutermischung erhältlich. Zwischen 2008 und 2013 wurden insgesamt 348 NPS offiziell registriert, die Dunkelziffer dürfte allerdings um ein Vielfaches höher sein.
Die als Badesalz verkaufte Droge Cloud Nine etwa hat den Beinamen Zombie-Droge erhalten: Die Konsumenten würden sich wie blutrünstige Tiere benehmen, heißt es in Medienberichten; sogar von Kannibalismus ist die Rede. Eine weitere besorgniserregende Entwicklung ist laut dem Drogenbericht die rasante Verbreitung von Methamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth. Innerhalb weniger Jahre hat diese Droge mit aufputschender und enorm zerstörerischer Wirkung andere Amphetamine wie Speed und Ecstasy weit überholt. Von den 2012 beschlagnahmten 135 Tonnen Amphetaminen waren bereits 107 Tonnen Crystal Meth; das ist eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr.
Zeitweise übersteigt der Konsum von Amphetaminen jenen von Heroin oder Kokain, Amphetamine gelten als die am meisten konsumierten Drogen nach Cannabis.
Mehr Drogen aus dem Iran
Hergestellt wird Crystal Meth vor allem in Mexiko und den USA. Auch der Iran dürfte ein Hotspot sein, zumindest ist im südostasiatischen Raum öfter Crystal Meth aus dem Mittleren Osten aufgetaucht (vor allem in Südostasien verbreitet sich diese Droge rasant). Iranisches Crystal Meth wird neuerdings auch nach Europa geliefert. Immer öfter werden iranische Drogen durch die Türkei nach Europa geliefert; türkische Behörden melden erhöhte Schmuggeltätigkeit.
In Europa ist Speed die am meisten verbreitete synthetische Droge (insbesondere in den nordischen Ländern), gefolgt von Ecstasy und Crystal Meth. Hergestellt wird diese Droge vor allem in Tschechien, gefolgt von Deutschland – und Österreich.
Der Konsum dieser teils neuen synthetischen Drogen ist in Europa bei Männern weiter verbreitet als bei Frauen, heißt es in dem aktuellen Drogenbericht weiter. Die Konsumenten seien auch häufiger arbeitslos denn beschäftigt, und die Drogen seien eher in städtischen Zentren als in den ländlichen Gebieten zu erhalten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2014)