Noch ist Saab als Saab erkennbar, auch wenn GM schon fest den Konzernbaukasten bemüht. Wir schalten im 9-3 Sportcombi entspannt auf „Nightpanel“.
Saab war immer eine Marke der überschaubaren Stückzahlen, aber derzeit ist es gar ein bisschen still geworden um die Schweden aus Trollhättan. Aber was tun mit bloß zwei Modellreihen, und wenn man von der US-Konzernmutter General Motors an der kurzen Leine gehalten wird? Auf bessere Zeiten warten. Ob die in der totalen technischen Verflechtung mit Opel liegen, bleibt abzuwarten. Eigene Designideen gäbe es jedenfalls genug, davon erzählten Saabs Auftritte auf den letzten Automessen.
Unsere Momentaufnahme gilt dem Mittelklasseläufer 9-3 Sportcombi mit dem starken Doppelturbo-Diesel. Der Unterbau, wie gesagt, ist hart am Opel Vectra, was immerhin nicht rufschädigend ist, und man unterscheidet sich ja in nicht ganz unwichtigen Details. Im Design etwa: Da weiß sich der Saab mit seiner ausdrucksstarken, saabig gespoilerten Front und der pfiffigen Leuchtensäule im Transparentlook am Heck doch klar von der Schmucklosigkeit eines Vectra abzusetzen. Und dann die guten alten Saab-Goodies im Innenraum, die unverdrossen gepflegt werden: das Zündschloss am Mitteltunnel und nicht an der Lenksäule (soll Knieverletzungen im Crashfall vorbeugen) etwa oder „Nightpanel“, der Knopfdruck zum Deaktivieren aller nicht so wichtigen Anzeigen bei Nachtfahrt.
Nichts stört die Nachtruhe
Auch auf dem Gebiet des Turboladers kann Saab auf historische Verdienste pochen (der Saab
99 hatte einen der ersten serientauglichen für Pkw, 1977), dieser 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel mit zweistufiger Aufladung stammt jedoch von Fiat. 180 PS sind ein Wort, erst recht 400 Newtonmeter Drehmoment, die der Vorderachse schon empfindlich nahezutreten vermögen. Die Paradedisziplin des 1,9 TTiD ist daher nicht das Beschleunigungsduell an der Ampel, was auch nicht im Mindesten Saab-like wäre, sondern der Durchzug auf der Autobahn. Wunderbar, wie man stets den sechsten Gang stehen lassen und sich von der Baustellenschikane wieder zurück auf Reisetempo schlenzen kann. Dank dem kleinen Lader muss man nicht lange auf den Turboeinsatz warten, und dank des großen hat die Maschine einen längeren Atem, falls wer seinen Diesel gerne ausdreht. Was BMW mit dem ersten Doppelturbodiesel vorgehüpft hat, wird damit langsam zum gehobenen Industriestandard. Für andere Geschmäcker hält Saab einen ganzen Bauchladen an Motoren bereit, es gibt sechs Benziner (bis 280 PS), drei Diesel und zwei, die mit Superethanol (E85) fahren.
Der Laderaum des Sportcombi ist nicht von unfassbarer Geräumigkeit, hier geht es eher darum, vom Businesstermin in Italien oder der Wachau noch ein paar Kisten Wein einzupacken. Wenn man dann die Klappe zuhaut, züngelt einen der gekrönte Adlerkopf des selten gewordenen Saab-Logos an.