Die Parteien verlegen den EU-Wahlkampf ins Hohe Haus, die Neos setzen ihre "Parlamentsferien" fort. Die ÖVP will Geldstrafen für das Fernbleiben von Mandataren einführen.
Der zweite Tag des Budgetdebatte im Nationalrat stand wieder im Zeichen des EU-Wahlkampfes. FP-Generalsekretär Herbert Kickl nahm sich gleich 20 Minuten, um darzustellen, dass die Regierung nichts dafür tue, die eigene Bevölkerung vor Lohndumping und Verdrängung zu schützen. Stattdessen betreibe sie "Umverteilung in die Europäische Union". SP-Ressortchef Rudolf Hundstorfer brauche sich nicht um Polen, Rumänen und Bulgaren kümmern, die hätten ihren eigenen Sozial- und Arbeitsminister, so Kickl.
Die SPÖ ließ die Kritik nicht gelten und warb dafür, wie intensiv man sich in den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit werfe. ÖGB-Vizechefin Sabine Oberhauser meinte, die österreichische Strategie gegen Jugend-Arbeitslosigkeit sei ein Exportschlager. Hundstorfer vermeldete Fortschritte bei der Integration Älterer in den Arbeitsmarkt. VP-Sozialsprecher August Wöginger würdigte, dass die Regierung erfolgreich daran gegangen sei, das faktische Pensionsalter nach oben zu bringen, etwa durch das Pensionsmonitoring.
Die Grünen warben ebenfalls für ein Kreuzerl am Sonntag, sorgten sich aber vor allem um die Unterstützung der pflegenden Angehörigen. Vermisst wird von Sozialsprecherin Judith Schwentner etwa ein Rechtsanspruch auf Pflegekarenz.
Auf Wahlkampf-Reden verzichtet wurde von den Neos, die sich zwar zu Beginn der Sitzung kurz im Plenarsaal zeigten, dann aber ihre Parlamentsferien fortsetzten. Man wolle den Leuten auf der Straße erklären, weshalb das Budget "böse" ist, so die pinke Botschaft.
Die ÖVP forderte anlässlich der "kollektiven Arbeitsverweigerung" der Neos die Einführung von Geldstrafen für das Fernbleiben von Abgeordneten. Unentschuldigte Abwesenheit solle in Zukunft mit Sanktionen belegt werden, sagte Klubobmann Reinhold Lopatka. Umgesetzt werden könnte dies im Rahmen der Überlegungen zu einer Parlamentarismusreform. "Es kann nicht sein, dass vom Volk in den Nationalrat gewählte Mandatare tagelang Arbeitsverweigerung ohne irgendwelche Konsequenzen betreiben können", sagte der Klubobmann.
Bei der Budgetdebatte im Nationalrat sparte die Opposition nicht mit Kritik. Sie warf der Regierung etwa "Zahlentrickserei", Intransparenz und "Schuldenmacherei" vor. SP-Bundeskanzler Werner Faymann und VP-Finanzminister rückten erwartungsgemäß zur Verteidigung aus. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
Doch die Beschwichtigungen überzeugten Neos-Klubobmann Matthias Strolz und seine pinken Kollegen nicht. Sie zogen nach der Stellungnahme der Regierungsspitze aus dem Plenarsaal aus. "Wir sehen uns genötigt, eine klare Note des Protests auszusenden Richtung SPÖ und ÖVP", argumentierte Strolz. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
Er gestehe der Regierung zwar zu, dass die Spielräume fürs Budget eng seien, aber die Handlungsmaxime von rot und schwarz laute offensichtlich, lieber Milliarden Schulden auf Kosten der nächsten Generation zu machen, als die Privilegien der eigenen Klientel zu beschneiden. Wenn man bei einem Budget von 19 Kilo Papier am Ende der Woche der Budgetberatungen von Nachbesserungen erfahre, sei das "nicht fair", kritisierte der Neos-Chef. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
Vor ihrem Auszug platzierten die Neos auf ihren Tischen noch pinke Schilder mit der Aufschrift: "Sorry, wegen #budgettricks geschlossen." Bis Freitag (dann wird das Budget beschlossen), wollen sie nun in allen Bundesländern der Bevölkerung erklären, was am geplanten Haushalt "böse" ist. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
SPÖ und ÖVP nutzten die Abwesenheit der Pinken, um deren Plätze zu "verschönern" und die "wahren Gründe" für deren Auszug darzustellen. Ein Schild mit der Aufschrift "Bin Bäume umarmen, euer Matthias", wurde auf den Platz von Strolz gelegt. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
Bei "Spaghetti-Monster"-Anhänger Niko Alm hieß es: "Bin Nudelsieb kaufen." Daneben gab es pinke Luftmatratzen, Rettungsringe und Schwimmflügerl. APA/ROLAND SCHLAGER
An dem Auszug beteiligte sich die übrige Opposition zwar nicht, dafür aber an der Kritik: Das, was dem Finanzminister mit dem Budget 2014/2015 gelungen sei, sei "Dilettantismus", fand etwa FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Das Budget habe nicht einmal eine Woche standgehalten, verwies er auf die mittlerweile angekündigten Nachbesserungen. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
Auch Grünen-Chefin Eva Glawischnig beschreibt den Haushalt als "nicht beschlussreif", weil die Zahlen "nicht mit der Realität übereinstimmen". Die Vorgangsweise der Regierung bei den Nachbesserungen sei intransparent gewesen. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
VP-Klubobmann Reinhold Lopatka wies die Vorwürfe umgehend zurück: Die Opposition sei ordentlich eingebunden worden, betonte er. Außerdem handele es sich um ein gutes Budget.Die Neos mussten sich wegen ihres Auszugs "Arbeitsverweigerung" vorwerfen lassen. APA/ROLAND SCHLAGER
Die höchste Steuer- und Abgabenquote habe Österreich unter schwarz-blau gehabt, konterte auch SP-Klubchef Andreas Schieder. Wenn man ein Budget ernsthaft diskutieren wolle, müsse man sich auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anschauen, denn "ein Budget zu erstellen ist wesentlich schwieriger als eines zu kritisieren". (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
Die Opposition protestiert gegen das Vorgehen der Regierung beim Budget. Die Aktion der Neos verstößt laut NR-Präsidentin Prammer gegen die Geschäftsordnung.
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