Ostukraine: Separatisten jagen Brücke in die Luft

UKRAINE CRISIS
Die Gebäude im Dorf Semjonowka nahe Slawjansk wurden bei Kämpfen beschädigt. Bei einer Versammlung lassen die Dorfbewohner ihren Gefühlen freien Lauf.APA/EPA/MAXIM SHIPENKOV

Sabotageakt soll Vorrücken der Regierungstruppen behindern. Schwere Gefechte fordern zahlreiche Tote. Nato sieht indes Anzeichen, dass Russland seine Truppen aus Grenzregion abzieht.

Mit der Sprengung einer Brücke haben militante Aktivisten in der Ostukraine das Vorrücken von Regierungseinheiten im Raum Lissitschansk verzögert. Die Sicherheitskräfte hätten in der Früh mit gepanzerten Fahrzeugen den Ort rund 90 Kilometer nordwestlich der Gebietshauptstadt Lugansk erreicht, sagte Separatistenführer Alexej Tschmilenko am Donnerstag. Die prorussischen Kräfte brachten daraufhin die Verkehrsverbindung über einen Nebenfluss des Don zum Einsturz.

In der Ostukraine gab es zudem bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und prorussischen Kräften zahlreiche Tote. "Zu unserem riesigen Bedauern haben 13 Menschen unter dem Feuer von Granatwerfern und schweren automatischen Waffen ihr Leben für die Ukraine gelassen", sagte er. Es war damit wohl der verlustreichste Tag für die Streitkräfte seit Beginn ihrer "Anti-Terror-Aktion" gegen Separatisten Mitte April.

Die Separatisten berichteten von insgesamt 20 Toten. Die Gefechte hätten sich nahe Wolnowacha etwa 60 Kilometer südlich von Donezk ereignet, sagte Separatistenführer Wladimir Makowitsch von der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" nach Angaben der Agentur Interfax.

Russische Soldaten verlassen Grenzgebiet

Die Nato sieht unterdessen erste Anzeichen für einen Teilabzug russischer Truppen aus dem Grenzgebiet zum Nachbarland. Es gebe Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine, die darauf hindeuten könnten, dass sich einige Einheiten auf einen Abzug vorbereiteten, teilte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Donnerstag über Twitter mit.

"Wir haben gestern Abend eine begrenzte russische Truppenbewegung in der Nähe der ukrainischen Grenze gesehen", sagte Rasmussen nach Angaben eines Bündnissprechers in Montenegro. Dies könne darauf hindeuten, "dass einige dieser Truppen den Rückzug vorbereiten". Für eine Beurteilung sei es zu früh, aber er hoffe, dass es der Beginn eines vollständigen Abzugs sei. Die meisten Einheiten blieben aber bisher im Grenzgebiet zur Ukraine. "Und wir sehen fortgesetzte russische Manöver in diesem Gebiet", sagte Rasmussen. "Russland muss seinen internationalen Verpflichtungen gerecht werden, vor allem, weil sich die Ukraine auf wichtige Wahlen vorbereitet", fügte er hinzu.

Nach Angaben der Nato hat Russland zwischen 35.000 und 40.000 Soldaten im Grenzgebiet zur Ukraine stationiert. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte wiederholt angekündigt, die Truppen aus dem Gebiet zurückzuziehen. Bisher hatte die NATO stets erklärt, dass sie für einen solchen Schritt keine Anhaltspunkte habe. Am Sonntag findet in der Ukraine die Präsidentenwahl statt. Im Osten des Landes wollen pro-russische Separatisten die Abstimmung verhindern.