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Hochwasser: Kroatien hilft Bosnien und Serbien

Noch immer müssen sich Bewohner mit Sandsäcken vor dem Wasser schützen.
Noch immer müssen sich Bewohner mit Sandsäcken vor dem Wasser schützen.(c) REUTERS (� Agencja Gazeta / Reuters)
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Obwohl Kroatien selbst schwer von dem Hochwasser betroffen ist, wurde ein Hilfspaket von 100.000 Euro für Bosnien und Serbien beschlossen.

Auch in Kroatien mussten laut offiziellen Angaben insgesamt 11.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Zahlreiche Ortschaften wie Rajevo Selo und Gunja stehen jedoch noch immer unter Wasser, in anderen Dörfern sind nach wie vor Abwehrmaßnahmen im Gange. In Serbien ist indes die Opferzahl auf 27 gestiegen. Kritik wird an den serbieschen Behörden von Obrenovac und Belgrad laut.

Dennoch hat die kroatische Regierung am Donnerstag finanzielle Hilfe für die Nachbarländer Bosnien-Herzegowina und Serbien von jeweils 100.000 Euro beschlossen. Bereits am Wochenende schickte Kroatien Hilfsmannschaften und Hilfsgüter in die Nachbarländer.

Laut kroatischem Roten Kreuz sind bisher 17,6 Millionen Kuna (2,3 Mio. Euro) an Spenden für Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien zusammengekommen. Parlamentsabgeordnete haben am Donnerstag auf einen Teil ihres Gehalts zugunsten der Hochwasserhilfe verzichtet.

Da der Wasserstand der Save langsam fällt, wurde der Katastrophenzustand in der Stadt Slavonski Brod aufgehoben. Die Bewohner können in ihre Häuser zurückkehren.

Acht Tonnen Tierkadaver entsorgt

Das Gesundheitsministerium rief inzwischen eine Warnung vor Epidemien aus. Derzeit laufen in den zugänglichen Gebieten Aufräumarbeiten, fast acht Tonnen Tierkadaver wurden bisher geborgen und sollen entsorgt werden.

Der Schaden für die Landwirtschaft macht laut Bauministerin Anka Mrak Taritas etwa 100 Mio. Kuna (13,13 Mio. Euro) aus. An Wohnobjekten in den überfluteten Gebieten dürfte ein Schaden von bis zu 400 Mio. Kuna entstanden sein, berichtete der kroatische Rundfunk HRT. Laut Taritas müssen mehr als 3.000 Wohnobjekte renoviert werden.

Serbien: Opferzahl auf 27 gestiegen

Die Zahl der Hochwassertoten ist in Serbien auf 27 angestiegen. Diese Zahl teilte Ministerpräsident Aleksandar Vucic am Mittwochnachmittag mit. Er konnte nicht sagen, ob dies nun die endgültige Opferzahl ist.

Auf Twitter hat sich der serbische Regierungschef unterdessen bei Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) für die Hilfe Österreichs bedankt. "Während der Flut in Serbien war ich in täglichem Kontakt mit meinem Freund, Außenminister Sebastian Kurz. Er war Koordinator der Hilfe der österreichischen Regierung für Serbien. Ich möchte meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für alles, was Österreich und mein Freund Sebastian für Serbien in dieser schweren Zeit getan haben", schrieb Vucic auf Deutsch.

Kritik: Maßnahmen zu spät ergriffen

Nachdem sich die Hochwasser-Situation langsam zu beruhigen begonnen hat, wird in Serbien die Frage der Verantwortung der Behörden thematisiert. In mehreren Gemeinden hätten die Verantwortlichen früher Maßnahmen setzen müssen, um die Katastrophe zu verhindern, meinen Bewohner. Massiv kritisiert wurde der Bürgermeister von Obrenovac, der von dem Überflutungen am schlimmsten betroffenen Kleinstadt.

Bürgermeister Miroslav Cuckovic wies die Kritik, die zuerst in sozialen Netzwerken im Internet auftauchte, am Mittwochabend energisch zurück. In der Kleinstadt südwestlich von Belgrad war am 13. Mai zwar der Notstand ausgerufen worden, die Bevölkerung wurde allerdings erst drei Tage später, am Freitag, als in niedrig gelegenen Stadtteilen das Wasser bereits meterhoch stand, durch Sirenengeheul auf die akute Gefahr aufmerksam gemacht. Ohne Warnung von Fachdiensten, vor allem des hydrometeorologischen Dienstes, hätte er zuvor keinen Alarm auslösen können, erklärte Cuckovic. Auch handle es sich um eine rasch eingetretene Katastrophe, die man nicht hätte verhindern konnte, so der Bürgermeister.

Belgrader Bürgermeister wird kritisiert

Die Kritik richtete sich auch gegen den Belgrader Bürgermeister Sinisa Mali, einem der engsten Mitarbeiter von Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic. Mali hatte am Freitag den Einwohnern von Obrenovac, das zum Großraum der Hauptstadt gehört, nämlich empfohlen, ihre Wohnungen zunächst nicht zu verlassen und die Hinweise der Kommunalbehörden zu verfolgen. Dadurch seien tausende Menschen gerettet worden, war Mali überzeugt. Hätten alle versucht, sich mit ihren Autos in Sicherheit zu bringen, wären sie auf den überfluteten Straßen hängen geblieben, argumentierte auch Cuckovic.

Kritiker, deren Berichte im Internet zu finden sind und die Strafanzeigen gegen Cuckovic und Mali angekündigt haben, sind einer anderen Meinung. Sie sind nämlich überzeugt, dass die Vorgangsweise von Cuckovic und Mali Bewohner in unteren Stockwerken zum Verhängnis wurde. Ein Großteil der 27 Menschen, die in Serbien durch das Hochwasser ums Leben kamen, starb in Obrenovac.

Die Zahl der Hochwasseropfer könnte indes noch steigen. Beim Innenministerium wurden seit Sonntag knapp 800 Personen als vermisst gemeldet. Gut 200 wurden unterdessen ausfindig gemacht.

Tierschützer in Serbien

Seit Mittwochabend sind auch 20 Tierärzte und Logistiker der internationalen Tierschutzorganisation Vier Pfotenin der von Überschwemmungen meist betroffenen serbischen Stadt Obrenovac aktiv. Die Organisation wurde von der serbischen Regierung um Unterstützung ersucht, hieß es in einer Aussendung.

Die Tierschutzorganisation richtete eine Einsatzzentrale in Belgrad ein, um von dort Futter und Medizin zu organisieren. Im Dorf Zvecka bei Obrenovac wurde ein Logistiklager mit einer mobilen Tierklinik eingerichtet. Dort werden nun von Tierärzten verletzte Nutz- und Heimtiere medizinisch erstversorgt.

(APA)