"Exitus": Fast ein echter Tatort

(c) ORF (Cult-Film/Georg Bodenstein)
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Vorab gesehen. Mit der Tatort-Folge "Exitus" versucht sich Kommissar Eisner an großen Themen - um dann doch zu scheitern.

Traurig, trotzdem ist es so: Österreichische Tatort-Folgen sind immer etwas weniger Tatort als deutsche. Was tatsächlich eine Tragödie ist, weil die brave Inkorporation einer corporate identity (die Verkörperung einer Firmenphilosophie) zwar im echten Leben öd, aber für TV-Serien nun mal das täglich Brot ist. Und wenn da einer dauernd auf Kipferl macht, stört das.

Kipferl heißt in diesem, dem Wiener Fall: Kommissar Dackelblick (Harald Krassnitzer) statt herbe Augenringe, "nur ned zu schnö" statt Tempo und kammerspielartige Dramen statt Verbrechen mit gesellschaftspolitischer Relevanz, die es auch mal ins Feuilleton schaffen (wie unlängst).

Insofern ist also "Exitus" (So, ORF) zumindest in einer Hinsicht eine Überraschung: Regisseur Thomas Roth traut sich an Großes: Große Großstadtmythen („Was passiert mit Leichen, die keiner vermisst, wirklich?") und an große Bürger - konkret an eine nicht komplett unrealistische Verschwörung aus Ärzten, Politik und Industrie. Und er wagt - und das ist dann tatsächlich mutig -, den Mord erst in der zweiten Halbzeit nachzureichen.

Nur leider reicht das nicht. Um die kleinen Dramen auszugleichen, die nebenbei passieren: Wie den Dackelblick, den Kommissar Eisner auf den saftigen Weiden des Sozialkitsches ausgiebig Gassi führt. Oder die wahrscheinlich unerotischste Fast-Romanze der Tatort-Geschichte. Da kann sich Roth mit brauchbaren Lokalkolorit-Schmähs (Wiener Autofahrer und der erste Schnee oder das verdächtig bekannte Boulevardblatt „Die Neue") noch so ins Zeug legen: Unterm Strich bleibt nur ein „fast echter Tatort", zu mehr reicht es nicht - nie?

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