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Nudeln, Kaffee, Konserven: Künftig haltbar für immer?

Nudeln
NudelnMichaela Seidler
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Die meisten Lebensmittel haben ein Haltbarkeitsdatum. Oder ein Verbrauchsdatum. Beides sollte man beachten. Aber nur Letzteres dringend einhalten.

Es ist immer wieder aufs Neue ein Dilemma. Kaufe ich im Supermarkt nur die Lebensmittel ein, die ich gerade brauche, oder nutze ich die diversen Mengenaktionen und kaufe auf Vorrat, um Geld zu sparen – auf die Gefahr hin, dass ein Teil davon im Müll landet, weil das Haltbarkeitsdatum abläuft? Eine Frage, die sich insbesondere bei leicht verderblichen Produkten wie Milch und Fleisch stellt, aber auch bei länger haltbaren Waren wie Konservendosen, Konfitüren, Nudeln und Reis.

Immerhin wandert laut Statistik jeder fünfte Einkauf in der Originalverpackung in den Müllkorb. Pro Jahr wirft jeder EU-Bürger 179 Kilo Lebensmittel weg, in Summe ergibt das 89Millionen Tonnen (allein in Österreich sind es 166.000 Tonnen) – auch Waren, die eigentlich noch essbar wären. Gleichzeitig leben 79 Millionen EU-Bürger unter der Armutsgrenze, rund 15 Millionen sind von wohltätigen Institutionen abhängig.

Im Kampf gegen diese Lebensmittelverschwendung wollen daher – auf Initiative von Schweden und den Niederlanden – mehrere EU-Staaten, darunter Österreich, die Reißleine ziehen und das Mindesthaltbarkeitsdatum für lang haltbare Nahrungsmittel wie Tee, Kaffee, Mehl, Müsli, Reis, Nudeln und Hartkäse abschaffen. Bereits heute ist es für einige Lebensmittel wie Zucker, Salz, Essig und hochprozentigen Alkohol nicht erforderlich, weil sie de facto nicht verderben.


Keine Faustregel.
Ob und wann die EU-Kommission zu einer Einigung kommen wird, ist schwer zu sagen. Denn eine verlässliche Faustregel, wie lange Lebensmittel haltbar sind, gibt es laut Ages (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) nicht – zu viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Gekochte, gefärbte Eier beispielsweise bleiben bei Zimmertemperatur vier Wochen, im Kühlschrank sogar sechs Wochen lang haltbar. Leicht verderbliche Waren wie etwa Faschiertes können jedoch bereits beim Einkauf ungenießbar sein. Mindesthaltbarkeits- bzw. Verbrauchsdatum können dabei nur ein Anhaltspunkt sein – vorausgesetzt, man kennt den Unterschied.


Hersteller garantiert. Das Mindesthaltbarkeitsdatum („mindestens haltbar bis...“) ist nach der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung „der Zeitpunkt, bis zu dem die Ware ihre spezifischen Eigenschaften behält“. Das bedeutet, der Hersteller bzw. Vertreiber garantiert mindestens bis zu diesem Zeitpunkt, dass die Ware einwandfrei ist. Beträgt die Haltbarkeit weniger als drei Monate, werden Tag und Monat angegeben. Bei drei bis 18 Monaten der Monat und Jahr, ab 18 Monaten nur das Jahr.

Wobei grundsätzlich gilt: Lebensmittel sind länger haltbar, als es das Mindesthaltbarkeitsdatum anzeigt. Um wie viel länger, ist nicht leicht abzuschätzen und hängt vom Produkt sowie seiner Lagerung ab. Zudem gilt das Mindesthaltbarkeitsdatum nur bis zum ersten Öffnen der Ware. Danach wird die Haltbarkeitsfrist für gewöhnlich nicht mehr erreicht.

Aber darf man nun erst vor Kurzem abgelaufene Lebensmittel essen? Ja, wenn sie einem farblich, geruchlich und in der Konsistenz nicht ungewöhnlich vorkommen und die Überschreitung der Frist im Verhältnis zur gesamten Haltbarkeitsdauer eher gering ist.

Allerdings liegt die Verantwortung dann nicht mehr beim Hersteller oder Vertreiber, sondern ausschließlich beim Konsumenten. Außer natürlich, die Ware wurde erst nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums gekauft – in diesem Fall trägt der Handel die Verantwortung. Das bedeutet also, dass auch abgelaufene Ware verkauft werden darf, sofern sie entsprechend gekennzeichnet wurde.

Deutlich strengere Bestimmungen und Richtlinien gelten beim sogenannten Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis...“), das bei mikrobiell sehr leicht verderblichen Waren (Fleisch- und Milchprodukte, Fertigsalate) angegeben wird. Lebensmittel, bei denen das Verbrauchsdatum überschritten ist, dürfen nicht verkauft und sollten auf keinen Fall verzehrt werden. Sowohl das Mindesthaltbarkeits- als auch das Verbrauchsdatum sind durch die Etikettierungsrichtlinie vorgegeben und somit EU-weit abgestimmt.


Fristen für Kosmetika. Im Übrigen können nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetik- und Gesundheitsprodukte ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Dabei wird das Datum angegeben, „bis zu dem das Produkt bei sachgemäßer Aufbewahrung seine ursprüngliche Funktion erfüllt“. Mit „sachgemäß“ ist beispielsweise eine trockene bzw. kühle Lagerung gemeint.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum setzt sich wiederum entweder aus dem Monat und Jahr oder dem Tag, Monat und Jahr zusammen. Bei kosmetischen Mitteln mit einer Mindesthaltbarkeit von mehr als 30 Monaten ist kein Mindesthaltbarkeitsdatum vorgeschrieben. Stattdessen wird angegeben, wie lange sie nach dem Öffnen ohne Bedenken verwendet werden können.

EU-Vorstoss

Verschwendung. Im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung wollen mehrere EU-Staaten, darunter Österreich und Deutschland, das Mindesthaltbarkeitsdatum für lang haltbare Nahrungsmittel wie Tee, Kaffee, Mehl, Müsli, Reis, Nudeln und Hartkäse abschaffen. Bereits heute ist ein Haltbarkeitsdatum für einige Lebensmittel wie Zucker, Salz, Essig und hochprozentigen Alkohol nicht erforderlich, weil sie praktisch nicht verderben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2014)