Neudefinition der liberalen Strolz-Doktrin

Die Neos werden einige Grundsatzentscheidungen treffen müssen.

Warum hat es eigentlich so viele überrascht, dass eine liberale Partei für die Privatisierung der Wasserversorgung, der Krankenhausverwaltung und der Müllabfuhr eintritt? Und warum hat es die Neos so überrascht, dass so viele so überrascht waren?

Bisher sind die Neos mit der „Ich umarme euch alle, denn ich bin der geerdete Bauernbub aus der Mitte der Gesellschaft“-Masche des Matthias Strolz sehr gut gefahren. Der polarisierenden Angelika Mlinar ließ man das nicht mehr durchgehen.

Die Neos werden nun nicht umhinkommen, einige Grundsatzentscheidungen zu treffen. Eine liberale Partei kann selbstverständlich für Privatisierungen eintreten. Nur muss sie dann auch dazu stehen und nicht halbherzig zurückrudern.

Bei der EU-Wahl hat man gesehen: Die Strolz-Doktrin vom mitfühlenden Liberalismus funktioniert nur, wenn sie von Strolz selbst vertreten wird. Aber auch das ist nun vorbei. Die Frage „Wie hältst du es mit dem ,bösen Neoliberalismus?“ wird die Neos weiter begleiten. Wenn sie darauf die gleiche Antwort geben wie all die anderen Parteien, inklusive der ÖVP, dann wird sich die Frage stellen: Wozu braucht es dann die Neos?

Denn das (noch vorhandene) pinke Lebensgefühl – jung, modern und unkonventionell – wird irgendwann aufgebraucht sein.

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2014)

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