Klangvolle Argumente

"Ein weiteres, klangvolles Argument, Künstler nach Grafenegg einzuladen“, schwärmt Rudolf Buchbinder, seines Zeichens nicht nur Österreichs populärster Pianist, sondern seit dem Vorjahr auch Intendant eines neuen Festivals.

– und nun stolzer Hausherr im jüngsten Konzertsaal des Landes, in Grafenegg. Mit Musik von Schubert und Beethoven ist dieses „klangvolle Argument“ am vergangenen Freitag eröffnet worden, ein Haus, architektonisch in unserem jüngsten „Spectrum“ bereits vorgestellt, das wir getrost als Wahrzeichen nehmen dürfen. Ist es doch keineswegs selbstverständlich, dass hierzulande in Kultur investiert wird.

Zwar geht europaweit der Trend in Richtung Kultur-Förderung, allenthalben baut man sogar neue Opernhäuser, weil man erkannt hat, dass mit Hochkultur über den Tourismus-Umweg nicht nur Image, sondern auch Geld zu verdienen ist. Hierzulande ist alles ein wenig anders. Zumindest der Bund hat mittlerweile bereits über Jahrzehnte sein diesbezügliches Bewusstsein eingeschläfert. Man wundert sich, dass trotz aberwitzigen Werbeaufwands die Hotelbuchungen für die Zeit einer Fußball-EM hinter den Erwartungen zurückbleiben – offenbar hat man gedacht, die Hooligans würden gern im Sacher absteigen – erkennt dabei nicht, welche Blamage es ist, dass ein internationaler Werbeträger vom Format des Burgtheaters zur fraglichen Zeit einfach nicht spielt; und „deckelt“ weiterhin Kulturbudgets bis zur vollständigen Erstickung der betroffenen Institutionen.

Wird Kultur ganz Ländersache? Niederösterreich statuiert in Grafenegg ein Exempel. Aus der Kommerz-Musical-Nichtigkeit hat Wien mit dem Theater an der Wien ein international konkurrenzfähiges Opernhaus erstehen lassen. Da dürfen sich die für flächendeckendere Entscheidungen Verantwortlichen im ORF (siehe die Ignoranz beim Kulturauftrag) bis zur republikanischen Kulturpolitik noch ein Weilchen ruhig zurücklehnen, bis offenbar wird, dass mangels Weitblicks in ihren Gärten nur noch Dörrobst zu ernten ist. Dann fährt immerhin die U-Bahn schon bis zum Prater-Stadion.


wilhelm.sinkovicz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2008)

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