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Der nächste Schlag für die Sparer

(c) APA/dpa/Boris Roessler
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Die Europäische Zentralbank wird wohl die Zinsen noch weiter senken. Gut für die Schuldenpolitiker, schlecht für die Anleger. Sie zahlen seit Jahren für die Krise.

Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird mit ziemlicher Sicherheit den Euro-Leitzinssatz weiter nach unten setzen. Die EZB werde sich nicht damit abfinden, dass die Inflation zu lang auf zu niedrigem Niveau bleibt, sagte EZB-Chef Mario Draghi kürzlich. Soll heißen, der Leitzinssatz wird von 0,25 Prozent auf nahe null gesetzt. Und zusätzlich wird es Negativzinsen für Einlagen der Banken bei der Notenbank geben.

 

Inflation frisst Zinsen auf

Die Verliererrolle der Sparer ist für lange Zeit einzementiert. Die österreichischen Sparer müssen bereits jetzt für die Finanzkrise bezahlen. Ein Beispiel: Ein Sparer hat Anfang 2010 einen Betrag von 5000 Euro auf ein einjähriges Sparbuch einer österreichischen Filialbank gelegt. Für das folgende Jahr bleiben ihm wieder 5000 Euro zum Sparen übrig, er legt das Geld erneut auf ein Sparbuch mit einjähriger Bindung. Das macht er vier Jahre lang. Die jährlichen Zinserträge (nach Abzug der Steuer) sind nicht ausreichend, um die Inflation in Österreich abzudecken.

Nach Abzug der Inflation erleidet der Sparer einen realen (akkumulierten) Verlust von rund 400 Euro. Das entspricht mehr als acht Prozent Verlust in vier Jahren. Die Situation wird nun noch angespannter. Nach der Zinssenkung müssen die Sparer mit einer Senkung der Sparzinsen rechnen. Gleichzeitig wird die Inflation weiter zuschlagen. Für April lag die Teuerung in Österreich bei 1,7 Prozent. Das liegt zwar unter der EZB-Wunschmarke von zwei Prozent, aber in keinem anderen EU-Land ist die Inflation derzeit so hoch.

Wenn man Geld auf ein Sparbuch (mit einjähriger Bindung) einer heimischen Filialbank legt, muss man mit einem realen Verlust von 1,3 bis 1,6 Prozent in einem Jahr rechnen. Schlecht für die Sparer. Der Staat aber kann sich dank der niedrigen Zinsen weiter billig verschulden. Warum? Staatsanleihen von sicheren Ländern waren nach den Draghi-Ankündigungen stärker nachgefragt, wodurch die Anleihekurse zulegten.

Steigen bei festverzinslichen Anleihen die Kurse an, reduziert sich im Gegenzug deren Verzinsung. Das kann man deutlich an einer Österreich-Staatsanleihe mit einer Restlaufzeit von rund neun Jahren sehen (ISIN: AT0000A105W3). Deren Kurs liegt derzeit bei über 102 Prozent und notiert damit um mehr als acht Prozent höher als noch im September. Die Rendite macht aktuell nur 1,4 bis 1,5 Prozent aus. Der Finanzminister kann sich die Hände reiben: Wenn die Republik Österreich aktuell eine Anleihe mit ähnlicher Laufzeit platzieren würde, läge der Zinssatz dafür äußerst niedrig. Freuen können sich auch jene Anleger, die sichere Staatsanleihen seit Längerem halten und die Verkaufsempfehlung vieler Analysten ignoriert haben. In den vergangenen Monaten haben sie hohe Kursgewinne erzielt.

Schlecht schaut es für jene aus, die erst jetzt in die Staatsanleihe investieren wollen. Wenn sie das Papier bis zum Ende der Laufzeit halten, erzielen sie nach Abzug von Steuern und Kosten einen jährlichen Ertrag von 0,4 bis 0,6 Prozent. Fast so wenig wie für ein Sparbuch. Wenigstens haben die Anleiheinhaber die Chance, während der Laufzeit das Papier mit Kursgewinnen zu verkaufen.

 

Realverluste mit Lebensversicherungen

Bei Lebensversicherungen schaut es noch düsterer aus. Aus diesen Verträgen kommt man nur schwer heraus (nur mit hohen Kosten). Die Assekuranzen können ihre hochgesteckten Versprechen nicht erfüllen. Daher wird der „Garantiezins“, den sie ihren Kunden höchstens versprechen dürfen, für Neuverträge ab 2015 nur mehr 1,5 Prozent ausmachen. Derzeit liegt er bei 1,75 Prozent. Da steht eines fest: Den Kunden blühen mit Lebensversicherungen reale Verluste. Und das bei sehr langen Laufzeiten. (ker)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2014)