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Arbeitslosigkeit treibt Österreicher in die Schuldenfalle

(c) Bruckberger
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Die durchschnittliche Verschuldung liegt bei 70.598 Euro. Die Budgetberatung im Vorfeld soll eine Überschuldung verhindern.

Zunehmende Arbeitslosigkeit, gescheiterte Versuche, sich selbstständig zu machen, oder schlicht der falsche Umgang mit Geld treiben immer mehr Österreicher in die Schuldenfalle. 2013 suchten 56.419 Menschen kostenlos Rat bei einer der landesweit zehn Schuldenberatungsstellen. In einigen Bundesländern setzt man jetzt auf Vorbeugung: Budgetberatung im Vorfeld soll die Überschuldungsfälle eindämmen.

Die durchschnittliche Überschuldung lag im Vorjahr laut Schuldenreport 2914 bei 70.598 Euro - den Wert treiben Fehlversuche beim Weg in die Selbstständigkeit und Immobilienkäufe in die Höhe. Der Großteil der Überschuldeten (67 Prozent) stemmt sich aber gegen einen Schuldenberg von bis zu 50.000 Euro.

Auch Pensionseitritt kann für Turbulenzen sorgen

Die privaten Finanzen aus dem Ruder laufen lässt in den meisten Fällen der Verlust der Arbeitsstelle (bei 43,7 Prozent) - vor fünf Jahren lag der Anteil erst bei 33 Prozent. Das Arbeitslosengeld reicht dann oft nicht für die Deckung der laufenden Kosten. Doch auch andere Zäsuren im Leben wie etwa der Erwerb einer zu teuren Immobilie, Scheidung bzw. Trennung oder der Eintritt in die Pension können für finanzielle Turbulenzen sorgen.

"Ein Massenproblem sind die Ratengeschäfte", berichtete der Geschäftsführer der Schuldnerhilfe Oberösterreich, Ferdinand Herndler, vor Journalisten aus der täglichen Praxis. So würden etwa Elektrogeräte um 299 Euro um 36 Raten zu 8,31 Euro monatlich angeboten. Die Schuldner griffen allerdings oft bei mehreren solcher Angebote zu. Auch Urlaub auf Raten sei ein Übel. "Ehe Sie eine Pauschalurlaubswoche um 400 Euro mit einer Rate von 26,60 Euro monatlich auch nur annähernd abbezahlt haben, steht schon der nächste Urlaub an", so Herndler.

Fast 700.000 Pfändungen

Die Zahl der Personen, die sich an eine staatlich anerkannte Schuldenberatung wenden, ist in den vergangenen Jahren gestiegen - 2011 waren es 54.324, im Vorjahr um 2.095 mehr. Österreichweit wurden im Vorjahr 691.823 Löhne und Gehälter bis zum Existenzminimum (837 Euro monatlich) gepfändet, alles was darüber lag, wurde direkt an die jeweiligen Gläubiger überwiesen. Zu Pfändungen durch einen Gerichtsvollzieher kam es in 837.205 Fällen.

Seit 1995 gibt es die Möglichkeit des Privatkonkurses, bei dem man sich innerhalb von 7 Jahren entschulden kann. Dafür muss man allerdings eine Mindesttilgungsquote von 10 Prozent schaffen. In Deutschland dauert die Entschuldung seit 1. Juli nur noch halb so lang, in England ebenso. "Seit 1995 sind in Österreich über 120.000 Personen durch den Privatkonkurs gegangen - geschätzt zwei Drittel haben ihn positiv abgeschlossen", berichtete Grohs. Die Schuldnerberatung gibt es seit 20 Jahren.

 

(APA)