Trotz der Ankündigung von Mohamed Bin Issa Al Jaber, von seiner Beteiligung an den Austrian Airlines zurückzutreten bleibt man in Wien optimistisch. Weitere Zugeständnisse an den Scheich sind möglich.
Die Luftfahrtgruppe Austrian Airlines (AUA) hält trotz der Turbulenzen um den möglichen Absprung des austro-saudischen Investors Mohamed Bin Issa Al Jaber unbeirrt am Plan einer Kapitalspritze über 150 Mio. Euro fest. "Wir haben keinen Plan A, B oder C, für uns gibt es gültige Verträge", bekräftigte AUA-Sprecherin Livia Dandrea auf die Frage nach einem möglichen Alternativszenario. Die "Beschlussfassung über die Erhöhung des Grundkapitals" bleibt demnach unverändert als "Punkt 5" auf der Tagesordnung der AUA-Hauptversammlung am Mittwoch, 7. Mai - "aus heutiger Sicht", wie die Sprecherin hinzufügte.
Von einer möglicherweise bereits erzielten Einigung in den Gesprächen zwischen AUA, Kernaktionär ÖIAG (42,75 Prozent) und dem Investor wisse sie nichts, erklärte die Sprecherin. Zuvor war in "informierten Kreisen" gemutmaßt worden, man sei in den Verhandlungen bereits kurz vor einer Einigung, "weißer Rauch" sei schon aufgestiegen. Von AUA und ÖIAG gibt es dazu keine näheren Aussagen.
Lauda glaubt an Alternative
Luftfahrtunternehmer Niki Lauda stellte Spekulationen über ein mögliches Alternativszenario der AUA-Führung an. "Die AUA braucht die 150 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung für die Expansion", sagte der Chef des Billigfliegers Niki im Pressegespräch. Eine Kapitalspritze in dieser Höhe sei unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen "für jede Airline wichtig". Falls die AUA bestellte Flugzeuge nicht bezahlen könne, habe sie "ein Problem". Er geht davon aus, dass die AUA "noch ein anderes Programm haben muss", falls der Einstieg des austro-arabischen Investors Al Jaber scheitere.
Laude bevorzugt Lufthansa
Lauda sieht "strategisch keinen Sinn" in einer Beteiligung durch Al Jaber an der AUA. Bereits wiederholt sprach er sich für eine Annäherung der AUA an die deutsche Lufthansa aus, die gemeinsam mit der AUA bereits dem Luftfahrtbündnis Star Alliance angehört. Lauda verwies auf das Beispiel der Schweizer Swiss, die mit dem 100-Prozent-Eigentümer Lufthansa wieder Gewinne einfliege. Auch die saudiarabische Emirates waren immer wieder als möglicher strategischer AUA-Partner im Gespräch gewesen.
Al Jaber-Brief möglicherweise rechtswidrig
Der Al Jaber-Brief an die AUA könnte auch ein Fall für die Finanzmarktaufsicht FMA werden. "Wir prüfen grundsätzliche und routinemäßig alle Auffälligkeiten", erklärte FMA-Sprecher Klaus Grubelnik auf APA-Anfrage. Nach Ansicht von Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger wäre der Brief "ad-hoc-pflichtig" gewesen, weil ein Ausstieg für den Aktienkurs relevant gewesen sei. Bei Verstößen gegen diese Veröffentlichungspflicht droht eine Verwaltungsstrafe bis zu 50.000 Euro. Angesichts des Investitionsvolumens von 150 Millionen wahrscheinlich eine eher verkraftbare Strafe.
Gipfeltreffen fixiert
Am Abend des 6. Mai werden sich der austro-saudische Investor Al Jaber und Vertreter der AUA zu einem "Krisengipfel" treffen. An dem Gespräch sollen neben dem Investor selbst noch ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer und ÖIAG-Chef Peter Michaelis teilnehmen. Offiziell gibt es von keiner Seite Aussagen über das Verhandlungsprozedere.
Damit soll am Vorabend der entscheidenden Hauptversammlung (HV) der AUA am Mittwoch offenbar ein finaler Anlauf genommen werden, um den skeptisch gewordenen Investor von seinem Rücktrittsplan vom Einstieg abzubringen. Um welche Zugeständnisse es sich handeln könnte, wurde Montagnachmittag noch nicht kommuniziert. (Ag./red.)