Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Burgtheater 2016: Bergmann bewirbt sich nicht

Karin Bergmann
Karin Bergmann(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
  • Drucken

Interims-Direktorin Karin Bergmann muss sparen. Ein Großprojekt für 2014/15 wurde gestrichen. Erstmals führen Pařízek, Stückl, Borgmann und Steckel im Haus Regie. Meyerhoff kehrt zurück.

„13 ist meine Glückszahl“, sagte Direktorin Karin Bergmann am Dienstag bei der Vorstellung der kommenden Saison im Burgtheater. 13 Premieren werde es im großen Haus und am Akademietheater geben. Das sei eine „normale Größenordnung“ im Vergleich zur Ära Bachler und Peymann, weniger als unter Matthias Hartmann (19 Premieren waren von ihm zuletzt geplant). Er hatte das Haus seit 2009 geleitet, war im März 2014 wegen mutmaßlicher Malversationen an der Burg und hoher Schulden von Kulturminister Ostermayer fristlos entlassen worden. Es wird prozessiert. Die Einsparungen werde man intern merken, hoffentlich aber nicht das Publikum, hieß es bei der Pressekonferenz. Ein Großprojekt wurde gestrichen. Es gibt jedoch auch Zustrom fürs Ensemble, das nun aus 48 Männern und 33 Frauen besteht: Stefanie Reinsperger aus Düsseldorf, aus Hamburg kehrt Joachim Meyerhoff zurück.

 

Noch heißt es nicht: „Klappe zu!“

Die Direktorin erklärte, dass sie sich nicht für die Leitung ab September 2016 beworben habe. Auf die Frage, ob sie bleibe, wenn sie vom Minister gefragt, von den Schauspielern gebeten würde, sagte sie, es sei schön, dort große Fürsprecher zu haben, aber: „Ich halte nichts davon, dass ein Ensemble Königsmacher ist.“ Sie gehe nicht davon aus, dass Ostermayer sie fragen werde. Bergmann hofft auch noch auf den Erhalt der Spielstätten Kasino und Vestibül. Sie sei keine Tagträumerin, es heiße aber noch nicht: „Klappe zu!“

Die Burg-Saison beginnt bei den Salzburger Festspielen mit einer Koproduktion. „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus haben dort am 29. Juli im Landestheater Premiere. Für Hartmann ist Georg Schmiedleitner als Regisseur eingesprungen. Am 5. September kommt das Projekt nach Wien. Das Akademietheater eröffnet am Tag darauf mit der Uraufführung „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz. Inszeniert wird die Paraphrase auf „Heart of Darkness“ und „Apocalypse Now“ von Dušan David Pařízek, der sein Debüt an diesem Haus gibt.

 

Turrinis 70. Geburtstag wird gefeiert

Im Oktober inszeniert Jan Bosse am Burgtheater Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“ (mit Meyerhoff). Im November wird Peter Turrinis 70. Geburtstag gewürdigt, mit „Bei Einbruch der Dunkelheit“, das bereits in Klagenfurt zu sehen war. Obwohl Turrini an der Burg jahrelang nicht gespielt wurde, hatten seine Stücke dort zuvor eine große Tradition, sagte Bergmann. Regie führt hier erstmals Christian Stückl. Der sei „ein kongenialer Partner für Turrini“. Im November gibt es im Akademietheater ein Stück für die ganze Familie – „Die Schneekönigin“ nach einem Märchen von Andersen (Regie: Annette Raffalt). Eine weitere Uraufführung folgt dort im Dezember: Robert Borgmann inszeniert das neue Stück Ewald Palmetshofers, „Die Unverheiratete“. Im Jänner 2015 führt David Bösch am Burgtheater bei Kleists Ritterspiel „Das Käthchen von Heilbronn“ Regie. Um den Regisseur für Hermann Bahrs „Das Konzert“, das Bergmann sehr schätzt, muss sie noch werben.

 

Gedenken an Karlheinz Hackl

Im Februar gibt es eine österreichische Erstaufführung: Roland Schimmelpfennig inszeniert sein Stück „Das Reich der Tiere“ (2007). Ebenfalls am Akademietheater ist im März Leo Tolstois erstes Theaterstück, „Die Macht der Finsternis“, geplant. Regie bei diesem Kriminalstück führt Antú Romero Nunes. Im selben Monat soll Michael Thalheimer an der Burg als österreichische Erstaufführung Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ inszenieren. Die letzten Premieren an der Burg sind im April und Mai Labiches „Die Affäre Rue de Lourcine“ (Barbara Frey) und die „Antigone“ des Sophokles (Jette Steckel).

Ergänzt wird das Programm durch neue Reihen, durch Lyrik und Feste, etwa zum 90. Geburtstag Friederike Mayröckers, zum 100. Todestag Georg Trakls, zu den 100. Geburtstagen von Christine Busta und Christine Lavant. Demnächst soll auch des eben verstorbenen Burgschauspielers Karlheinz Hackl mit einer Veranstaltung gedacht werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2014)