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Fünf Jahre IST Austria: Die verordnete Exzellenz

(c) Clemens Fabry / Die Presse
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Vor fünf Jahren wurde das Institute of Science and Technology (IST) Austria gegründet. Ein Überblick darüber, was seither im Norden von Wien „auf der grünen Wiese“ entstanden ist.

Wien. Kaum jemand am Heiligenstädter Bahnhof kennt den Shuttle-Bus, der einmal in der Stunde zum Institute of Science and Technology (IST) Austria im Norden von Wien fährt. Obwohl schon vor fünf Jahren eröffnet, scheint auch das Ziel wenig bekannt: die Eliteuniversität in Maria Gugging, ursprünglich eine Idee des Quantenphysikers Anton Zeilinger.

Entlang der Donau erreicht man den Campus: sanierte Gebäude der ehemaligen Landesnervenheilanstalt neben Neubauten, die noch im Entstehen sind. Auf der „grünen Wiese“ sollte sie entstehen, die Eliteuniversität und politisches Wunschkind des niederösterreichischen Landeschefs Erwin Pröll. Das Land investierte mehr als eine halbe Milliarde Euro in Gebäude und Infrastruktur. Verordnete Exzellenz im Norden von Wien.

Gerade zu Beginn sorgte das für Wirbel in der Wissenschaftsszene. Vor allem die Unis tobten, als man sich damals für die Schaffung des IST Austria und gegen die Stärkung von bestehenden Spitzenbereichen an den Unis entschied – wie man es etwa in Deutschland tat. Die Angst der Unis, finanzielle Abstriche hinnehmen zu müssen, war zum Teil begründet. Das IST Austria wurde großzügig mit Mitteln ausgestattet, die ihnen verwehrt blieben.

 

Auf der grünen Wiese

Auch die Wahl des Orts stand in der Kritik. Vor allem bei denen, die selbst Standort sein wollten – Wien, Oberösterreich und die Steiermark hatten sich darum bemüht. Auch das Projektteam um Zeilinger zog sich unter Protest zurück. Der deutsche Gehirnforscher Tobias Bonhoeffer wurde 2008 zum Präsidenten bestellt, sagte aber nach einem Monat ab. Gewählt wurde schließlich der österreichische Computerwissenschaftler Thomas Henzinger. Haim Harari, der ehemalige Präsident des israelischen Weizmann-Institutes, prägte die Einrichtung entscheidend mit.

Was ist seither passiert? Es ist ruhig geworden um das IST Austria. Aus der Forschung kommen aber Erfolgsmeldungen, etwa aus der Evolutionsbiologie oder der Gehirnforschung. Das IST Austria ist heute eine Einrichtung für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit Promotionsrecht.

Ein Teil des Erfolgsrezepts ist das Miteinander am Campus. Ein Teich bildet das Zentrum, daneben ein Denkmal für die, die hier im Dritten Reich starben: als Symbol für Offenheit, wie man sie hier leben will. Die Wissenschaftler sollen sich austauschen. So wird die Kaffeemaschine zum kommunikativen Herzstück – Gratis-Kaffee gibt es nur an diesem einen Ort. Hier trifft sich ein bunter Mix an Nationalitäten: 50 Staaten sind vertreten, Campus-Sprache ist Englisch.

Wer am IST Austria seinen wissenschaftlichen Abschluss machen will, muss sich bewerben. Nur wenige dürfen bleiben. Nach dem Doktorat ist der Wechsel an eine andere Institution Pflicht, Hauskarrieren gibt es nicht. 5246 Bewerbungen für Professuren gab es bisher, nur 31 wurden angenommen. Dass es gelungen ist, hochkarätige Wissenschaftler an Bord zu holen, zeigen die vielen ERC-Grants: eine EU-Förderung für Spitzenforscher, die an Personen gekoppelt ist. Am IST Austria arbeiten mittlerweile 14 Forscher mit ERC Grant.

 

Langfristige Finanzierung

Einmalig ist die zehnjährige Finanzierungsgarantie, die nach einer Evaluierung bereits 2012 für die Jahre 2017 bis 2026 beschlossen wurde: Insgesamt 1,28 Milliarden Euro, davon 855 Millionen garantiert. Der Rest fließt nur, wenn das IST Austria selbst Mittel in derselben Höhe aufbringt. (Zum Vergleich: Die Unis etwa erhalten nur Finanzierungszusagen über jeweils drei Jahre.) Als weiteres Standbein kommen Spenden dazu, ohne Gegenleistung, wie man betont: bislang 17 Millionen Euro – allein zehn Millionen Euro von der Bertalanffy Foundation, je zwei von Raiffeisen und Voestalpine, je eine von Mondi und OMV. Nutzen will man die Mittel, um zu wachsen. Bis 2026 will man 90 Forschungsgruppen etablieren und mehr als 1000 Mitarbeiter zählen – circa das Dreifache des Status quo.

Viele der einstigen Kritiker sind mittlerweile zu Kooperationspartnern geworden. Denn das Beispiel IST Austria zeigt: Wenn sich der Wert von Wissenschaft in Investitionen widerspiegelt, kann sich vieles entwickeln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2014)