Die Musikjournalistin Lucy O'Brien widmet Madonna eine hymnische Biografie und nennt die Sängerin gar eine „Ikone für die Ewigkeit“.
Mit Madonna ist es so wie mit Spinat. Entweder man mag sie oder man verabscheut sie. Seit vergangener Woche haben die Madonna-Hasser und -Verehrer wieder ausreichend Gelegenheit dazu, sich mit der Popdiva auseinander zusetzen. Ihr jüngstes Album „Hard Candy“ liegt in den internationalen Plattenläden und firmiert bei iTunes, dem digitalen Musiksupermarkt, unter der Rubrik „Neuerscheinungen“ an erster Stelle.
Das Jahr 2008 scheint generell das Jahr von Madonna Louise Ciccione zu sein. Schon im Februar stellte sie ihr Regiedebüt „Filth and Wisdom“, also „Schmutz und Weisheit“, auf der Berlinale vor. Damals waren sich die Kritiker bemerkenswert einig, anders als bei ihrer Musik. Der Tenor lautete einhellig: Filmemachen gehört nicht zu Madonnas Stärken.
Im Hochsommer, am 16.August, feiert die US-amerikanische Sängerin ihren 50. Geburtstag. Ein passendes Geschenk zum Start ins sechste Lebensjahrzehnt hat Madonna schon im Vorjahr von der britischen Musikjournalistin Lucy O'Brien bekommen. Eine ziemlich dicke, fast einen Kilogramm schwere Biografie, die soeben auf Deutsch (im Goldmann Verlag) erschienen ist.
Wer allerdings eine kritische Auseinandersetzung mit der Musikerin erwartet, deren wichtigstes Ziel im Laufe ihrer Karriere war, sich ständig neu zu erfinden, wird enttäuscht. O'Brien verrät bereits im ersten Satz ihrer „Einführung“, dass sie ein Madonna-Fan ist; und beschreibt ihre erste Begegnung mit der fast gleichaltrigen Musikerin im Jahr 1985. Die Autorin war damals zu Besuch bei einer Freundin, deren Fernseher lief. Auf die Frage, was sie sich ansehe, antwortete diese: „Das ist Madonna. Sie zieht ihre Show ab.“ So unspektakulär die Beziehung zwischen der Musikjournalistin, die u.a. für die „Sunday Times“ und den „Guardian“ schrieb, und der Sängerin auch begann, O'Brien wurde zu einer glühenden Madonna-Verehrerin, die den künstlerischen (und privaten) Werdegang der Sängerin akribisch genau verfolgte.
Deshalb kann das Buch zumindest mit einem Aufwarten: sehr vielen biografischen Details.
O'Brien hat zwar mit rund fünfzig Personen aus dem nahen und weiten Umfeld der Sängerin gesprochen, für ein ausführliches Gespräch mit der Künstlerin selbst hat es nicht gereicht. Dafür hat die Musikjournalistin, die selbst viele Jahre in einer Punkband spielte, seit „der Tour Who's That Girl 1988 jede Live-Show von ihr gesehen“. Immerhin.
Die Autorin hält sich brav ans Schema F im Biografien-Schreiben und beginnt ihr 570 Seiten starkes Buch mit der Geburt und Kindheit von Madonna, lässt dazwischen aber immer wieder Wegbegleiter, Backgroundtänzer und frühere Künstlerkollegen zu Wort kommen, die fast ausnahmslos alle auch stets euphorische Lobeshymnen auf die Sängerin anstimmen.
Nach der Jugend setzt O'Brien chronologisch mit Madonnas musikalischen Anfängen, den ersten Auftritten und den ersten großen Erfolgen fort, widmet sich in einem Kapitel Madonnas Verhältnis zu Sex, in einem anderen ihrem modischen Experimenten und in einem weiteren dem kommerziellen Erfolg, der sie Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger überrollte. Nur kurz und eher oberflächlich geht O'Brien auf Madonnas Privatleben und die Adoption des malawischen Buben David ein. In ihrem Schlusswort sagt sie: „Wie die Ikone, die ursprünglich diesen Namen trug, ist auch diese Madonna für die Ewigkeit geschaffen.“
Wie gesagt: Mit Madonna ist es wie mit Spinat. Man mag sie oder man hasst sie.
DAS BUCH
Madonna – Like an Icon
Biografie
Von Lucy O'Brien
Übersetzt von: Winfried Czech, Frauke Meier
Goldmann Verlag
32 meist farbige Fotos
572 Seiten; 14,40
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2008)