Bis 2050 steigt die Zahl der über 80-Jährigen von 18 auf 50 Millionen.
WIEN/BRÜSSEL. Die EU-Kommission schlägt Alarm. Auf alle Mitgliedstaaten kommen dramatisch anwachsende Pflegekosten zu. Laut einer von der Brüsseler Verwaltungsbehörde in Auftrag gegebenen Studie werden sich allein in Österreich die Belastungen von derzeit 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2050 auf 1,5 Prozent fast verdreifachen. Für die gesamte EU wird mit einem Zuwachs von derzeit 0,9 Prozent des BIP auf 1,6 Prozent gerechnet.
Ein Grund für diese Kostenexplosion ist die steigende Lebenserwartung. Die Zahl der über 80-Jährigen wird in der gesamten EU von 18 Millionen im Jahr 2004 auf fast 50 Millionen im Jahr 2050 anwachsen. „Wir sollten die Realität nicht ausblenden und jetzt handeln“, forderte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla anlässlich der Präsentation der Studie.
Handeln ist auch deshalb notwendig, weil viele EU-Staaten sowohl bei der Ausbildung als auch bei der finanziellen Unterstützung der Altenpflege den Erfordernissen schon heute nachhinken. Die EU-Kommission nennt auch die nicht immer gewährleistete Sozialversicherung für Pflegepersonen als Problem. Die Einstellungs- und Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden, heißt es in dem Bericht, der in Österreich ausdrücklich erste Reformschritte würdigt.
Aber nicht nur auf den Staat, auch auf die Familien kommen höhere Belastungen zu. Nach einer Eurobarometer-Umfrage wollen 86 Prozent der EU-Bürger in hohem Alter lieber daheim als in einem Altenheim gepflegt werden. Nur acht Prozent würden einer solchen Einrichtung den Vorzug geben (Rest: unentschieden).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2008)