USA: Und wöchentlich grüßen Obama und Clinton

(c) AP (Carolyn Kaster)
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Die Vorwahlen am Dienstag in North Carolina und Indiana werden die demokratische Präsidentschaftswahl immer noch nicht entscheiden. Alles steuert auf den Parteitag im August zu.

WASHINGTON. Wieder ist ein Dienstag – und wieder ist eine Präsidentschaftsvorwahl bei den Demokraten. Politisch fühlt man sich in den USA teils schon wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Fast wöchentlich wiederholt sich das Ritual, dass Menschen zu den Urnen schreiten und über zwei Kandidaten abstimmen. Und am Ende ist alles so wie am Anfang, und man wartet nur noch auf die nächste Wiederholung.

Auch nach den heutigen Vorwahlen in den Bundesstaaten Indiana und North Carolina wird sich nichts ändern. Barack Obama, der charismatische Senator aus Illinois, wird weiterhin bei der Zahl der Delegierten voranliegen; Hillary Clinton, die erfahrene Langzeitpolitikerin aus New York, wird auf ihr Abschneiden verweisen und nicht aufgeben.

Ein Ende des mittlerweile schon 17 Monate dauernden Kampfes um die demokratische Präsidentschaftsnominierung ist jedenfalls nicht in Sicht. Nicht mit den heutigen Vorwahlen, nicht nach der Vorwahl in einer Woche in West-Virginia, nicht nach jenen sieben Tage später in Kentucky und Oregon, und auch nicht nach den letzten Primaries am 3. Juni in Montana und South Dakota.

Was tun die Super-Delegierten?

Entschieden wird die Nominierung am Ende von den 796 „Super-Delegierten“, die ganz unabhängig vom Ausgang der Vorwahlen in den Bundesstaaten und Territorien ihre Stimmen vergeben können. Aber selbst die haben sich noch nicht alle festgelegt, möglicherweise fällt die endgültige Entscheidung also erst beim Parteitag im August in Denver, Colorado.

Clinton hofft mit den heutigen Vorwahlen zu zeigen, dass sie eine Kämpferin ist und die Wähler überzeugen kann. Ihre eigentlich schon abgeschriebene Kandidatur hat in den vergangenen Wochen wieder deutlichen Auftrieb erhalten – nicht zuletzt wegen schwerer Fehler Obamas – und gipfelte im Sieg in der Vorwahl in Pennsylvania vor zwei Wochen.

Seither hat der afroamerikanische Senator einen Schritt zurück zu seinen Anfängen gemacht. Statt Auftritten vor großen Menschenmengen – 35.000 waren es zuletzt in Philadelphia – konzentriert er sich wieder mehr auf persönliche Kontakte. Damit will er das Image korrigieren, er sei „abgehoben“ und „elitär“, das er sich mit einer unbedachten Bemerkung in San Francisco eingehandelt hatte: In kleinem Kreis hatte er gemeint, die Arbeiter in Pennsylvania seien „verbittert“ und klammerten sich in ihrer Orientierungslosigkeit an „Gott und Waffen“. Das kam schon in Pennsylvania nicht gut an und wird Obama auch bei den Vorwahlen in den arbeiterreichen Bundesstaaten wie West-Virginia und Kentucky nicht helfen.

Obama-Prediger nutzt Clinton

Noch deutlicher als schon vor Wochen distanzierte sich Obama indes auch von seinem Priester und Freund Jeremiah Wright. Nachdem der umstrittene Prediger einen Auftritt in Washington zu einem Medienspektakel gemacht und seine früheren Äußerungen verteidigt hatte – etwa die, dass „Gott die USA verdammen möge“ – ging Obama in die Offensive: Er sei „empört“, und die Bemerkungen Wrights seien „ungeheuerlich“.

Doch diese klare Distanzierung kommt spät: 21 Prozent der Wähler in Indiana sagten, sie hätten wegen Wright Vorbehalte, für Obama zu stimmen. Clinton liegt in dem Staat leicht voran. Der deutliche Vorsprung, den Obama einst in North Carolina hatte, schrumpfte nach den wochenlangen Diskussionen und der Niederlage in Pennsylvania auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Clinton.

Der „Elitäre“ gegen das „Cowgirl“

Ein Abschlussduell lieferten sich die beiden Kandidaten bei TV-Shows am Sonntag. Obama attackierte Clinton auf „NBC“ und warf ihr mit ihren Bemerkungen über den Iran vor, „Cowboy-Diplomatie“ im Stile George W. Bushs zu betreiben. Clinton wiederum bezeichnete Obama bei ihrem Auftritt im Sender „ABC“ als zu „elitär“ für die Mehrheit der Wähler. Die Runde ging an Obama – zumindest bei der Zahl der Zuseher: NBC hatte mit die besseren Einschaltquoten.

HINTERGRUND

Die Endentscheidung bei den Demokraten fällt im August auf dem Parteitag in Denver: Da geht es um 4048 Delegiertenstimmen; Gewinner ist, wer die einfache Mehrheit einfährt. 795 der Delegierten (die „Super-Delegierten“) dürfen ihre Stimmen frei vergeben, die anderen sich durch die Vorwahlergebnisse in den Staaten gebunden. Obama führt inkl. der bereits festgelegten Superdelegierten (etwa 520) laut CNN mit 1736 zu 1599 Stimmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2008)

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