Nach vorläufigen Zahlen ist von mehr als 22.000 Toten die Rede, 40.000 Menschen gelten noch als vermisst. Hunderttausende Menschen sind obdachlos und ohne Trinkwasser. Die Militärregierung des Landes nimmt ausländische Soforthilfe in Anspruch.
Der Zyklon "Nargis" hat in Burma offenbar mehr als 22.000 Menschen in den Tod gerissen. Das berichtete das staatliche Radio, mehr als 40.000 Menschen gelten als vermisst. Ganze Dörfer seien ausgelöscht worden, sagte ein Sprecher des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) am Dienstag. Die Kommunikationsleitungen sind zusammengebrochen, viele Straßen sind nicht passierbar.
Allein in Bugalay im Irrawaddy-Delta dürften 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein, in Laputta 1000 Personen und auf den beiden Inseln Haing Kyi und Mawlamyaing vor der Südküste knapp 3000. In Rangun selbst seien mindestens 59 Menschen getötet worden.
Hunderttausende Menschen sind durch den verheerenden Zyklon obdachlos. Er war am Samstag mit Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometern in der Stunde über die Südküste hereingebrochen. Straßen und Brücken wurden zerstört, in Rangun wurden Strommasten umgerissen, Bäume lagen entwurzelt auf den Straßen.
Militärjunta nicht vorbereitet
Die Junta, die Burma seit 1962 mit brutaler Hand regiert, ist angesichts der immensen Katastrophe überfordert. Viele Bewohner berichten, sie seien bei den Aufräumarbeiten auf sich selbst gestellt gewesen. Im Westen Ranguns wurden Anwohner ausschließlich von buddhistischen Mönchen unterstützt. Das Militär habe lediglich einige Hauptstraßen freigeräumt. Einige machten ihrem Unmut Luft: „Wo sind denn all die Uniformierten, die so schnell Mönche und andere Zivilisten niederschlagen können?“, zitierte die in Nordthailand herausgegebene Dissidentenzeitschrift „Irrawaddy“ einen Einwohner Ranguns in Anspielung auf die von der Junta im September 2007 blutig niedergeschlagene Demokratiebewegung. „Sie sollten anrücken, um die Stadt aufzuräumen.“
Das Rote Kreuz und andere Organisationen haben Unterstützung für das bitterarme südostasiatische Land in die Wege geleitet. Eine Militärmaschine aus Thailand brachte neun Tonnen Hilfsgüter nach Burma. Die Regierung hat insbesondere um Baumaterial für Dächer, um Medikamente, Wasserreinigungstabletten und Moskitonetze gebeten. Die Europäische Kommission stellte Hilfsgüter im Wert von zwei Millionen Euro zur Verfügung.
Die völlig zerstörte Infrastruktur stellt ein immenses Hindernis für die Versorgung der Katastrophenopfer dar. Experten rechnen mit einer raschen Ausbreitung von Malaria, Durchfall und anderen Krankheiten.
Satellitenbilder der UN zeigten, dass sich die Schäden auf ein 30.000 Quadratkilometer großes Gebiet entlang der Andamanensee und dem Golf von Martaban konzentrieren. Dort leben etwa ein Viertel der 57 Millionen Einwohner Burmas.
Tropensturm als böses Omen?
Noch am Wochenende hatte es geheißen, dass die Militärs trotz der Verwüstungen durch Nargis an dem für Samstag angesetzten Referendum über eine neue Verfassung festhalten wollten. „Das gesamte Volk des Landes erwartet dies freudig“, hieß es in einem Bericht der staatlichen Zeitung „New Light of Myanmar“. Abergläubisch wie vor allem Juntachef Than Shew ist, müssten die Militärs das Referendum nun aber verschieben. Denn ein Zyklon kurz vor der Abstimmung gilt als böses Omen.
Die Verfassung, die den Weg zu Wahlen im Jahr 2010 ebnen soll, gilt aber ohnehin als Farce. Nach Ansicht von Regimekritikern ist sie nur dazu da, die Macht der Generäle auch künftig zu zementieren. Oppositionelle und Dissidenten rufen die Bevölkerung deshalb schon seit Wochen dazu auf, mit „Nein“ zu stimmen.
Oktober 1999: Ein Zyklon verwüstet die Küste des indischen Bundesstaates Orissa. Mindestens 15.000 Menschen kommen ums Leben, Hilfsorganisationen sprechen von bis zu 50.000 Toten. 1,5 Millionen Menschen werden obdachlos.
Oktober 1998: Die Regierung von Honduras ruft wegen des Hurrikans "Mitch" an der Atlantikküste des mittelamerikanischen Landes den Notstand aus. "Mitch" und die ihm folgenden Überschwemmungen fordern in Honduras, Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Costa Rica und Belize insgesamt bis zu 18.000 Menschenleben.
April 1991: Der tropische Wirbelsturm "Gorky" trifft Bangladesch. Gigantische Flutwellen überschwemmen weite Teile des Landes und reißen mindestens 138.000 Menschen in den Tod.
Mai 1985: Zwischen 11.000 und 40.000 Tote sind die Bilanz eines verheerenden Zyklons in Bangladesch.
Österreichisches Rotes Kreuz, PSK 2.345.000, BLZ 60.000, Kennwort Katastrophenhilfe
Helfen ohne Grenzen, Raiffeisen Landesbank, Konto Nr. 4.444-0
Caritas, PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: Myanmar/Burma oder online unter www.caritas.at/spenden
Arbeiter-Samariter-Bund
PSK 1.834.000 (BLZ: 60.000) Kennwort: Burma
Ärzte ohne Grenzen, 930.40.950 PSK (BLZ 60.000), Kennwort: Notfall-Fonds
Hilfswerk Austria: PSK 90.001.002, BLZ 60.000, „Burma“
Care: PSK 1.236.000, BLZ 60.000, „Myanmar“ Unicef Österreich: PSK 15.16.500, BLZ 60.000, „Kinder Burma“
World Vision: PSK 90.890.000, BLZ 60.000, „Katastrophenhilfe“
(Die Presse/APA/Red.)